zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2016 | 05:19 Uhr

Pferdehof bei Gettorf : Reitlehrer in Untersuchungshaft - „Es gab viele Gerüchte“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein 45-Jähriger wurde wegen schwerem sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen verhaftet. Seine Ex-Partnerin führt den Hof weiter.

Lindau | Obwohl Herbstferien sind, ist nicht viel los auf dem Reiterhof in der Nähe von Gettorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Nur wenige Fahrräder stehen vor dem Stall, die Stimmung ist getrübt. Sechs Mädchen sitzen zusammen auf dem Gatter bei den Ponyställen. Thema Nummer eins ist die Meldung, die vermehrt durch die Medien geht: Der ehemalige Hofbesitzer und Reitlehrer (45) ist verhaftet worden und sitzt in Neumünster in Untersuchungshaft. Er wird beschuldigt, in den vergangenen zwei Jahren zwei Mädchen, 13 und 14 Jahre alt, sexuell missbraucht zu haben.

„Wir wollen dazu nichts sagen“ – da sind die jungen Reiterinnen sich einig. Sie sind alle zwischen zwölf und 14 Jahre alt, reiten seit zwei, drei oder vier Jahren auf dem Hof. Und sie schweigen. „Das einzige, was ich sagen kann ist, dass wir alle hinter ihm stehen“, sagt plötzlich eine von ihnen. Die anderen nicken – „ja, mit der Aussage können wir alle leben.“

„Ein sehr netter und gut aussehender Mann“, so beschreibt ihn eine Mutter aus Gettorf, deren Tochter jahrelang auf dem Hof geritten ist. Er habe den Hof in den letzten Jahren gut wieder aufgebaut, sie könne nichts Negatives über ihn sagen, berichtet sie. Von den Vorwürfen gegen ihn habe sie aber schon vor etwa einem halben Jahr gehört. Dass etwas dran ist, sah sie bestätigt, als er Mitte des Jahres plötzlich ganz von der Bildfläche verschwunden war. Sie könne sich vorstellen, dass sich junge Mädchen zu dem guten Reiter hingezogen gefühlt haben könnten. „Es gab viele Gerüchte“, sagt sie.

„Wir möchten nur, dass hier wieder Ruhe einkehrt und alles weiterläuft“, sagt eine Mitarbeiterin des Pferdehofes, die Unterricht gibt und sich um die Ställe kümmert, und zeigt damit auch, dass Unruhe nicht erst seit Bekanntwerden der Verhaftung auf dem Hof herrscht. Die ehemalige Lebensgefährtin des Reitlehrers habe die Anlage von ihm übernommen und der Betrieb laufe ganz normal weiter, berichtet sie. Der Beschuldigte habe seitdem den Hof nicht mehr betreten und werde dies auch nicht tun.

Bereits Anfang des Jahres waren die Vorwürfe bekannt geworden und Haftbefehl wurde erlassen. Da damals die Wiederholungsgefahr als niedrig eingestuft wurde, setzte der Richter am Amtsgericht Eckernförde den Haftantrag außer Vollzug – der Reitlehrer wurde mit Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Nun haben die Ermittlungen allerdings ergeben, dass der 45-Jährige sich nicht an die Auflagen gehalten und wiederholt versucht haben soll, Kontakt zu der 13-Jährigen aufzunehmen. Es habe Verdunklungsgefahr bestanden, erklärte Kiels Oberstaatsanwalt Axel Bieler. „Es wurde ein Antrag auf Wiederinstandsetzung des Haftbefehls gestellt, und das Amtsgericht Eckernförde ist dem Antrag gefolgt.“

Am Montag wurde der Mann im Kreis Plön, wo er derzeit wohnt, festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Er sitzt zurzeit in Neumünster in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt und geht derzeit von zwei Opfern aus. Von 20 sexuellen Handlungen spricht Bieler, die meisten davon mit der 13-Jährigen, die nach Paragraph 176 Strafgesetzbuch noch als Kind zu betrachten ist. „Und solange das Mädchen 13 war, ist es auch ganz egal, was sie gemacht hat. Sie kann sich dem Mann nackt an den Hals geworfen haben, in diesem Moment ist sie das Kind und er der Erwachsene, der Nein sagen muss“, macht Bieler deutlich. Der Täter hat bei schwerwiegendem Missbrauch von Kindern mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren zu rechnen.

Die ehemalige Lebensgefährtin des Beschuldigten möchte derzeit am liebsten mit niemanden darüber sprechen, was passiert ist. Anfang der Woche postete sie aber auf ihrer Facebook-Seite: „Das, was mein ehemaliger Freund und Vater meiner Kinder getan hat, verurteile ich zutiefst. Es ist nicht zu entschuldigen und hat mich furchtbar erschüttert. Es tut mir sehr leid um das Mädchen, aber auch meine Familie und ich sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Ich hoffe sehr, dass das, was passiert ist, nicht auch noch den Reiterhof kaputt macht.“
 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Okt.2016 | 06:08 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert