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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 01:24 Uhr

Traum erfüllt : Schwerstarbeit, Höllenlärm und Fingerspitzengefühl

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wilfried Groß aus Güby erfüllt sich einen Kindheitstraum und sitzt mit 70 Jahren zum ersten Mal hinter dem Steuer eines Oldtimer-Bierliefer-Lkw.

Güby | Die Gefühle, die wach werden, als der 70-jährige Wilfried Groß nach all den Jahrzehnten wieder im mittlerweile zum Oldtimer gewordenen MAN-Lkw sitzt, kann er zunächst gar nicht beschreiben. Vor allem sind es Kindheitserinnerungen, die ihn durchfluten: Momente seiner Schulzeit in Wittingen, als er zuletzt in einem der Lastwagen der Brauerei Wittingen saß. Jetzt im Alter hat er sich den lange gehegten Traum erfüllt und saß zum ersten Mal hinterm Steuer des Lkw MAN 620 L1 aus dem Jahre 1956.

Die Verbindung zur alten Heimat ist bis heute nicht abgerissen. Dr. Wilfried Groß aus Güby wuchs in Steinhorst auf und wohnte später auch in Wittingen, bevor es ihn beruflich zurück in den Norden verschlug. Sein Vater betrieb früher die Niederlassung der Privatbrauerei Wittingen in Steinhorst. Hier kam einmal wöchentlich die Bierlieferung aus Wittingen an und zwar mit einem der besagten 7,5-Tonner. Damals war der ausgebildete Diplom-Physiker und Lehrer in Pension erst zehn Jahre alt und voller Begeisterung für dieses Fahrzeug. Wie der Zufall es wollte, wurde seine Mutter 1962 Chef-Sekretärin von Willi Schulz-Hausbrandt senior in der Brauerei. Aus diesen Erlebnissen entstand schließlich die Leidenschaft für Lkw, die bis heute anhält. „Die Fahrer habe ich bewundert“, sagt Groß. „Die mussten damals Schwerstarbeit leisten und zugleich mit viel Gefühl vorgehen.“ In den Ferien besuchte er regelmäßig die Brauerei, freundete sich mit den Fahrern an und fuhr so oft wie möglich auf deren Touren mit. „Alle Fahrer kannten mich.“

In seiner Freizeit fährt Groß noch heute als Helfer des DRK-Ortsverbandes Fleckeby und Umgebung für das Deutsche Rote Kreuz Lastzüge mit Spenden nach Russland und Polen. Mit der Rente wurde der alte Traum wieder wach, noch einmal im Leben den MAN-Oldtimer-Lkw aus seiner Kindheit zu fahren. Eine Anfrage beim geschäftsführenden Gesellschafter Axel Schulz-Hausbrandt in der Privatbrauerei Wittingen stieß nicht auf taube Ohren. „Der Chef war unheimlich angetan von der Idee“, so Groß. Die langjährige Verbundenheit der Familie Groß zur Brauerei half ebenfalls, dass Wilfried Groß die Zusage bekam, den Lkw mit Höchstgeschwindigkeit von 72,5 Stundenkilometern von Wittingen nach Sprakensehl fahren zu dürfen.

Der Anlasser funktionierte und das Fahrzeug sprang sofort an. „Höllenlaut ist der Wagen“, sagt Groß. „Es gibt keine Servolenkung, man muss mit Zwischengas schalten. Das ist ein völlig anderes Fahren als mit heutigen Lastwagen. Man muss alles vorsichtig und langsam machen, mit viel Gefühl.“ Immerhin hat der MAN über 157  000 Kilometer auf dem Buckel und wird, dank der guten Pflege, heute noch von der Brauerei für besondere Veranstaltungen eingesetzt. „Alles an dem Wagen ist original, nichts ist verändert“, freut sich Groß.

„Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal recht herzlich bei Herrn Schulz-Hausbrandt für die Erlaubnis bedanken. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, noch einmal in diesem historischen Fahrzeug zu sitzen und den Duft im Führerhaus zu genießen“, sagte Wilfried Groß nach der gelungenen Ausfahrt. Er bleibt mit der Brauerei in Verbindung. „Wenn sie mal einen Fahrer brauchen, stehe ich sofort zur Verfügung. Die insgesamt 500 Kilometer Hin- und Rückfahrt nehme ich gern in Kauf.“

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erstellt am 15.Aug.2016 | 06:18 Uhr

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