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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 11:58 Uhr

Bewerbungstraining : Schüler proben den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mehrere Unternehmensvertreter hat das Auftreten bei Vorstellungsgesprächen mit Peter-Ustinov-Schülern geübt.

Eckernförde | „Weshalb möchten Sie gerade bei uns eine Ausbildung absolvieren?“ Stille. Lange Stille. Eine Antwort fällt dem Bewerber sichtlich schwer. Tja, weshalb denn bloß?

Das darf in einem realen Bewerbungsgespräch nicht passieren, kommt aber durchaus vor, weiß Joachim Peetz von der Personalabteilung der Firma Punker. Er war gestern mit seiner Kollegin Svenja Wriet zu Gast an der Peter-Ustinov-Schule, um mit Neuntklässlern ein Bewerbungstraining durchzuführen. Dabei wurden auch die Gespräche möglichst lebensnah durchgespielt.

Neben Punker haben sich auch die Firma Behn, die Imland-Klinik, Dampsoft, die Eckernförder Bank und die Barmer Ersatzkasse mit Fachleuten an dem Training beteiligt, den gesamten Jahrgang in verschiedene Berufssparten und Räumlichkeiten aufgeteilt.

Schon bei der Bewerbung mussten die 14- bis 15-Jährigen zeigen, was sie im Unterricht gelernt haben. „Zunächst sind wir in der Gruppe alle Bewerbungsunterlagen durchgegangen und haben dann die Bewerbungsgespräche geführt“, erklärt Praxislehrerin Christiane Boye von der Imland-Pflegeschule. Um das Gespräch noch realistischer zu gestalten, wurden manchmal Mitschüler als Betriebsräte oder Pflegedirektoren mit an den Tisch gesetzt, um zu vermitteln, dass einem Bewerber durchaus auch mal vier Personen gegenüber sitzen können. Die Gespräche wurden anschließend analysiert und es gab Tipps der Personalprofis.

Ein Fehler, der durchaus vorkam: unvollständige Bewerbungsmappen. „Aber wir haben viele gute Gespräche geführt. Die Schüler waren offen und souverän.“ So wie Lisa Jansen. Die 15-jährige bewarb sich für eine Stelle als Zahnarzthelferin, hatte ein freundliches und selbstbewusstes Auftreten und konnte alle Fragen souverän beantworten. „Das Bewerbungstraining war auf jeden Fall gut“, sagten sie und ihre Mitschülerin Julia-Denize Brennmaehl (14). „Es wird einem die Angst davor genommen. Man fühlt sich nicht mehr so unsicher, weil man weiß, wie es abläuft.“

In diesem Fall haben die Schüler überzeugt, dennoch geschehen auch Fehler: Eine falsche Anrede im Bewerbungsschreiben, nur einem der beiden Gesprächspartner die Hand geben, Fingerknacken während des Gesprächs. „Aber gerade dafür machen wir es ja“, sagt Joachim Peetz. „Wenn es ernst wird, machen sie diese Fehler nicht noch einmal.“

Die Peter-Ustinov-Schule veranstaltet schon seit langem die jährlichen Bewerbungstrainings, von denen nicht nur die Schüler profitieren: Auch die teilnehmenden Unternehmen rücken damit in das Blickfeld der Jugendlichen. Noch haben die meisten von ihnen keine Nachwuchssorgen, jedoch sind laut Barmer-Bezirksgeschäftsführer Detlef Wenzel einige Berufe wie Koch oder Steuerfachangestellter deutlich in ihrer Beliebtheit gesunken. Personalleiter Andreas Schildt vonder Firma Behn hat dafür auch eine Erklärung, gefestigt durch eigene Erfahrung: „Alle wollen heute Häuptlinge werden, keiner mehr Indianer.“

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erstellt am 15.Okt.2016 | 06:17 Uhr

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