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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 06:05 Uhr

Neue Stipendiate im Künstlerhaus : Suche nach Strukturen, Räumlichkeit und Ebene

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der alten Villa in der Ottestraße haben Johanna Kintner aus Leipzig und Lena Oehmsen aus Hamburg ihre Ateliers bezogen. Die Bildhauerin und die Konzept-Künstlerin beziehen den Betrachter ihrer Werke ein.

Eckernförde | Noch ist die Grapefruitskultptur nur ein einfacher Gegenstand ohne jegliche Bestimmung, der neben weiteren Obstskulpturen auf dem Tisch im Gartenatelier liegt. Die Bildhauerin und Künstlerin Johanna Kintner greift zu einer Kunststoffstange, deren Enden sie mit Perlmutt verschlossen hat. „Ich werde sie noch bearbeiten und dann schauen, wie die einzelnen Elemente in den Raum passen und zu einer Installation verbunden werden können“, erklärt sie.

Die 30-Jährige aus Leipzig ist eine der neuen Stipendiatinnen, die Anfang August ihre Ateliers im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in der Ottestraße bezogen haben und die die Vorsitzende des Künstlerhauses, Jutta Johannsen, jetzt vorstellte.

Seit sieben Jahren sieht die studierte Bildhauerin (Studium der klassischen Bildhauerei in Alfter, Studium der Freien Kunst in Trondheim und in Frankfurt an der Städelschule) den Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Beschäftigung mit Räumlichkeit und der Ebene im geometrischen Sinn. Ihre Materialien und Motive findet sie in ihrer unmittelbaren Umgebung. „Mich interessieren sowohl das Objekt als auch der Raum“, erläutert die freischaffende Künstlerin, „und wie der Betrachter sich im Raum bewegt, welche Verbindung er zum Objekt aufnimmt.“ Kintners Ziel ist es, dass der Betrachter sich in ihrer Installation wie in einer Landschaft frei bewegen kann. Betritt man das Atelier von Lena Oehmsen, fällt einem sofort ein riesiger zusammengeklebter Papierbogen an der Wand ins Auge. Tritt man näher, erkennt man lauter Zahlen. „Das sind die Pixelwerte eines Fotos, sozusagen die DNA einer Fotografie“, erklärt sie. Die Hamburgerin ist Konzeptkünstlerin und beschäftigt sich mit Transformationsprozessen.

Die Suche nach Strukturen und Systemen in den digitalen Medien ist einer ihrer Schwerpunkte. Den digitalen Medien setzt sie Mittel aus der analogen Welt entgegen, begeht bewusst Brüche, um die Prozesse aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

„Ich will sehen was passiert“, sagt die Künstlerin. Ihre Motive findet sie überall. „Welche Rolle spielt die Fotografie in unserer alltäglichen Umgebung für unsere Kommunikation?“, fragt sie sich.

Bei einer ihrer Ausstellungen hat die studierte Fotografin (Dortmund, Toronto, Hamburg) ihren Status im Sozialen Netzwerk Facebook auf 1800 Visitenkarten gedruckt. Jeder Besucher konnte eine Karte mitnehmen – der Status wurde so analog entfernt. Ein anderes Mal ließ Oehmsen SMS ausdrucken und per Schauspieler an das Publikum verteilen – die Nachricht wurde überbracht. „Manchmal wird aus einer Idee eine Performance“, so Oehmsen, die eine große Affinität zum Theater im Bereich Bühnenbild hat.

Lena Oehmsen bleibt drei Monate im Künstlerhaus. „Es ist mein erstes Aufenthaltsstipendium und das erste Mal, dass ich in einem kleinen Ort lebe“, sagt Oehmsen, die in Eckernförde die Nähe zum Meer, die kurzen Wege und die Freundlichkeit der Menschen („selbst an der Kasse“) schätzt. Johanna Kintner ist begeistert von ihrem Gartenatelier. „Ich kann aufstehen und direkt ins Atelier gehen und arbeiten“, so die Leipzigerin. Auch die unmittelbare Nähe zum Meer inspiriere sie, denn ihre Motive finde sie stets in ihrer alltäglichen Umgebung, in der sie sich gerade befindet, sagt Kintner.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 05:12 Uhr

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