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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Die 39 nominierten Filme werden bewertet : Preisjury: Starke internationale Präsenz und die Natur als „wunderbarer Regisseur“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zwei Tage Arbeit liegen vor der Preisjury des Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen. In 13 Kategorien müssen sich die sechs Jurymitglieder auf den Siegerfilm einigen.

„Hitzefrei“ an den Schulen, Temperaturen an der 30-Grad-Marke, voller Strand. Das alles konnten die sechs Mitglieder der Preisjury gestern kaum genießen. Sie saßen im dunklen Kämmerlein im Stadthotel und schauten stundenlang auf den Bildschirm. 39 nominierte Festivalfilme müssen sie zumindest in Ausschnitten bis heute Abend durchgeschaut und endbewertet haben. Und zwar möglichst einvernehmlich, um Geschlossenheit zu präsentieren. Die Ergebnisse ihrer Arbeit zählen zu den am besten gehüteten Geheimnissen des 10. Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen und werden erst am kommenden Sonnabend ab 20 Uhr bei der Preisverleihung in der Stadthalle verkündet.

Alle sechs Jurymitglieder haben das von der Vor-Jury ausgewählte Filmpaket bereits zu Hause vorgesichtet und -bewertet. So waren sie gewappnet für die finale Runde im Stadthotel. Juryvorsitzender Heinz von Matthey lobte die gute Vorbereitung und Diskussionskultur in der von Peter Fera zusammengestellten Runde. „Es ist erstaunlich, wie die guten Sachen in der Summe recht ähnlich gesehen werden. Alle können relativ sicher die Preisvergabe begründen“, sagte Heinz von Matthey, der Green Screen seit sieben Jahren eng verbunden ist. Gar von Anfang an sind die Filmemacher Christian Hermann und Oliver Goetzl dabei. Es gibt zwar einen Grundkonsens der Filmprofis, aber „gerade die kontroversen Diskussionen sind spannend, weiten den Blick und sind so wertvoll“, betont Christian Hermann. „Meine Kinder sind mit dem Festival groß geworden“, beschreibt Oliver Goetzl seine lupenreine Green-Screen-Historie. Der große Erfolg des Eckernförder Festivals liege in der enormen Resonanz vor Ort und dem direkten Kontakt zwischen den Filmemachern, TV-Verantwortlichen und dem begeisterungsfähigen Publikum. „Die ganze Stadt fiebert mit, wir spüren hier ein unglaubliches Engagement und die Säle sind voll“, nennt Kameramann und Filmautor Roland Gockel die besonderen Vorzüge von Green Screen. „Wir fühlen uns total willkommen“, ergänzt Anne Olzmann, Geschäftsführerin der Albatross World Sales GmbH. Dem kann auch die sechste im Bunde, Claudia Schwab nur zustimmen. Sie arbeitet seit 1999 als Redakteurin beim SWR und ist dort seit 2012 für den Bereich „Tiere und Natur“ zuständig.

Auffallend ist die starke Präsenz internationaler Filme im Nominierungsverfahren. Nur zwölf der 39 Filme stammen aus deutscher Produktion, hebt Heinz von Matthey hervor. Das war mal anders. In diesem Jahr spielen Produktionen aus Holland, Japan, Neuseeland, Frankreich, Australien oder Südafrika eine maßgebliche Rolle. Es ist erstaunlich, dass es den Filmemachern immer wieder gelingt, die Natur und deren Bewohner neu in Szene zu setzen. „Es gibt immer wieder Szenen, wo einem die Kinnlade herunterfällt“, bringt Roland Gockel das Faszinosum Natur- und Tierfilm auf den Punkt. „Die Natur ist ein wunderbarer Regisseur und schreibt immer wieder neue Geschichten.“ Kameramann-Legende Peter Fera kennt das Geheimnis: „Tiere können kein Drehbuch lesen“. Filmemacher könnten sich zwar auf den Dreh vorbereiten, die Kunst liege aber darin, diese unverhofften, oft wunderbaren Momente, einzufangen. „Die Dinge fügen sich, wie in der Musik“, unterstreicht Christian Hermann das Phänomen Naturfilm.

Alle Jurymitglieder wiesen auf den hohen Stellenwert Green Screens in der internationalen Naturfilmszene hin. Aufgrund der großen Bedeutung seien unter anderem drei zeitlich kollidierende internationale Festivals in anderen Ländern verschoben worden, sagte Oliver Goetzl, Green Screen-Preise hätten eine große Außenwirkung und seien gut fürs Renommee.

Einziges Manko: das fehlende Kino. Die Qualität der Vorführungen sei zwar gut, aber „bei so viel Begeisterung in der Stadt ist es ein Muss“, bringt Roland Gockel den „gemeinsamen Wunsch“ aller Jurymitglieder auf den Punkt.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 06:12 Uhr

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