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Kinderbetreuung : Tagesmutter: Toller Job ohne Sicherheit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der Betreuung von Kindern unter drei Jahren sind Tagesmütter eine gern genommene Alternative zur Krippe / Ausfallzeiten werden nicht bezahlt

Lindau | Das Kind ist noch nicht mal auf der Welt, schon müssen sich die werdenden Eltern Gedanken machen, wo der Nachwuchs untergebracht wird, wenn sie zurück in den Job kehren. Neben einer Krippenbetreuung besteht die Möglichkeit das Kind von einer Tagesmutter betreuen zu lassen. Hier sind die Kinder in einer institutionellen Tagespflege oder in kleinen Gruppen in einem Privathaushalt untergebracht, wo sie von ihren Tagesmüttern betreut werden.

Selbstständige Tagespflegepersonen haben gegenüber angestellten Erziehern oder Tagespflegepersonen einen Nachteil: Sobald ein Kind krank wird oder im Urlaub ist, müssen die Kinder beim Kreis abgemeldet werden und die Tagesmutter erhält kein Geld.

Andrea Brügmann ist selbständige Tagesmutter, vor zehn Jahren flog ihr das erste Kind zu. „Damals habe ich das Kind einer Freundin betreut und mittlerweile bin ich seit zehn Jahren Tagesmutter“, erzählt Brügmann. Dementsprechend sieht auch das Wohnzimmer der Brügmanns aus, dort spielen drei kleine Kinder zwischen Bauklötzen, Kinderbüchern und Puzzle.

„Wer nicht arbeitet bekommt auch kein Geld“, so Brügmann. Das könne durchaus zum Problem werden, zum Beispiel wenn die Eltern mit ihrem Kind zur Kur fahren und für sechs Wochen ausfallen. „Ich kann in der Zeit ja schlecht ein anderes Kind aufnehmen, weil der Platz ja freigehalten werden muss und das andere Kind kann nach sechs Wochen auch nicht wieder auf die Straße gesetzt werden, erklärt Brügmann.

Brügmann organisiert sich mit 24 Kollegen im Tagesmütterverein Rendsburg Eckernförde. Dort werden die Probleme diskutiert und angegangen. Dabei geht es auch um die Bezahlung. Eine Tagespflegeperson bekommt vier Euro pro Stunde vom Kreis auf ihre Konto überwiesen. Davon bezahlen die Eltern zwei Euro, die sie dem Kreis überweisen und die Gemeinde sowie der Kreis bezuschussen die Tagespflegepersonen jeweils mit einem Euro. Ein komplexes System, bei dem der Tagesmutter ihre vier Euro sicher sind, solang es keine Ausfälle gibt. Urlaubs und Krankheitszeit von Kind oder Tagesmutter werden vom Kreis nicht übernommen.

„Ich als Selbstständige habe in meinem Vertrag eine Art Ausfallhonorar festgelegt“, erklärt Brügmann. Trotzdem wünsche sie sich mehr Sicherheit vom Kreis. „Nach der Geburt meines letzten Kindes habe ich nach drei Wochen wieder angefangen zu arbeiten. Ich habe also auf meinen Mutterschutz verzichtet, weil ich in der Zeit kein Geld verdienen konnte“, so Brügmann.

Ein weiteres Problem sei die Aufnahme in die Kindertagesbetreuung. Mit Vollendung des dritten Lebensjahres, haben die Kinder Anspruch auf einen Kitaplatz. Häufig sei aber gar kein Platz in den Einrichtungen und die Kinder müssten länger von den Tagesmüttern betreut werden. Dadurch würde der Belegungsplan der Tagesmütter durcheinander geraten. „Wir müssen vorausplanen und haben Wartelisten, da wir nur eine bestimmte Anzahl von Kindern betreuen können“, sagt die Tagesmutter.

In Lindau würde man sich gut miteinander arrangieren. „In unserer Gemeind ist das alles sehr gut geregelt, auch mit der Bezuschussung“, so Brügmann. Andere Gemeinden würden den Zuschuss nur zahlen, wenn die regulären Krippenplätze voll sind.

Krippenplätze sind knapp und die Tagemütter haben zum Teil lange Wartelisten. Sie bieten flexible Betreuungszeiten. „Man muss auch einfach mal sehen, dass ein Krippe nicht länger als 16 Uhr geöffnet hat. Für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, kann das zum Problem werden“, erklärt Brügmann. Für ihren Einsatz wünschen die Tagesmütter sich mehr Sicherheit durch Bezahlung bei Ausfall und Krankheit.

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erstellt am 13.Apr.2017 | 09:25 Uhr

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