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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 17:17 Uhr

See-Sanierung : Rettung für überdüngten Wittensee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Arbeiten zur ökologischen Sanierung des Wittensees haben begonnen / Bau eines Durchlasses für die Mühlenbek und eines Retentionsbecken

Noch rund vier Wochen lang wird die Kreisstraße 78 zwischen Haby und Groß Wittensee voll gesperrt sein. Während die Autofahrer in dieser Zeit Umwege in Kauf nehmen müssen, soll der Wittensee in die Lage versetzt werden, sich selbst zu reinigen. Ein hoher Nährstoffgehalt macht dem See schwer zu schaffen (wir berichteten). Vor allem die Phosphoreinträge sind es, die die Wasserqualität schon seit Jahren beeinträchtigen. Denn ein hoher Phosphor-Eintrag entfaltet in Gewässern eine starke Düngewirkung, es kommt in der Folge zur so genannten Eutrophierung: Wasserpflanzen und Algen beginnen zu wuchern, abgestorbenes organisches Material sinkt zu Boden und wird dort unter Sauerstoff-Verbrauch zersetzt. Der Gewässergrund verschlammt, der Sauerstoffgehalt im Wasser nimmt immer weiter ab – bis das ökologische Gleichgewicht zerstört ist.

Auf Amtsebene hat sich 2012 eine Arbeitsgruppe etabliert, um die Sanierung des Wittensee voranzubringen. So wurde bereits durch die Umleitung der Abwässer aus Haby und Holtsee in den Nord-Ostsee-Kanal der See entlastet. Mit dem Bau eines Retentionsbeckens nördlich der K  78 und eines Wasserdurchlasses soll ein weiterer Schritt in diese Richtung gemacht werden. Die Arbeiten vor Ort haben vor wenigen Tagen begonnen. Begleitet wird das Projekt von Biota, einem Planungsbüro aus Bützow und dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Träger des Bauvorhabens ist der Wasser- und Bodenverband Wittensee-Exbek, der die Fläche an der K  78 für den Bau des Beckens erworben hat.

„Als erstes wird der neue Straßendurchlass gebaut“, sagt Biota-Planerin Ulrike Kästner. Das ehemalige Betonrohr durch das die Mühlenbek in den Wittensee floss wurde ausgebaut. „Für die Fische und auch wirbellosen Tiere war es nicht durchlässig“, sagt sie. Ersetzt wird die marode Betonkonstruktion zunächst durch ein Provisorium. In Kürze soll aber der neue Durchlass, 1,60 Meter hoch und 1,50 Meter breit, eingebaut werden. Dafür wird noch das Gelände neu profiliert. Die Einzelteile des riesigen Wellbleches wurden vor Ort zusammengebaut, zwei Kräne werden es in den Graben einsetzen, anschließend wird es mit rund 30 Zentimeter Sol-Substrat gefüllt.

Über die Mühlenbek und deren großen Einzugsbereich gelangen Nährstoffe in den Wittensee – Phosphor ist dabei überwiegend an Bodenpartikel gebunden. Ein Nährstoff-Retentionsbecken soll nun Abhilfe schaffen. Die kalkulierten Kosten von rund 560  000 Euro werden komplett vom Land übernommen. „Ein Teil der Mühlenbek wird abgezweigt und über das rund 6000 Quadratmeter große Becken geleitet“, erläutert Kästner. So würden größere Wassermengen zurückgehalten werden. In dem bepflanzten Becken kann sich der mit dem Abfluss transportierte Boden absetzen und das im abgelagerten Boden enthaltene Phosphor wird nicht weiter in den Wittensee verfrachtet.

Auch bei der Neuprofilierung des Geländes und dem naturnahen Verlauf der Mühlenbek sollen durch die Herstellung einer Flussgewässerstruktur mit Wasserwechselzonen Nährstoffe zurückgehalten werden.

Wie viel Phosphor über die Wirkungsweise des Neubaus zurückgehalten werden kann, ist schwer zu sagen. Bislang ging man von bis zu 100 Kilogramm pro Jahr aus.  

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erstellt am 21.Sep.2016 | 06:41 Uhr

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