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Eckernförder Zeitung

27. März 2017 | 02:52 Uhr

Einwohnerversammlung : Sky oder Skaterpark? Wer bekommt den Zuschlag?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Einwohnerversammlung zum Thema Kinostandort: Alles läuft auf eine Entscheidung zwischen dem Skaterpark und dem Sky-Markt hinaus. Politik fordert schnelle Information durch Coop.

Eckernförde | 195 Eckernförder Bürger haben am Mittwochabend in der nur halb gefüllten Stadthalle noch einmal alle Fakten zum Thema Kinostandort aus erster Hand miterlebt. Ein mäßiges Interesse. Das mag an der bisher mehr als zähen und vor allem erfolglosen Standortsuche zu tun haben – viele Bürger haben offensichtlich genug von den vielen Diskussionen und wollen jetzt eine Entscheidung. Möglichst noch vor der Sommerpause. Diese Botschaft nahmen sie auch mit aus der Diskussion: Auch die Politik setzt mit großer Mehrheit auf eine schnelle Entscheidung.

Bürgermeister Jörg Sibbel ließ die Bürger in seinem Vortrag an der Standorthistorie teilhaben. Er ging nochmals ausführlich und neutral auf alle diskutierten und geprüften genannten Kinostandorte und deren unterschiedliche Varianten vom ZOB über den P+R-Parkplatz Schulweg bis zur nordwestlichen Nooröffnung ein, zog dabei drei Zwischenfazits, in denen er die Vor- und Nachteile der Standorte verprobte und Empfehlungen aussprach. Der Bahnhof sei aus Sicht der Verwaltung nach wie vor erste Wahl, aufgrund der hohen, nutzungsabhängigen Kaufpreisforderung von 890  000 Euro sei an eine Realisierung aber nicht zu denken, betonte der Bürgermeister. Daher habe man nach einstimmigen Ratsbeschluss vom 9. Juli 2015 die Verhandlungen abgebrochen und eine zweite Standortsuche eingeläutet. Hierbei habe sich nach Abwägung aller Möglichkeiten der Skaterpark im Schulweg als die schnellste und akzeptabelste Lösung erwiesen. Alle anderen Standorterwägungen seien mit finanziellen Belastungen für den Bau von Ersatzparkplätzen wie am Standort Grüner Weg oder Konflikten mit der Zielplanung wie an der Nooröffnung behaftet gewesen. Nachdem ihm die Ratsversammlung mit einem Verhandlungsmandat ausgestattet hatte, hat der Bürgermeister – wie mehrfach berichtet – ein Einvernehmen mit den Skatern und Kleingärtnern erreicht, so dass der Skaterpark auf die andere Straßenseite verlegt, die dortige Kleingartenanlage aufgegeben und die geräumten Flächen für den Bau eines Kino- und Einzelhandelszentrum genutzt werden könnten. Nachdem dieser Standort im weiteren Verlauf von der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, Linken und dem Bürger-Forum aus sozial-ökologischen sowie stadtplanerischen Gründen abgelehnt wurde, haben CDU, SSW und FDP eine Unterschriftenaktion gestartet und über 3177 Unterschriften – davon 2100 aus Eckernförde – für einen Kino-Neubau im Skaterpark eingesammelt. Zum anderen haben sie den am 14. März bereits abgelehnten Antrag für einen Bebauungsplan-Aufstellungsbeschluss „Kino und Einzelhandel im Skaterpark“ gestern Abend erneut in die Ratsversammlung eingebracht und für den Fall einer erneuten Ablehnung gleich einen Antrag für ein Bürgerentscheid nachgeschoben.

Sibbel ging dann auf die jüngste Coop-Offerte ein, den Sky-Markt in der Gartenstraße um eine Kinoetage aufzustocken (wir berichteten). Nachdem Coop der Stadt noch vor wenigen Monaten erklärt habe, kein Interesse an einem Einzelhandel mit Kino zu haben und man stattdessen den Sky-Markt für 1,6 Millionen Euro modernisieren wolle, habe Coop der Stadt nun „als Reaktion auf den Skaterpark“ telefonisch mitgeteilt, doch eine Planung vorzunehmen. Man habe Coop umgehend Termine noch vor der Einwohnerversammlung angeboten, die seien seitens des Unternehmens aber nicht realisierbar gewesen, so Sibbel. Am 11. Mai um 13.32 Uhr sei dann die Bauvoranfrage zur Aufstockung des Sky-Markts mit sechs Kinosälen, 600 bis 700 Plätzen und einer Tiefgarage eingegangen. „Wir gehen ergebnisoffen an die Prüfung heran.“

In einer ersten, vorläufigen Bewertung benannte der Bürgermeister die Vorzüge: direkte Innenstadtlage, Belebung der Kieler Straße, kein zusätzlicher Flächenverbrauch , keine Verlagerung bestehender Flächen, keine Kosten für die Stadt. Auf der anderen Seite begebe man sich durch die Alleinverantwortlichkeit von Coop „in eine gewisse Abhängigkeit“, es gebe keinen Wettbewerb der Konzepte, wie er am Skaterpark aufgrund mehrerer Investoren stattfinden würde, die Verkehrserschließung sei „anspruchsvoll“ und der Bau zusätzlicher Parkplätze wäre ebenfalls zu klären.

Fazit des Bürgermeisters: Unterm Strich erfüllten nur der Skaterpark und Sky die Anforderungen der Stadt und der Investoren an einen Kinostandort. Alle anderen Standorte seien entweder mit Problemen behaftet oder ungeeignet. Aber darüber habe die Politik zu befinden.

Dann waren die Vertreter der sieben Ratsparteien am Zug. Bürgervorsteherin Karin Himstedt hatte jeder Partei ein fünfminütiges Statement eingeräumt.

>Martin Klimach-Dreger (SPD): Die SPD habe die Standorte Gartenstraße und Bahnhof favorisiert. Die Willers-Jessen-Schule habe man ausgeschlossen, und über den Skaterpark wolle man nicht sprechen. Die Lage sei nur bedingt innenstadtnah, eine Belebung der Innenstadt nur bedingt möglich. Der „Grüngürtelbereich“ zwischen Norder- und Süderhake dürfe nicht angetastet werden. Wenn man mit Kino und Einzelhandel beginne, steige der Erschließungsdruck „im Schenkel Schulweg / B 76“. Klimach-Dreger bedauerte, beim Bahnhof zu früh das Buch zugeklappt zu haben. Der Sky-Markt sei „eine sehr schöne Alternative“, man solle die Gespräche mit Coop abwarten und noch vor der Sommerpause entscheiden.

>Katharina Heldt (CDU): „Der Sky-Markt ist offenbar die Lösung schlechthin – ist sie das wirklich?“, fragte Heldt. Die Lage spreche dafür, aber das Gebäude sei „eine trostlose Kiste, eine Bausünde aus den 70-er Jahren – und darauf soll ein Kino gebaut werden?“ Ungeklärt seien die Höhe des Gebäudes und die Vereinbarkeit mit der Gestaltungssatzung, nach der Flachdächer verboten seien. „Das C&A-Gebäude wird dagegen niedlich aussehen“, prophezeite sie. Der Skaterpark sei im Gegensatz zu Sky dank der intensiven Vorarbeit der Stadtverwaltung „keine Unbekannte“. Die Stadt habe ihre Hausaufgaben gemacht und der Politik den Standort auf dem Silbertablett serviert. „Kann sein, dass Sky das hinkriegt, aber dann kommt nächste Woche noch einer um die Ecke – irgendwann muss man auch mal entscheiden.“

>Matthias Huber (Bürger-Forum): Für das Bürger-Forum seien „städtebauliche Fragen wichtiger als die Zeitschiene“, so Huber. Mit der „zweiten Wahl“ (Skaterpark, die Red.) sei man „nicht glücklich“. Er hätte kein Problem damit, die Wasserfläche der Nooröffnung zu verkleinern, um dort weitere Planungsflächen zu schaffen. „Sky ist mir im Moment am liebsten.“

>Rainer Bosse (SSW): Der Skaterpark sei geprüft, alle Fragen geklärt, der Standort sei innenstadtnah und „die einfachste und schnellste Lösung“, sagte Bosse. Es gebe einen Wettbewerb der Konzepte, und die Innenstadt würde durch den Verkehr kaum belastet. Die Unterschriftenaktion von CDU, SSW und FDP sei nicht „irreführend“, weil auch über andere Standorte gesprochen worden sei. Die Aktion sei nur deshalb erfolgt, weil die Politik nicht bereit gewesen sei, die Bürger bei der Standortwahl mit einzubeziehen. „Kino jetzt am Skaterpark – es sei denn, Coop räumt alle Bedenken aus, dann wären wir gesprächsbereit. Weitere Standorte sehen wir nicht.“

>Joschka Knuth (Grüne): Politik als Ringen um Mehrheiten, an dessen Ende die beste Lösung steht, so ordnet Joschka Knuth die momentane Diskussion ein. „Wir können uns nicht nur einfach und schnell für einen Standort mit einer nicht geeigneten städtebaulichen Qualität entscheiden“. Die Standortwahl müsse mit „Konzepten und Papieren“ begleitet werden. Damit meinte er das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) und den Rahmenplan Innenstadt. Im Letzteren sei für den Skaterpark eine naturnahe Entwicklung vorgesehen – Kino, Einzelhandel und Parkplätze seien das genaue Gegenteil. Zudem fungiere die Bahntrasse als „städtebauliche Barriere“. Der Sky-Markt sei realisierungsnah, das Bahnhofsareal berge großes städtebauliches Potenzial. „Wir können Kino“, sagte Knuth, der den meisten Beifall aller Fraktionsvertreter erhielt.

>Rainer Beuthel (Die Linke): Er warf der CDU wegen ihrer Unterschriftenaktion „moralische Stimmungsmache“ vor. „Die Realität sieht anders aus, es gibt Alternativstandorte“, so Beuthel. Bürgerbegehren seien zwar gut, das der CDU berücksichtige jedoch die Alternative zum Skaterpark nicht. Und selbst wenn ein Bürgerentscheid erfolgreich sein würde: „Wenn es in den politischen Gremien keine Mehrheit gibt, kann auch nicht gebaut werden. Selbst wenn ein Bürgerentscheid durchgeht, muss die Ratsversammlung dem Bürgerwillen nicht folgen“. Beuthel empfahl der CDU daher, ihre Anträge zurückzuziehen und die Gespräche mit Sky abzuwarten.

>Susanne Molt, (FDP): Zum Skaterpark gebe es zu diesem Zeitpunkt keine Alternative. Der Sky-Markt sei von der Realisierbarkeit „deutlich weiter entfernt als der Skaterpark“, weil noch keine Fakten vorlägen. Wenn Coop bis Juni liefere und es eine „echte Alternative“ sein sollte, „werden wir uns dem Standort Sky auch nicht verschließen“. Molt forderte eine Entscheidung noch vor der Sommerpause. Wenn Sky keine echte Alternative sei, „müssen wir den Skaterpark in den Blick nehmen“.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 06:47 Uhr

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