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Eckernförder Zeitung

30. September 2016 | 00:03 Uhr

Green Screen : Schräger Vogel und ein Armutszeugnis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Festivalleiter Gerald Grote hat mit seiner unkonventionellen Rhetorik bei der Eröffnung des Green-Screen-Festivals gepunktet. Die Bürgervorsteherin kritisierte die Ratsversammlung.

Eckernförde | Von Gerald Grote eine förmliche Eröffnungsrede zu erwarten wäre in etwa so, als würden in Eckernförde auf einmal alle politischen Parteien an einem Strang ziehen – höchst unwahrscheinlich. Zum Green Screen-Auftakt schlüpft der Festivalleiter in seinen „großen Schwarzen“ (Anzug), putzt seine große Brille, glättet ein wenig seine wilde Haarpracht und gibt dann den Entertainer und Humoristen. Seine Spezialität: entwaffnend offenherzige Kindersprüche, die er im Laufe des Jahres bei Green Screen eingesammelt hat. „Du hast Dich nicht gekämmt“, habe ein Steppke ihm gesagt. „Doch!“, antwortete Grote. „Aber Du hast keine Frisur“, ließ dieser nicht locker, um dann nachzuschieben „Du siehst schon älter aus als erwachsen“. Lacher garantiert, und in dem Stil geht es weiter. Dann lässt Grote bekannte Green Screen-Filmemacher aus aller Welt zuschalten und Geburtstagsgrüße zum Zehnjährigen übermitteln: Marlen Hundertmark aus Südafrika, Jan Haft aus Norwegen, Herbert Ostwald aus dem Iran, Thomas Grospitz und Jens Westphalen aus Botswana, Uwe Müller aus dem Erzgebirge, Heiko de Groot aus Schweden, Annette Scheurich aus Alaska oder Dirk Steffens aus dem Himalaya – alle aufs Engste mit Green Screen verbunden. Verunglückte Werbebotschaften mit Schildern wie „Kinder Spezial: Zwei Erwachsene essen – ein Kind gratis“ oder der Werbung „Alles für den Schulanfang“ über einem prall gefüllten Spirituosentresen trieben den gut 500 Gästen der Eröffnungsfeier am Mittwochabend in der Stadthalle vor Lachen die Tränen in die Augen.

„Ein bisschen verrückt muss man schon sein“, witzelte die Vorsitzende des Green Screen-Fördervereins, Ulrike Lafrenz anschließend über den Festivalleiter. Sie baten Bürgermeister Jörg Sibbel und Bürgervorsteherin Karin Himstedt auf die Bühne, um sich stellvertretend bei ihnen für die große Unterstützung durch die Stadt Eckernförde zu bedanken. Seit neun Jahre fördere die Stadt das Naturfilmfestival in vielfacher Hinsicht, nicht nur finanziell, sondern auch mit personeller und logistischer Hilfe. „Diese Förderung ist für uns total wichtig, alle sind für uns da“, sagte Lafrenz und überreichte Himstedt und Sibbel die Green Screen-Trophäe. Gefragt nach der ersten Begegnung mit Green Screen verriet der Bürgermeister, dass Grote ihn vier Wochen nach seiner Wahl noch vor seinem Amtsantritt am 1. September 2007 in Osterrönfeld besucht und er ihn ihn damals als „etwas kauzig“ erlebt habe. „Wenn die alle so in Eckernförde sind, muss ich mal gucken, wie das anläuft“, habe er sich vor zehn Jahren gedacht. „Vom ersten Festivaltag hat Green Screen die Menschen in Eckernförde begeistert“, sagte Sibbel, der während des Festivals eine „besondere Stimmung“ in der Stadt spürt, die auch von über 100 ehrenamtlichen Helfern ausgehe, denen er ausdrücklich dankte.

Das Erfolgsgeheimnis von Green Screen liege in der „einmaligen Atmosphäre“, dem direkten Kontakt zwischen Filmemachern und Publikum, „Festival-Persönlichkeiten“ wie „dem schrägen Vogel“ Gerald Grote, dem verstorbenen „Motor, Macher“ und langjährigen Vorsitzenden Jochen Hillers und Inge Sielmann sowie dem Einsatz der mehr als 100 ehrenamtlichen Helfer begründet, sagte Bürgervorsteherin Himstedt in ihrem Grußwort. Sie dankte auch den Sponsoren und Förderern wie Karin Lemke, die seit Jahren die Granitplatten mit den Namen der Preisträger auf dem „Walk of fame“ an der Strandpromenade finanziert. Ihr Fazit: „Die Erfolgsgeschichte von Green Screen ist eine ganz starke Teamleistung.“ Zwar funktioniere Green Screen auch ohne Kino, aber auf Dauer fehlt es doch, sagte die Bürgervorsteherin. „Ich persönlich empfinde es als Armutszeugnis, dass die Ratsversammlung es bis heute nicht geschafft hat, sich auf einen Kino-Standort zu einigen – auch wenn eine Lösung in diesem Jahr schon greifbar nahe war. Aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf. Und wer weiß, vielleicht wird es eines Tages in Eckernförde sogar eine Naturfilmakademie geben, so wie Gerald Grote es sich wünscht.“

Der Mit-Ideengeber des Festivals, Michael Packschies, hatte aus Anlass des zehnjährigen Bestehens einen kurzweiligen Rückblick zusammengestellt. Er selbst wartete mit dem ersten Green Screen-T-Shirt auf, zeigte kurze Filmsequenzen und Fotos, darunter auch die Film-Location-Tour auf Carlshöhe, nach der Grote und er die Idee eines Naturfilmfestivals in Eckernförde entwickelten. Sein besonderer Gruß galt am Ende Jochen Hillers, der mit der Entwicklung seines Festivals sicher zufrieden gewesen wäre.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 06:53 Uhr

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