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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 19:42 Uhr

ÜBERRASCHENDER SCHNEEFALL : Sommerreifen? Jeder Autofahrer entscheidet selbst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Laut STVO ist jeder Fahrer verpflichtet, sein Fahrzeug mit einer den Wetterverhältnissen angemessenen Bereifung auszustatten. Winterreifen sind nicht Pflicht.

Eckernförde | Der Blick aus dem Fenster verunsicherte gestern Morgen viele Autofahrer im Altkreis Eckernförde. Es schneite so heftig, dass der Schnee nicht nur auf den Dächern liegen blieb, sondern teilweise auch auf der Straße. Wenige Tage vor dem Wonnemonat Mai haben bereits viele Fahrer ihr Auto umgerüstet, Sommerreifen aufgezogen und fragen sich angesichts derartiger Witterungslagen, ob sie damit ungefährdet weiterfahren dürfen.

Der Volksmund kennt die Regel „Winterreifen von O bis O“ (Oktober bis Ostern). In diesen Monaten sollte das Auto mit Winterreifen ausgestattet sein. „Das ist doch keine feste Regel“, sagt Ulf Evert, Pressesprecher des ADAC-Regionalclubs Schleswig-Holstein. Schließlich sei Ostern kein fester kalendarischer Termin und liege in jedem Jahr anders. Zwar sehe der Gesetzgeber in Deutschland keine Winterreifenpflicht vor, aber: „Die Straßenverkehrsordnung (STVO) sieht vor, dass jeder Fahrzeughalter die Pflicht hat, sein Fahrzeug in angemessener Bereifung zu fahren“, erklärt Evert. „Bei Schnee und Eis sollten Autos mit Sommerreifen nicht gefahren werden“, so der Verkehrsexperte. Sollte es also morgens vor dem Weg zur Arbeit so heftig schneien, dass die Straßen glatt sind, sollte man entweder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, den Schneefall abwarten oder das Auto mit Winterreifen ausgerüstet sein. Jeder Autofahrer handle in Eigenverantwortung, betont Evert. Wird er aber von der Polizei erwischt, muss er mit einer Geldstrafe von 60 Euro rechnen. Bleibt das Auto liegen und wird zum Verkehrshindernis, koste das den Fahrer 80 Euro und einen Punkt in Flensburg. Bei einem Unfall könne es zudem zu Problemen mit der Kfz-Haftpflichtversicherung kommen, sagt der ADAC-Pressesprecher.

Dem widerspricht beispielsweise die HUK-Coburg Versicherung. Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers reguliere natürlich immer den Schaden des Opfers, erklärte Thomas von Mallinckrodt von der HUK-Unternehmenskommunikation. Allerdings könne die Versicherung den eigenen Versicherungsnehmer, der ohne Winterreifen unterwegs war, im Nachgang in Regress nehmen. „Das dürfte aber in dieser Jahreszeit sehr unwahrscheinlich sein“, so von Mallinckrodt. Grundsätzlich habe das Fahren mit ungeeigneter Bereifung keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz in der Fahrzeugversicherung bei der HUK-Coburg. Auch die Provinzial-Versicherung verlangt nicht, dass der Kunde jetzt, Ende April, wieder Winterreifen aufziehen muss. „Aufgrund der Witterung ist nicht damit zu rechnen, dass dauerhaft der Winter zurückkehrt. Jemand, der jetzt mit Sommerreifen unterwegs ist, handelt auch nicht grob fahrlässig“, erklärt Heiko Wischer, Pressesprecher der Provinzial.

„Der Autofahrer muss die Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen anpassen“, sagt Holger Meyer, Inhaber der Fahrschule Bendig. Dass viele Autofahrer bereits Sommerreifen aufgezogen haben, versteht der Fahrlehrer. „Fragen Sie doch mal, wer mit dieser Wetterlage gerechnet hat“, so Meyer. Er rät im Falle eines Schnee- oder Hagelschauers entweder kurz abzuwarten, weil es in aller Regel um diese Jahreszeit wieder schnell taut, oder langsam zu fahren. Diejenigen Autofahrer, die bereits Sommerreifen aufgezogen haben, behalten diese auch – trotz Schnee oder Eis. Das bestätigt auch Hermann Andersch, Geschäftsführer der Firma Point S Andersch: „Wir haben noch nichts zurückmontiert.“

 

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erstellt am 27.Apr.2016 | 05:28 Uhr

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