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Eckernförder Zeitung

26. September 2016 | 15:55 Uhr

Kochduell : Sieger im Wohld: Weide-Panik vor Wolfsmenü

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Finalisten des Kochduells kommen aus dem Dänischen Wohld: Sabine Mues und Hans-Joachim Graf von Gersdorff müssen am kommenden Mittwoch erneut gemeinsam an den Herd.

Der Jubel und der Applaus war groß am Dienstag in Mißfeldts Gasthof, denn eines steht jetzt bereits fest: Der Sieger des diesjährigen Kochduells kommt aus dem Dänischen Wohld. Sabine Mues gewann gegen Hans-Joachim Graf von Gersdorff, aber beide hatten am Ende mehr Punkte, als alle Teilnehmer der vorangegangenen Kochduelle. Das bedeutet, dass die beiden beim Finale am Mittwoch, 23. März, in der Eckernförder Siegfried-Werft erneut die Kochlöffel kreuzen werden. Die Freude der beiden überraschten Finalisten hielt sich im ersten Moment in Grenzen, die Gäste waren begeistert.

Schweißperlen hatten die beiden Gastköche schnell auf der Stirn, denn in der Küche von Mißfeldts Gasthof in Krusendorf steht ein Ofen von 1956, der noch mit Holz befeuert wird. Der Gasthof ist seit mehr als 150 Jahren in Familienbesitz. Gastgeber Thorsten Mißfeldt führt ihn in der sechsten Generation. „Ich hatte schon Bedenken, aber die haben sich schnell ins Gegenteil gewandelt, denn für mein Gericht brauchte ich kurzzeitig richtig viel Hitze – und das hat der Ofen ja“, sagte Sabine Mues. Die Noerer Bürgermeisterin kochte ihre „Kraft-Töften-Suppe“, eine würzige Kartoffelsuppe mit einer Pflaume im Speckmantel dazu. Als Hauptgang gab es einen Bratentopf mit zartem mageren Fleisch vom Limosin-Rind, der auf den Namen „Weide-Panik“ getauft wurde. Dazu gab es Salzkartoffeln und Bio-Brokkoli. Die fünf Kilo Fleisch und fast alle Zutaten hat sie vom Lindhof mitgebracht. Mues leitet das Versuchsgut der Christian-Albrechts-Universität in Lindhöft − und sogar das Rezept stammt irgendwie vom Lindhof. „Meine Mitarbeiterin, Astrid Döring, hat dieses Rezept zu einem Kochbuch beigesteuert. Seitdem koche ich es regelmäßig zu besonderen Anlässen – aber natürlich nicht für so viele Gäste“, berichtete sie schmunzelnd.

Selbst erlegt hat Hans-Joachim Graf von Gersdorff das Damwild, dessen Rücken er am Dienstag zubereitete. „Damit kann ich ein bisschen Reklame für meine Passion machen“, sagte der Geschäftsführer der Gettorfer Baufirma Christian Jöhnk und Hegeringleiter des Hegerings 8 im Dänischen Wohld. Die Jagd an sich, sei schon ein Erlebnis, aber dann anschließend die Zubereitung und das Essen mit Freunden – das genieße er gern. Zuhause koche er aber eher nicht. „Das lehnt meine Frau ab, weil sie dann anschließend mehr Arbeit in der Küche hat, als wenn sie selbst kocht. Und wenn Sie dann noch eine Tochter haben, die Hauswirtschaftsmeisterin ist...“, berichtete von Gersdorff lachend. Er war zuständig für den ersten Hauptgang. Zu dem gebratenen Rehrücken, der den Namen „Wolfsmenü“ erhielt und auf den Punkt zartgegart war, wurde eine leichte Wacholdersoße und in Butter geschwenkte Rosenkohlköpfe gereicht. Ebenfalls als Beilage gab es eine Spezialität des Grafen: Nicht einfach Bratkartoffeln, sondern in Butter einzeln gebratene Kartoffelscheiben. So eine Menge Kartoffeln knusprig braun hinzubekommen, war schon eine echte Herausforderung.

Küchenchef Michael Stöcken, der das Kochduell vorbereitet hatte und die Gastköche begleitete, hatte alles im Blick. „Ein bisschen Stress gehört dazu. Den einen oder anderen Schweißtropfen auf der Stirn wollen wir hier schon sehen“, erklärte er. Stöcken hat das Kochduell 2008 zusammen mit EZ-Redakteur Dirk Steinmetz und Hartmut Kolodzey aus Karlsminde ins Leben gerufen. Seit dem vergangenem Jahr wird es im gesamten Verbreitungsgebiet der Eckernförder Zeitung ausgefochten. Michael Stöcken ist Küchenchef im Campfire auf dem Aschberg.

Überrascht wurde Stöcken an diesem Abend vom Besuch eines alten Bekannten: Horst-Günter Kloß ist Vorsitzender des Vereins Kieler Köche und wollte seinem Jugendwart Michael Stöcken mal über die Schulter schauen. Schnell hatte auch er die weiße Kochjacke an und packte mit an. Denn besonders, wenn es darum ging, die Gerichte heiß und möglichst für alle Gäste gleichzeitig an die lange frühlingshaft geschmückte Tafel zu bringen, wurden alle Hände gebraucht. Nicht von der Seite von Gersdorffs wich Helga Mißfeldt, die Mutter des Gastgebers. Sie befeuerte den Ofen, rührte die Soße und schmeckte mit ab. Antje Becker, die Lebensgefährtin des Wirtes, war auch hilfreich im Einsatz. Thorsten Mißfeldt hatte seine Freude an dem Kochduell. „Ich finde es richtig gut, dass die Gastköche auch mal sehen, wie es hier in der Küche manchmal zugehen kann“, sagte er amüsiert.

Als die Nachspeise „Pfefferpflaume on the Rocks“ – Pflaumen mit Vanilleeis, Basilikum und frischem Pfeffer – serviert wurde, kehrte in der Küche langsam wieder Ruhe ein. Bei den Gästen war die Stimmung ausgelassen, das mag an dem Gruß aus der Küche gegelegen haben – einem Wodka, der noch vor der Vorspeise mit Zitrone, Salz und Kaffeepulver getrunken wurde – oder an dem fröhlichen Service. Im Anschluss an das Essen, das von allen Seiten gelobt wurde, stellten Sabine Mues und Hans-Joachim Graf von Gersdorff die Projekte vor, für die sie den Spendenkochtopf rumreichten. Über 300 Euro gaben die 26 Gäste. Mues reicht das Geld weiter an das Kinderhospiz in Kiel, das sie regelmäßig unterstützt. Von Gersdorff gibt einen Teil an den Gettorfer Mühlen- und Verschönerungsverein, der andere Teil geht an eine Gettorfer Asylbewerberfamilie mit einem behinderten Kind.

Auf jeden Fall gerechtfertigt fanden die Gäste Gisela Büchting und Edeltraud Umstetter aus Eckernförde das Ergebnis. Sie hatten Karten für alle Kochduelle ergattern können und konnte das beurteilen. Besonders gelobt wurde im Rückblick die Suppe von Telse Stoy, der Fisch von Michael Stitz, und die Nachspeise von Petra Blümel. Am meisten beeindruckt waren sie aber von der guten Kartoffelsuppe und dem „wunderbaren Rehrücken“. Jetzt freuen sich die Beiden auf das Finale in der Siegfried-Werft – besonders darüber, dass Graf von Gersdorff nochmal mit von der Partie ist. „Wir haben beide unsere Häuser von ihm gekauft. Jetzt freuen wir uns, dass er noch einmal für uns kochen darf“, erklärten sie lachend.


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erstellt am 17.Mär.2016 | 06:22 Uhr

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