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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 09:59 Uhr

Sommer Open Air : Star am Strand ist Jimmy Somerville

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Große Party: Radio Nora Sommer-Open-Air-Festival lockt rund 7000 Besucher an den Südstrand. Fünf Bands spielen von 17 Uhr bis 23.30 Uhr.

Eckernförde | Kultmusik aus den 70er-, 80er- und 90er-Jahren auf einer Bühne, die unmittelbar am Strand liegt. Mit Stars, bei deren Musik früher heiße Feten im Keller der Eltern gefeiert wurden und die Jungs ihre Haare noch lang trugen. Fans (hauptsächlich zwischen 40 und 60 Jahren), die wegen der ungewöhnlichen Location gerne den einen oder anderen Regenschauer in Kauf nehmen und sich, ausgestattet mit Decken oder Campingstühlen, einen Platz im Sand suchen – es ist Sommer-Open-Air- Zeit in Eckernförde. Rund 7000 Besucher vergnügten sich am Sonnabend auf einer stimmungsvollen und friedlichen Party am Südstrand. Mit dabei Kultgrößen wie Slade, Level 42 , Bobby Kimball (Sänger von Toto) und Jimmy Somerville aus Schottland (früher Sänger von Bronski Beat und The Communards). Pünktlich um 17 Uhr bildete der Auftritt der Hermes House Band aus Holland den Auftakt einer fast bis Mitternacht dauernden riesengroßen Party.

Ihre Musik machte sofort gute Laune und ging in die Beine. Wer glaubt, dass Nordlichter nicht in der Öffentlichkeit singen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Bei „Que sera, sera“ und „Country roads“ war das Publikum absolut textsicher. Um 18.20 Uhr war es dann endlich soweit: Die Hardrockband Slade betrat die Bühne. Zu Beginn ihrer Karriere Anfang der 70er-Jahre zeichnete sich die Band aus England durch schräge Frisuren, Gitzerklamotten und falsche Schreibweise ihrer Songs aus. Und heute? Aus der Originalbesetzung sind noch Leadgitarrist und Sänger Dave Hill und Drummer Don Powell (beide Jahrgang 1946) dabei. Gemeinsam mit Mal Mc Nulty (Gitarrist und Sänger) und Bassist John Berry hopste der agile Hill über die Bühne und schien Spaß an dem Gig zu haben, auch wenn die Stimme das eine oder andere Mal nicht mitmachen wollte. Die meisten Fans verziehen ihm dieses großzügig, obwohl es auch kritische Stimmen gab. Powell, ausgerüstet mit einem Boxer-Zahnschutz, lieferte genau gehämmerte Beats und bearbeitete die Toms geradezu besessen. Ein seeliges Lächeln im Gesicht vieler angegrauter Besucher war zu beobachten, als der romantische Song „My oh My“ (1984) ertönte. Bei „Run away“ hielt es niemanden mehr still im Sand. Nach einer Stunde war der Ausflug in die 70er beendet.

Was dann folgte, war mehr als ernüchternd. Bobby Kimballs Auftritt war ein Lehrstück für falsche Selbsteinschätzung ehemaliger Stars. Von 1977 bis 1984 die unverwechselbare Stimme von Toto, heute ein 69-jähriger Mann, der versucht, auf den früheren Wellen des Erfolges zu reiten. Die Erwartungen waren groß, als er die Bühne betrat. Wie gut, dass der junge Drummer die Strophen bei dem Riesenhit „Africa“ übernahm und Kimball nur bei dem Refrain einstieg – er traf den richtigen Ton nicht. Unter dem Publikum machte sich Unmut breit, vereinzelte Buh-Rufe, die stetig mehr wurden, waren zu hören. Große ausladende Gesten konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kimball nicht singen konnte. Der wunderbare Song „Rosanna“ geriet so zu einer Farce. Eine Zugabe forderte das Publikum in seinem Fall nicht. Wohl aber bei dem Herrn, der dann folgte. Zehn Musiker um Jimmy Somerville präsentierten handgemachte Musik – der 55-jährige mit der markanten Falsett-Stimme zog jeden Besucher in seinen Bann. Der gerade 1,58 Meter große Schotte sang, tanzte und verbreitete eine derart gute Stimmung, dass so manche Frau verwundert schaute, als ihr männlicher Begleiter plötzlich ebenfalls die Hüften kreisen ließ und im Sand tanzte. Wohltuend auch die Besetzung seiner Band. Neben den klassischen Instrumenten, wie Gitarre, Bass, Drums und Keyboards waren auch die Trompete, das Saxofon und die Posaune vertreten. „Geil, das ist der Hammer“, war aus den Reihen zu hören. Das war Musik, die Spaß machte und die wunderbar an den Strand passte, wo mittlerweile die Abendsonne zu sehen war. Bei „Don’t leave me this way“ sang wirklich jeder mit. Die Begeisterung wollte nicht enden, als die Band „I feel love – highway to hell“ spielte. Eine Session auf der Bühne im Lichtgewitter, Jimmys Tanzstil, seine Falsett-Stimme – der Ruf nach Zugabe um kurz nach 22 Uhr nahm keine Ende, als die Musiker die Bühne verließen. König Fußball hatte keine Chance gegen Jimmy Somerville, begannen Konzert und Fußballspiel doch gleichzeitig. „Jimmy hat den Abend gerettet“, war denn auch Dirk Breitning sicher. Der 46-Jährige von Fehmarn besuchte das Festival mit seiner Freundin Andrea Hurdyk (48).

Etwas schwerer hatte es da Level 42. Das Fußballspiel lockte so manchen Besucher vor die Leinwand, aber diejenigen, die blieben, kamen voll auf ihre Kosten. Die Bühne in blaues Licht gehüllt, klatschten die Musiker um Mark King minutenlang in die Hände und sorgten schon mal für den richtigen Groove. Und dann legte die Funkband los. Da störte es auch nicht, als es kräftig zu regnen begann. Der Drummer Pete Ray Biggin, diesmal war das Set auf der rechten Seite der Bühne, zauberte ein wahres Feuerwerk. Nicht nur Trompete, Saxofon und Posaune sorgten für einen großartigen Funky-Sound. Bei „Brain it up“, „Lessons in love“ oder „Hot water“ wurde auf der Bühne musiziert und getanzt, was das Zeug hielt. Der teilweise fünffache Gesang war so mitreißend, dass auch nicht die Verlängerung der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die Italiener die echten Fans weglocken konnte. Noch einmal ein mitreißendes Solo des Trompeters, ein letztes Zusammenspiel aller Musiker – dann war auch dieser Gig um 23.30 Uhr beendet. Auch hier Rufe nach Zugabe. Ein schönes Ende einer langen Kultnacht.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 05:43 Uhr

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