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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 22:25 Uhr

Kreishaus : Sicherheitstüren schützen führende Köpfe im Kreishaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kreisverwaltung folgt Rat der Polizei wegen zunehmender Aggressivität und erhöht die Sicherheit.

Rendsburg | Die Sicherheitslage für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung entspannt sich nicht. Wie instabil die Lage ist, zeigt die jüngste Maßnahme im Gebäude an der Kaiserstraße 8: Die Büros von Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer, Kreisverwaltungsdirektor Carsten Ludwig und Kreispräsident Lutz Clefsen sind nun mit schweren Sicherheitstüren geschützt. Damit ist die oberste Führungsebene nicht mehr für jeden Besucher zugänglich – wer hinein will, muss sich zunächst über eine Gegensprechanlage anmelden.

Obwohl es sich um Glastüren handelt, wirken die neuen Zugänge in der ersten Etage sehr massiv. Das bestätigt sich beim Öffnen – die neun Zentimeter dicken Türen sind außerordentlich schwer. Die Rahmen sind mit zusätzlich verschraubten Metallblenden gesichert. Ein Typenschild klärt auf: Es handelt sich um die Widerstandsklasse 2. „Die Türen halten brachialer Gewalt drei Minuten lang Stand“, erklärt Dietmar Benz von der Polizei. Er habe der Kreisverwaltung als Präventionsbeamter bereits vor zwei Jahren empfohlen, solche Vorkehrungen zu treffen – also bevor die Bedrohungslage im März 2015 so akut wurde, dass Eingangskontrollen eingeführt werden mussten. Damals ging von einer der acht mit Hausverbot belegten Personen eine so große Gefahr für die Mitarbeiter im Kreishaus aus, dass Landrat Schwemer veranlasste, Wachleute an den Eingängen des Verwaltungsgebäudes zu postieren (wir berichteten). Hintergrund war ein konkreter Gefahrenhinweis der Polizei. Es sollte verhindert werden, dass sich ein Anschlag wie im Rendsburger Finanzamt im September 2014 wiederholt. Dort war ein Beamter erschossen worden. Diese Bedrohung hat sich im Kreishaus nach und nach zwar wieder entspannt, doch gebannt ist sie offenbar nicht. Noch immer patrouilliert ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes durch die Flure des Gebäudes. Das soll auch im kommenden Jahr so bleiben, 35  000 Euro sind laut Nina Fiedler, Fachbereichsleiterin der zentralen Dienste, im Haushalt 2017 dafür eingeplant. Die beiden neuen Türen haben zusammen 9000 Euro gekostet. Eine befindet sich am Zugang zum Vorzimmer des Landrats, eine zweite vor den Büros des Kreisverwaltungsdirektors und des Kreispräsidenten, die sich ein Vorzimmer teilen.

Die Gefahr, dass jemand angegriffen werde, sei in der Führungsetage am größten, deshalb habe er die Sicherheitstüren an deren Büros empfohlen, so Dietmar Benz. Der Schutz gelte jedoch in erster Linie den Mitarbeiterinnen in den Vorzimmern, die durch ihre Position gefährdet seien. „Wir kommen nicht um die Sicherheitstüren herum, denn die Leute werden immer verrückter“, sagte Benz. Die Polizei beobachte im Alltag zunehmende Aggressivität. „Deshalb ist es nicht mehr zeitgemäß, dass alle Bereiche in der Verwaltung frei zugänglich sind“, so Benz.

Das bestätigt ein Vorfall, der sich laut Nina Fiedler vor einem dreiviertel Jahr abgespielt hat. Damals betrat ein aufgebrachter Mann, der sich in der Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde offenbar ungerecht behandelt gefühlt hatte, das Vorzimmer Rolf-Oliver Schwemers, schloss die Tür hinter sich und drohte der Sekretärin, dass er sie nicht herauslasse, wenn sie ihn nicht mit dem Landrat sprechen lasse. Die Vorzimmer-Dame rief daraufhin den Wachdienst. Der Mann wurde abgeführt und erhielt eine Strafanzeige. Solche Situationen werden laut Dietmar Benz nun durch die Sicherheitstüren verhindert. Durch die Scheibe sei erkennbar, ob draußen jemand vor Wut tobe.

Das kommt laut Nina Fiedler öfter vor. Mitarbeiter werden beleidigt, bedroht und angeschrien, wobei es durchaus auch zu körperlicher Gewalt komme. Die richte sich in den meisten Fällen jedoch gegen Einrichtungsgegenstände, Türschilder oder Flurlampen seien Wutausbrüchen bereits zum Opfer gefallen. Inzwischen ist die Zahl der Hausverbote auf 16 angestiegen. Ob daran abzulesen sei, dass sich die Gefahr für die Mitarbeiter gesteigert habe, sei schwer zu sagen. „Es zeigt aber, dass wir konsequenter geworden sind. Denn wir dulden keine Gewalt, auch nicht verbale. Dann wird gleich eine Strafanzeige gestellt und Hausverbot erteilt“, so Fiedler. „Wir wollen ein offenes Haus sein, aber auch Sicherheit gewährleisten.“ Das werde mit einem umfassenden Konzept verfolgt, das neben der Richtlinie „Gewaltfreier Arbeitsplatz“ auch Schulungen und Deeskalationstrainings für die Bediensteten durch die Polizei umfasse.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 06:27 Uhr

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