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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2016 | 07:12 Uhr

Goldener Meisterbrief : Seit fast 60 Jahren geht’s bei Neidhardt um die Wurst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Besondere Ehrung: Goldener Meisterbrief für Hans-Jürgen Neidhardt aus Holtsee

Selbst hatte Hans-Jürgen Neidhardt sein Jubiläum gar nicht auf der Rechnung. Da musste schon die Handwerkskammer Flensburg nachhelfen und lud den 75-Jährigen zur Übergabe des goldenen Meisterbriefes ein. Vor mehr als 50 Jahren, 1965 absolvierte Fleischer Neidhardt an der Schule in Landshut seine Meisterprüfung.

Mit seiner Mutter, ihrer Schwiegermutter und drei Geschwistern kam 1er 945 aus Pommern nach Hohenlieth. Sein Vater war aus dem Krieg nicht zurückgekommen. In Holtsee ging Hans-Jürgen Neidhardt zur Schule. Seine Lehre nahm er am 1. April 1957 bei Günther Drews in Gettorf auf. Drei Jahre dauerte sie, „jeden Tag die fünf Kilometer zu Fuß zum Betrieb“, erzählt er. Seine fünfjährige Gesellenzeit verbrachte er bei der Schlachterei Hansen in Bordesholm. Die Fleischerei Valentiner in Fleckeby, Seemann in Kronshagen oder der Betrieb seines Onkels in Katlenburg waren weitere berufliche Stationen Neidhardts. „Als Meister musste man genauso anpacken, wie alle anderen im Betrieb“, sagt Neidhardt

„Meine Mutter empfahl mir dann, ich sollte mich selbstständig machen“, erinnert er sich. Holtsee war damals ein Bauerndorf, die Landwirte schlachteten selber und es gab sogar zwei Kaufleute. „Die Skepsis war daher groß, dass das klappt“, erzählt der Jubilar. Im Ortsteil Harfe baute er ein Schlachthaus. „Mit vier Schweinen pro Woche und einem Rind alle 14 Tage fing es an“, berichtet Neidhardt von den Anfängen. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner Mutter machte er sich einen Namen im Ort. Später pachtete er das Gebäude der heutigen Käsekiste, die damals noch unter dem Namen Lütje lief. In Harfe wurde geschlachtet, in einem Haus „Auf der Höhe“ wurden die Tiere zerlegt und die Wurst gemacht.

Mit 63 Jahren gab er seinen Betrieb dann an Sohn Norbert weiter, der 1995 die Meisterprüfung bestand und am heutigen Standort auf einer Gesamtfläche von 8000 Quadratmetern das neue Betriebsgebäude baute. Durch den Neubau wurde die Arbeitsteilung in Harfe und Auf der Höhe aufgehoben und die Abläufe erleichtert. Es entstanden auch Stallungen sowie ein Wohnhaus für Norbert Neidhardts Familie. Außerdem gehört ein Ladengeschäft, nicht nur mit frischen Fleisch- und Wurstwaren, sondern auch mit Produkten aus der Region, Backwaren, einen Partyservice und eine Lotto-Annahmestelle dazu.

Doch auch nach der offiziellen Übergabe an seinen Sohn, packt Hans-Jürgen Neidhardt weiterhin mit an. „In gut vier Monaten ist es soweit, dann habe ich 60 Jahre gearbeitet“, sagt Hans-Jürgen Neidhardt. „Ich haben immer Spaß an der Arbeit gehabt“, betont er. Und ans Aufhören mag er noch gar nicht so richtig denken: „Ich sammle keine Briefmarken, kann nicht lange im Sofa sitzen und fernsehen, richtige Hobbys habe ich gar nicht.“ 

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erstellt am 26.Nov.2016 | 06:09 Uhr

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