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Eckernförder Zeitung

02. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

LITERATURSTIPENDIAT IM KÜNSTLERHAUS : Schreiben in entspannter Atmosphäre

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Autor und Literaturaktivist Jonis Hartmann verbringt ein zweimonatiges Literaturstipendium im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus. Die Ruhe und Stille sind eine Inspiration für den Hamburger.

Eckernförde | Raus aus der Großstadt, weg von einer sechsspurigen Straße in die Beschaulichkeit einer Kleinstadt – Jonis Hartmann aus Hamburg genießt die Ruhe im Künstlerhaus in der Ottestraße. Der 34-Jährige ist zurzeit Literaturstipendiat des Schleswig-Holsteinisches Künstlerhauses Otte 1. „Wir vergeben pro Jahr acht bis neun Aufenthaltsstipendien für Bildende Kunst, Literatur und Musik“, erklärt die Vorsitzende Jutta Johannsen. Hartmann freut sich über ein zweimonatiges Stipendium.

Der gebürtige Kölner, der im Ruhrgebiet und Hamburg aufgewachsen ist, hat den ernsthaften Sprung in die Literatur vor zwei Jahren gewagt. Ursprünglich stammt er aus der Architektur, hat in Weimar, Rom und Kassel studiert und das Studium mit einer Promotion abgeschlossen. Jetzt bezeichnet er sich selbst als Autor, Literaturaktivist, Lektor und Buchhändler. „Ich bin froh, dass ich mich entschieden habe“, erklärt er, „einen Platz ein Leben lang im Büro habe ich für mich nicht gesehen. Es hat mich eingeengt. So ist mein Leben frei und ungebunden.“ Hartmann ist Anhänger des Minimalismus in der Literautur. Beeinflusst von der Architektur bevorzugt er geometrische Formen und gerade Linien. Der große epische Wurf ist nicht sein Ziel – bisher hat der Hamburger neben kleineren Texten (Prosa, Lyrik und Essays) den Kurzroman „Romanino“ und den Erzählband „B-Texte“ veröffentlicht.

Seine Themen findet er im Alltäglichen, vornehmlich in Begegnungen von Menschen. Seine Figuren sind tragisch veranlagt. „Sie haben Probleme mit der Gesellschaft und alltäglichen Dingen, verlieren aber nie den Glauben an sich selbst“, so Hartmann. In seinen Werken beschreibt er das Wechselspiel zwischen komplexen Handlungen, den Sinneseindrücken und die Folgen für seine Figuren. Aber Hoffnung besteht immer.

Die Hoffnung trägt auch ihn selbst, sich in der Literaturwelt zu behaupten. Als Vorsitzender der Hamburger Autorenwerkstatt „writers room“ sowie als Mitglied in den Gruppen „Hamburger AutorInnen“ und „foundintranslation“ und Mitorganisator der internationalen Lesereihe „Hafenlesung“ ist Hartmann multiaktiv.

Umso mehr schätzt der Preisträger des Hamburger Literaturförderpreises von 2014 die Ruhe in Eckernförde. „Hier ist es extrem entspannt. Fürs Schreiben ist das sehr gut, da fließt es ganz von allein.“ Zurzeit arbeitet er in seinem Atelier im Künstlerhaus an einem weiteren Kurzroman. Da es sich dabei bislang noch um Fragmente handelt, könne er über dieses Projekt noch nichts verraten. Er weist aber auf sein aktuelles Lyrik-Werk unter dem Titel „Bordsteinsequenzen“ hin, das im November veröffentlicht wird.

Gegenwärtig arbeitet Hartmann gemeinsam mit einem schottischen Kollegen an der Übersetzung eines Werkes des nordirisch-britischen Schriftstellers Louis MacNeice (1907 bis 1963), der in Großbritannien sehr bekannt ist, hierzulande aber nahezu unbekannt. „Die Arbeit ist super schwierig. Zwar mag die deutsche Übersetzung grammatisch richtig sein, was aber nicht auf den Inhalt zutreffen muss“, skizziert der Hamburger die Übersetzertätigkeit. Da sei es gut, wenn sein schottischer Kollege als Korrektiv eingreife.

Um sich zwischendurch bei der kreativen und doch anstrengenden Arbeit zu entspannen, geht Jonis Hartmann spazieren. Das Ambiente am Hafen zieht er dem Strand vor. „Das Tolle ist, ich bin in zwei Minuten am Hafen und da lasse ich mich richtig durchpusten“, sagt er.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 05:30 Uhr

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