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Eckernförder Zeitung

23. Februar 2017 | 19:34 Uhr

Bauernserie : Steinreich und doch viel Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 9 der Reihe „Mit dem Bauern durchs Jahr“ / Steinelesen, Weizenaussaat und Vorbereitung der Maiskampagne stehen im September an

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Nein, ein gutes Jahr war es bisher nicht für Familie Köhn. Nicht nur, dass die Preise für die Milch, die Haupteinnahmequelle des Familienhofes,1 unverändert bei rund 21 Cent pro Liter im Keller ist, die Weizenernte fiel auch schlecht aus. Im August konnten Reimer Köhn und sein Team nur etwa 75 bis 85 Doppelzentner je Hektar ernten. In guten Jahren sind es bis zu 110 Doppelzentner, sagt der Landwirt. „Wir haben zu spät ernten können, es war zu nass. Viele Ähren waren auf den Boden gefallen“, sagt er. Das verderbe die Qualität.

Viel zu viel Regen auf einmal sorgte im September auch bei der Aussaat von Raps für Ausfälle. Zweimal hatten sie Raps gedrillt, die Saat mit einer speziellen Maschine automatisch in den Acker gebracht, als nur ein wenig später 30 bis 40 Liter Niederschlag je Quadratmeter innerhalb von nur sehr kurzer Zeit fielen. Dadurch verschlämmt der Boden. Trocknet er dann aus, ist die Krumme sehr hart, so dass die jungen Rapspflanzen nicht oder nur verzögert aufkeimen. So sei Landwirtschaft, wenn das Wetter nicht mitspielt, könne man nur wenig machen, so Köhns Erkenntnis. Damit die benachteiligten Rapspflanzen aufholen, bekommen sie etwas mehr Dünger. Da der Rapserlös dieses Jahr aber ordentlich war, haben Silke und Reimer Köhn beschlossen, statt Gerste auf rund 20 Hektar zusätzlich Raps anzubauen. Das sei zwar ein Risiko, so Silke Köhn, aber sie mussten Handeln. Erfolgreich eingebracht wurde auch der dritte Schnitt auf dem Grünland – Qualität und Menge waren in Ordnung.

Zeitweise war es auf den Äckern noch zu feucht, um mit der verbleibenden Aussaat von Weizen fortzufahren. Dazu wurde bereits die Drillmaschine eingerichtet. Mitarbeiter Rüdiger Burkowski stellt dazu die Menge an Weizensaat ein, die die Maschine je Quadratmeter in die Erde legt. Je früher die Aussaat im Sommer erfolgt, desto weniger Weizensaat wird je Hektar ausgebracht, erklärt Köhn. Die Ursache liegt in der Anzahl der Ähren, die der Weizen bildet. Je später die Aussaat erfolgt, desto weniger Ähren je Pflanze wachsen. Daher wird die Anzahl der Pflanzen erhöht, um den selben Ertrag zu haben, erläutert Köhn.

Bereits absehbar ist die Maisernte 2016. Die Vorbereitungen laufen. Rund 80 Hektar müssen geerntet werden. Ein Lohnunternehmer wird die Pflanzen häckseln. Das Team Köhn wird dann zwei Tage Nonstop den Mais in die Silage einfahren, verdichten und luftdicht abdecken – ihr Rinderfutter für 2017.

Eine weniger beliebte, aber extrem wertvolle Aufgabe ist im September das Sammeln von Steinen auf den Äckern. Zu Fuß werden die Äcker abgelaufen und Steine ab einer Größe einer Faust eingesammelt. Geraten sie bei der Ernte in das empfindliche Schneidwerk des Mähdreschers, können massive Schäden erfolgen. 10  000 Euro Schaden passierten leicht und das Fahrzeug falle aus, obwohl es dringend benötigt werde. „Also werden Steine gesammelt“, macht Köhn deutlich. Sie werden zur Wegbefestigung verwendet oder auch verkauft.

Seit Anfang des Monats werden auch die gemästeten Schweine verkauft. Sobald sie ihr ideales Schlachtgewicht zwischen 95 und 102 Kilogramm haben, werden sie verkauft. „Das war eine gute Entscheidung, wieder Schweine einzustallen“, sagt er und plant im Oktober erneut den Kauf von rund 500 Ferkeln zur Mast. Etwas Erfolgreiches sei dieses Jahr auch dringend nötig, sagt der Landwirt, in dessen Stall rund 170 Milchkühe stehen. Von den Beihilfen, die es jetzt für Milchbauern gibt, verspricht sich Köhn keine grundlegende Besserung der Situation. Für weniger gemolkene Milch gibt es eine Prämie. Er habe sich auch angemeldet, aber eine Lösung sei das nicht. Das Projekt führe sicher zu Mitnahmeeffekten. Letztlich müsse der Preis für die Milch am Markt wieder auskömmlich sein. Ganz leichte Anzeichen für einen Nachfrageanstieg sieht Köhn schon, die Verbraucherpreise für Butter stiegen schon etwas. Sehr viel länger dürfte die Phase auch nicht dauern, da sonst vermutlich viele Betrieb aufgeben. Den Kopf in den Boden stecken Köhns nicht. Dafür haben sie gar keine Zeit.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 06:27 Uhr

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