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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

Nachwuchs im Tierpark : Publikumsliebling auf Erkundungstour

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Freude im Tierpark Gettorf: Der langersehnte Nachwuchs bei den Erdmännchen ist endlich da / Jetzt soll die Gruppe weiter wachsen

Gettorf | Es gibt zahlreiche Jungtiere im Tierpark Gettorf – und sie sind alle niedlich und sehenswert. Aber eines stiehlt derzeit allen anderen die Show. Die Erdmännchen haben Nachwuchs bekommen – und darauf hatten nicht nur alle Tierparkmitarbeiter, sondern auch viele Besucher seit langem gewartet. Es hat ein freche Stupsnase und das Fell steht wie elektrisiert in alle Richtungen ab. Das Hinterteil scheint schwerer zu sein als der Rest des Körpers, denn bei Gefälle rutscht der kleine Neuling schon mal ab und plumpst in kleine Erdlöcher oder zurück in die heimische Höhle.

Der Wunsch, Erdmännchen in Gettorf anzusiedeln, habe schon lange bestanden, verrät Dr. Gabriele Ismer, die Diplom-Biologin im Gettorfer Tierpark. Da die Tiere eine intensive Wärme brauchen, war das räumlich lange nicht möglich. Aber nach einem Umbau in der Paradieshalle und der Anlage eines Außengeheges konnten die Erdmännchen kommen: Rufus und Rocky aus Linz zogen im März 2015 ein. Und ein Weibchen – angeblich: Dieses kam aus Dortmund dazu. „Wir haben die Gruppe eine Zeit lang beobachtet, aber es passierte nichts“, sagt Ismer, dann habe man einen Experten hinzugezogen, mit dem Ergebnis: „Das Weibchen aus Dortmund war auch ein Kerl“, die Biologin erinnert sich lachend. Das neue Weibchen kam aus Erfurt, und schon nach einer Woche gab es unter den Jungs die erste große Prügelei um Roxane. Der Dortmunder musste wieder ausziehen.

Von diesem Zeitpunkt an wurde die Entwicklung der Tiere neugierig beobachtet. „Die Tragzeit beträgt nur zehn Wochen, theoretisch hätte schon im Herbst der erste Nachwuchs kommen können“, sagt Ismer. Alle warteten gespannt. Und warteten. Und beobachteten: Wird da vielleicht vermehrt gebuddelt? Gibt es körperliche Veränderungen? Aber: tote Hose. Vorerst passierte nichts im Erdmännchen-Gehege. In der Zwischenzeit ist das Außengehege größer geworden. Durch ein Rohr, das unter dem Weg für die Besucher hindurch führt, ist das kleine Gehege mit einem größeren verbunden worden. Aber das Rohr war mit Erde und Sand verfüllt, sodass die Tiere das Gefühl haben konnten, es sich selbst erschlossen zu haben.

Im diesem Frühjahr dann schleppten die Erdmännchen ein totes Jungtier aus einer der Höhlen ans Licht und legten es unter die Wärmelampe. Ob sie noch Hoffnung hatten oder das tote Baby einfach nur dort ablegen wollten, wo sie selbst sich wohlfühlen, das könne man nicht sagen, erklärt die Tierpark-Biologin. „Aber von dem Zeitpunkt an wussten wir, es klappt prinzipiell. Sie wissen, wie es geht“, sagt sie. Die Spannung im Tierpark stieg erneut. Es wurde genau geguckt und spekuliert, die Nachfragen der Besucher nahmen zu – persönlich, per E-Mail und bei Facebook. Wird Roxane dicker? Frisst sie mehr? Baut sie neue Höhlen? „Es wurde viel Kaffeesatzleserei betrieben“, erinnert Ismer sich.

Dann kam die Nacht vom 22. auf den 23. September: In der Zeit davor waren die drei Erdmännchen immer gemeinsam zu ihrer Lieblingsmahlzeit erschienen: die Fleischfütterung. Ab dem 23. September fehlte immer einer, und den aufmerksamen Beobachtern war sofort klar: Einer hat Babywache. Zwei Tage später wurde das Junge das erste Mal stolz über die Anlage getragen. „Jetzt war es zu 100 Prozent sicher: Sie haben ein Baby“, sagt Ismer. Das erste Mal gesehen habe sie selbst es auf einem Foto, das ein Besucher gemailt hatte.

Mittlerweile hat das Kleine – das Geschlecht kann derzeit nur vermutet werden – schon Fell und läuft allein herum. Aber nur, wenn die Aufpasser sicher sind, dass keine Gefahr droht. „Einmal landete eine Dohle im Gehege, da sind alle drei hingestürzt. Die Dohle konnte gerade noch entkommen, sonst hätte es für sie schlecht ausgesehen. Denn Erdmännchen sind Raubtiere“, erklärt die Expertin.

„Wir hoffen, dass es jetzt so weiter geht“, sagt Ismer. Zehn bis zwölf der kleinen Scharrtiere wünscht sie sich für den Tierpark: „Das wäre eine vernünftige Gruppe“. Wenn es mehr werden, gibt man sie an andere Tierparks ab.

Jemand, der sich auch besonders über den Zuwachs freut, ist Volker Strehlow. Der ehemalige Lehrer, unter anderem für Biologie, ist seit Ende 2014 Vorsitzender des Fördervereins Freunde des Tierparks Gettorf und seit jeher Erdmännchen-Fan. Da spielte ihm die Neuanschaffung des Tierparks vor anderthalb Jahren in die Karten. Er fertigte gleich eine Zeichnung an, und der Förderverein hat seit Mitte 2015 ein neues Logo – natürlich mit Erdmännchen.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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