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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 12:46 Uhr

De Flieser vun Borby : Sohn schießt Eltern zum Königspaar

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schützenmeister Kelvin Stapelfeldt gibt Königsschuss ab und macht damit seine Eltern Claus „der Flieser von Borby“ und Beate Stapelfeldt zum neuen Regentenpaar.

Eckernförde | Das hat es in dieser Konstellation wohl noch nicht gegeben: Als Kelvin Stapelfeldt am Dienstag um 18.20 Uhr den Königsschuss in der Bürgerschützengilde von 1570 abgab, hatte er seine eigenen Eltern Claus und Beate zum neuen Königspaar geschossen.

Bei 11 Grad und Westwind haben Dienstag die Mitglieder der Gilde bis zum Abend am Schießzelt auf der Strandpromenade ausgeharrt, um beim traditionellen Schießen auf den Papagoyenvogel ihren neuen König zu ermitteln. Dieser heißt nun Claus „der Flieser von Borby“ Stapelfeldt als Anspielung auf den von ihm jahrzehntelang ausgeübten Beruf. Die Gilde spielt in der Familie eine große Rolle: Als Claus Stapelfeldts Vater Werner 1978 den Königstitel erhielt, trat der Sohn in die Gilde ein. Nun löst er Manfred „den Tanzfreudigen“ Jensen-Zielasko als König ab.

„Es ist ein Wunder passiert“, kommentierte Gildevorsitzender Aribert Bramhoff die Konstellation, dass Kelvin Stapelfeldt seinen Vater zum König schoss. Der Schütze freute sich umso mehr: „Jetzt bin ich ein Prinz, der Prinz von Borby.“

Kelvin Stapelfeldt (43) ist seit zwölf Jahren Schützenmeister. Für ihn war es nach 2007 und 2010 der dritte Königsschuss. Insgesamt gaben die 29 Schützen der Gilde 420 Schuss auf den Holzvogel ab. Im vergangenen Jahr waren es 575 Schuss, davor 478 Schuss. Der Rekord liegt bei 273 Schuss in der einen und 780 Schuss in der anderen Richtung.

In diesem Jahr gab es keine Probleme. „Der Wind war super und schlief zum Schluss ein“, sagte Kelvin Stapelfeldt, der das letzte Stück des Papagoyenvogels mit einer Scheibenbüchse Kaliber 8,15 - 46 R abschoss. Dennoch gab es relativ viele Fehlabschüsse. Die einzelnen Teile des Holzvogels müssen nämlich in einer bestimmten Reihenfolge abgeschossen werden. Wird diese nicht eingehalten, kostet das den Schützen eine Tonne Bier (50 Euro). „Ich habe selbst drei Fehlabschüsse abgegeben“, sagte Stapelfeldt. „Aber das freut wenigstens die Gildekasse.“

Zwar waren weniger Boote auf der Förde als in den vergangenen Jahren, aber dennoch übersahen einige von ihnen die Sperrzone auf dem Wasser. „Wir haben insgesamt etwa eine Dreiviertelstunde Unterbrechung wegen der Segler gehabt“, so Stapelfeldt, der sich bei der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) für die land- und seeseitige Absperrung bedankte. Das Gebiet im Wasser muss nämlich abgeriegelt werden: Die Geschosse können bis zu 1600 Meter fliegen.

Die Schützen zielen von der Promenade aus mit Scheibenbüchsen aus dem 19. Jahrhundert und Karabinern auf den prächtig verzierten Papagoyenvogel aus Holz, der auf einer Stange in 38 Metern Entfernung über dem abgesperrten Strandabschnitt thront. Die einzelnen Teile des Vogels müssen in einer bestimmten Reihenfolge abgeschossen werden. Die Könige der Gilde werden über eine verdeckte Liste ermittelt. Nicht derjenige wird König, der das letzte Teil des Vogels abgeschossen hat, sondern derjenige, der auf einem bestimmten Platz hinter ihm in der Liste steht. Und der muss auch erreichbar sein und einwilligen.

Auch bei den Kindern wird jedes Jahr ein Königspaar ermittelt. Kinder aus Eckernförde und Umgebung zwischen 8 und 14 Jahren können sich zum Armbrustschießen melden, ihre Eltern müssen seit diesem Jahr auch nicht Mitglied der Gilde sein. Acht Mädchen und sieben Jungen haben um die Königswürde geschossen. Bei den Jungen hatte Dario Strötzel (11) aus Eckernförde die Nase vorn. Ihm zur Seite steht Leni-Marie Höneise (8), ebenfalls aus Eckernförde. Das neue Königspaar bekam von Gildemeister Carsten Höneise Schärpen und Kette umgelegt. Mit der Königswürde sind Dario und Leni-Marie die Verpflichtung eingegangen, im nächsten Jahr das Kinderfest zu eröffnen. Auch in diesem Jahr hatte die Gilde einige Aktionsstände vor der Stadthalle aufgebaut.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 06:15 Uhr

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