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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 11:53 Uhr

Suchhunde : Spürnasen haben Spaß am Suchen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Suchhundezentrum Nord bietet Trainingskurse für Hunde jeglicher Rasse an. Dabei arbeiten Herrchen und Frauchen gemeinsam mit dem Vierbeiner.

Eckernförde | Witternd verharrt der Mischlingsrüde Barnie auf dem Weg zwischen den Mietshäusern in Wilhelmsthal. Es ist kein gewöhnlicher Spaziergang, den Barnie und sein Frauchen Miriam Weiß an diesem Nachmittag absolvieren: Sie sind auf einem Trail, den der lizensierte Hundetrainer Marco Knaup vom K  9 Suchhundezentrum Nord für die beiden gelegt hat. Der Hund hat eine Aufgabe: den Verursacher einer bestimmten Spur zu finden. Die Nase am Boden und in der Luft verfolgt der Hund die Spur, die ihn zu der versteckten Person führt. Kinder kreuzen den Weg und sorgen für Irritationen, neben der Trainerspur riecht der Hund noch die fremde Spur einer dritten Person (der Redakteurin) – erschwerte Bedingungen für Barnie. Doch dieser hat schon drei Jahre Erfahrung als Suchhund und lässt sich nicht beirren. Quer über den Rasen, zwischen den Mülltonnen hindurch, um die Hausecke, dann ist die versteckte Person Martin David gefunden. Zur Belohnung gibt es das Lieblingsleckerli.

Miriam Weiß (41) und ihr Hund gehören zur Übungsgruppe von Marco Knaup. Einmal in der Woche treffen sich die sechs Teilnehmer in unterschiedlichen Stadtteilen Eckernfördes oder in umgebenden Dörfern zum Training. „Bei diesem Training wird der Hund sowohl körperlich als auch geistig gefordert, was ihm sehr guttut“, erklärt der Trainer. Viele Halter wunderten sich, dass ihr Hund nach einer Stunde Ballwerfen immer noch fit sei – körperliche Anforderung reiche nicht aus. „Ein Trail bedeutet für den Hund viel Spaß, aber auch schwere Arbeit, so dass er danach wirklich platt ist“, sagt der 48-Jährige. Aus diesem Grund müssen sich die Tiere nach jedem Weg (Trail) im Auto ausruhen. In der Ruhephase werde das gerade Erlernte gefestigt.

Mit dem Hund gemeinsam etwas Sinnvolles zu unternehmen, ist auch der Grund, warum Angelika Kühl aus Osterby mit ihrer weißen Schäferhündin Lena mitmacht. Seit fünf Jahren ist die 58-Jährige Mitglied der Trainingsgruppe und hat mit Lena vor zwei Jahren bereits den 3. Platz in der Norddeutschen Meisterschaft belegt. Für jeden Hund legt Knaup einen eigens auf ihn abgestimmten Trail, da es unterschiedliche Suchhundetypen gibt: die Ehrgeizigen, die schnell ans Ziel kommen wollen; die Gelassenen, die auch gelegte Umwege (Loops) gehen; die Gewissenhaften, die ständig die Nase auf dem Boden haben und die Kombinierer. Schäferhündin Lena gehört zur dritten Kategorie. Die Versteckperson Holger Weiß, selbst Mitglied in der Gruppe, läuft Schlangenlinien über die Rasenflächen zwischen Häusern und Büschen. „Lena mag gern auf der Spur laufen, das macht ihr Spaß“, weiß der Hundetrainer. Er begleitet Angelika Kühl und ihre Hündin auf dem Trail, beobachtet genau den Hund und gibt Tipps. „Ziel ist es, dass der Hund selbstständig arbeitet“, sagt Knaup. Eventuelle Führfehler der Halter werden durch Training beseitigt. Zielstrebig verfolgt Schäferhündin Lena die Spur und findet Holger Weiß abseits der Bebauung im Gebüsch. Zur Belohnung gibt’s ihr Lieblingsfutter.

Der Spaß sei das Wichtigste, so der Trainer, sonst verliere der Hund schnell das Interesse.

Zu Beginn eines Trails erhält der Hund sein dafür vorgesehenes Geschirr und bekommt eine Riechprobe der versteckten Person. Menschen verlieren rund 40  000 Hautpartikel in der Minute, die in der Luft und auf dem Boden herumschweben. Ein Hund sei zu 300 Riechstößen in der Minute fähig und könne den Individualgeruch (vergleichbar mit dem genetischen Fingerabdruck), den jeder Mensch verströme, riechen, sagt Marco Knaup.

In dem Suchhundetraining können die Teilnehmer mit ihren Vierbeinern fünf verschiedene Anforderungsstufen durchlaufen. Farben markieren die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade: weiß a/b, orange, grün, blau und braun. Schäferhündin Lena ist grüngeprüft und gehört damit zu den erfahrenen Hunden. Im Gegensatz zu der Rhodesian Ridgeback-Hündin Easy, die mit Frauchen Erin Characklis erst seit zwei Monaten dabei ist. Ihr Trail ist denn auch nur 50 Meter lang, einmal um die Hausecke, dann ist die versteckte Person gefunden.

Seit einem dreiviertel Jahr nimmt Martin David mit seinem Labrador Diego am Training teil. Der 39-jährige Waabser kann sich gut vorstellen, nach Absolvierung aller Prüfungen seinen Labrador als Rettungshund ausbilden zu lassen und Mitglied der Rettungshundestaffel zu werden. „Für die meisten ist das Suchhundetraining aber ein abwechslungsreiches Hobby, ein aktives Zusammensein mit ihrem Hund“, erklärt Trainer Marco Knaup.

>www.suchhundezentrum-nord.de

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erstellt am 23.Apr.2016 | 06:14 Uhr

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