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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Kapitäns-Jubiläum : Seemannsgarn von allen Weltmeeren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Abschlussjahrgang 1966 der Kapitänsschule in Hamburg-Altona feiert das 50-jähriges Kapitänsjubiläum in Strande

Strande | Vor 50 Jahren – exakt am 25. Mai 1966 - haben die 15 heute rüstigen älteren Herren auf der Steuermann- und Kapitänsschule in Hamburg-Altona ihr Kapitänspatent erhalten. Nun stehen sie in Strande und blicken bei ihrem Jubiläumstreffen auf die Ostsee.

Als sie 1966 ihre Patente bekamen, da waren die meisten von ihnen schon zehn Jahre zur See gefahren. Denn erst wer mindestens 48 Monate zur See gefahren war, konnte mit der Offiziersausbildung beginnen, die eineinhalb Jahre dauerte. Wer Kapitän werden wollte, musste danach weitere zwei Jahre Praxis vorweisen. Die Ausbildung zum Kapitän dauerte dann noch einmal ein Jahr. Ein langer Weg zum Ziel. Dennoch sind die wenigsten von ihnen dem Meer bis zum Ruhestand treu geblieben. Die Familie war den meisten dann doch wichtiger und so wurden sie sesshaft.

Der gelernte Landwirt Lotar Müller aus Eckernförde verliebte sich beispielsweise in ein bayerisches Mädchen und beeindruckte in dessen Heimat mit seinen Seemannsgeschichten. Sie hätten ihm doch tatsächlich geglaubt, dass es in den Tropen so heiß sei, dass schon einmal der Anker seines Schiffes geschmolzen sei, erzählt er nicht ohne Stolz beim Treffen mit den Kameraden. Als er dann aber auch von fliegenden Fischen erzählt habe, konnte er sie nicht mehr überzeugen. Mit seiner bayerischen Ehefrau war er zehn Jahre lang auf der Nord- und Ostsee unterwegs. Gemeinsam transportierten sie Holz, Getreide und Schüttgut durch halb Europa. Der Heimathafen seines Schiffes, der MS Wiking, war Eckernförde. Die Tochter wuchs auf dem Schiff auf, bis sie in die Schule kam. Dann verkauften die Müllers das Schiff und kauften ein Hotel in Plön. Dort führten sie 30 Jahre lang ihren kleinen Familienbetrieb. Mit 70 Jahren ging er in Rente. Über die derzeitigen Diskussionen über das Renteneintrittsalter kann er nur lächeln.

Kurt Osthoff aus Rieseby war in der ganzen Welt unterwegs und kann viele Geschichten erzählen. So fuhr er einmal mit seinem Schiff von San Francisco nach Neuseeland. Unterwegs ereilte ihn ein Funkspruch von den Cook-Inseln. Von dort sollte er Tomaten mit nach Neuseeland nehmen. Da die Inseln durch Korallenriffe schwer zugänglich sind, forderte er einen einheimischen Lotsen an. „Als wir uns dem Riff näherten, kam uns ein Einbaum mit drei Männern entgegen. Statt, dass ein Lotse an Bord kam, sprang einer ins Wasser.“ Der zeigte dem Schiff schwimmend den Weg.

Diese Art von Lotsendienst ist so ungewöhnlich, dass ihm viele Kollegen diese Geschichte bis heute nicht glauben. Doch er versichert, dies sei wirklich so passiert und keineswegs Seemannsgarn. Kurt Osthoff fuhr auch noch zur See, als er schon eine eigene Familie hatte. Als er bei einem Heimaturlaub von seinem kleinen Sohn zum ersten Mal Onkel Papi genannt wurde, wurde ihm klar, dass es Zeit war, von Bord zu gehen. „Die Seefahrt war eine sehr interessante Arbeit für Junggesellen“, sagt Dietrich Stabe aus Kiel, aber nichts fürs ganze Leben.

Die Familiengründung ist heute allerdings nicht mehr der einzige Grund, dem Meer adieu zu sagen. In der Seefahrt habe sich seit ihrer aktiven Zeit sehr viel verändert, so Stabe. Meist seien deutsche Kapitäne mit ausländischen Mannschaften unterwegs, mit denen die Verständigung über das rein Dienstliche hinaus fast unmöglich sei. So sei Kapitän heute ein sehr einsamer Job. Dazu komme die Tatsache, dass es durch die moderne Containerschifffahrt kaum noch Liegezeiten gebe. Die Möglichkeit fremde Länder kennenzulernen, existiere praktisch nicht mehr.

Die alten Kapitäne des Jahrganges 1966 trafen sich zunächst alle fünf Jahre, später alle zwei Jahre und inzwischen jedes Jahr, dieses Mal in Strande. „Wir werden ja nicht jünger“, begründet einer von ihnen die kürzer werdenden Abstände. 15 von einst 24 waren am Freitag in Strande dabei. Einer von ihnen war zum 50. Jubiläum extra aus Spanien angereist. Beim gemütlichen Abendessen wurden dann wieder alte Geschichten aufgefrischt, und ein bisschen Seemannsgarn war wohl auch dabei.


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erstellt am 31.Okt.2016 | 06:16 Uhr

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