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Kirchbau : Statt Austausch nun Großbaustelle?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kirchengemeinde Karby beauftragt Architekten mit Erstellung eines Sanierungsplans für die Kirche / Historischer Dachstuhl stark beschädigt

Rieseby | Das rote Dach der Karbyer Kirche ist weithin sichtbar. Dass unter dem erst in den 90-Jahren neu eingedeckten Dach zahlreiche massive Schäden verborgen sind, das ist der Kirchengemeinde erst in den vergangenen drei Monaten bewusst geworden. Wie groß der Schaden ist, und mit welchen Kosten gerechnet muss, dass wird jetzt durch Filip Fröhler vom Architekturbüro „FFArchitekten“ aus Eckernförde ermittelt.

„Alles fing mit einem Riss in einer Aufhängung einer der Glocken an“, berichtet Torsten Behnke. Er ist seit November Vorsitzender des Kirchengemeinderates und entlastet Pastor Martin Krumbeck bei der Baubetreuung. Die Idee der Karbyer, den Riss am Joch einfach zu schweißen und „gut ist“, die mussten sie schnell begraben. Ein Glockenfachmann empfahl den Austausch des Metall-Glockenjochs durch ein Joch aus Eichenholz. Beide Glocken in der Karbyer Kirche erhielten erst in den 50-er Jahren die Metallträger.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Als nämlich der Architekt den Turm und die Glockenaufhängung anschaute, da wollte er auch einen Blick in das alte Gebälk über dem Kirchenschiff werfen. „Das war ganz schlimm“, sagt Fröhler und weiß, was das für die Gemeinde bedeutet. In Folge bautechnischer Bedingungen sind viele massive Bauteile im Gebälk angefault und morsch. Durch die in den 90-Jahren ausgewählte Bauweise, die heute so nicht mehr Anwendung findet, hatte sich Feuchtigkeit gebildet. Fröhler geht davon aus, dass diese schon viele Jahre auf die Eichenschwellen wirkte und sie schädigte. Auf denen ruht der Dachstuhl. Dadurch sei die Ableitung des Gewichtes des Daches nicht mehr optimal, so der Architekt.

Torsten Behnke und Sönke Funck, Propst des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, sind betroffen. „Von außen ist nichts zu sehen“, sagt Behnke. Propst Funck, der in Karby seine einwöchige Hospitation macht, kennt leider schon vergleichbare Fälle. So etwa aus Sieseby. Dort sollte das Dach der Kirche neu eingedeckt werden. Und je mehr die Handwerker sich vorarbeiteten und das historische Gebälk freilegten, desto mehr Schäden wurden sichtbar. „Hier sieht es ganz ähnlich aus“, bestätigt der Architekt, der auch in Sieseby tätig war.

Die Kirchengemeinde Karby hat Fröhler beauftragt, einen Übersichtsplan der Schäden zu ermitteln und zugleich einen Kostenrahmen für mögliche und notwendige Sanierungen abzuschätzen. Untermauert wird seine Ausarbeitung durch Sondergutachten. So wird ein Holzfachmann die betroffenen Balken untersuchen, ein Biologe schaut nach Fledermäusen und ein Ingenieur für Schwingungsschäden wird auch aktiv.

Der Schwingungsfachmann wird hinzugezogen, da weitere Schäden am Gebäude festgestellt wurden. So gibt es starke Risse im Mauerwerk und in dem vermutlich zwischen 1860 und 1880 eingebauten Tonnengewölbe im Kirchenschiff. Eine Ursache könnten Schwingungen sein, die durch den Einsatz der beiden Glocken an einem Metalljoch hervorgerufen werden. Die Glocken, eine stammt aus dem Jahr 1744, wiegen fast zwei Tonnen. Kommen sie in Bewegung, dann rufen sie nicht nur die Gemeindeglieder zusammen, dann können sie auch Schäden am Gebäude verursachen. Die Metalljoche verändern das Schwingungsverhalten der Glocken und würden mehr Kräfte auf das Mauerwerk übertragen, so die Vermutung Fröhlers. Hier soll der Einsatz von Eichenholz für Entlastung sorgen. „Sie lassen auch den Klang der Glocken weicher werden“, berichtet Fröhler.

Noch ist ungewiss, wie hoch die Kosten werden, denn die Kirchengemeinde möchte auch im Innenraum der 1278 erstmals erwähnten Kirche, unter anderem die Wände reinigen lassen. Wie die Kirchengemeinde die Kosten stemmen kann, ist noch offen. Ein Zuschuss könnte aus dem Bauhilfsfonds des Kirchenkreises stammen. Dort stellt der Kirchenkreis jährlich zwischen 800  000 und eine Millionen Euro für die Kirchengemeinden zur Kofinanzierung bereit, wie Propst Funck berichtet. Weitere Zuschüsse könnte es vielleicht vom Denkmalschutz oder der Nordelbischen Kirche geben, denn Fröhler hält Balken im Dachstuhl für sehr alt. Er schätzt sie auf das 14. Jahrhundert, oder älter. Gewissheit soll eine dendorchronologische Untersuchung bringen, bei der das Alter des Holzes anhand der Jahresringe ermittelt wird.

Sobald alle Daten vorliegen wird Architekt Filip Fröhler dem Kirchengemeinderat das Ergebnis vorstellen. Darin wird er auch den Wunsch der Gemeinde nach einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung auf dem Kirchendach berücksichtigen.

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erstellt am 21.Mär.2017 | 06:36 Uhr

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