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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 11:31 Uhr

Schule : Praktische Forschung im Unterricht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ministerpräsident Torsten Albig besucht MINT-Klasse in Louisenlund-Schule / Schüler stellen bundesweit neues Unterrichtskonzept vor

Louisenlund | Deutschland braucht mehr Naturwissenschaftler. So zumindest sieht man es in Louisenlund. Mit diesem Schuljahr startete deshalb an der Privatschule eine spezielle MINT-Klasse. Stipendiaten aus ganz Deutschland lernen von der 9. bis zur 12. Klasse mit speziellem Fokus auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) und kommen dabei ganz praktisch mit Universitäten, Wissenschaftsinstituten und Unternehmen in Kontakt. Ministerpräsident Torsten Albig nahm dies zum Anlass, in der Privatschule vorbeizuschauen und sich mit den Schülern zu unterhalten.

„Gelegenheit macht Forscher - Die Zukunft unseres Landes vorbereiten“ war der Leitsatz des Treffens. 20 Schüler berichteten Albig von ihren ersten Erfahrungen mit dem deutschlandweit neuen Konzept – und diskutierten mit dem Minister über Möglichkeiten zur Verbesserung der Nachwuchsförderung – wobei zum Teil recht unterschiedliche Ansichten deutlich wurden. Gut 200 weitere Schüler verfolgten das Gespräch.

16 Schüler sind im ersten Jahrgang der Mint-Klasse, unter ihnen Finja Becker. „Man merkt, dass der ganze Unterricht auch fächerübergreifend auf MINT ausgerichtet ist”, so die 14-Jährige. In Englisch lesen wir zum Beispiel Texte darüber, wie Intelligenz funktioniert. Alle Lehrer sind darauf eingestellt, dass die MINT-Fächer bei uns im Mittelpunkt stehen.“ Was die Schüler theoretisch lernen, sollen sie zugleich praktisch erleben und anwenden. So verfügt die Schule über ein eigenes Forschungsboot, von dem aus Wasserproben aus der Schlei entnommen oder Schweinswale in der Ostsee gefilmt werden. Die MINT-Fächer werden jeweils in Blöcken von vier Stunden unterrichtet. Kürzer treten dafür andere Fächer wie Kunst, Musik, Geographie, Wirtschaft und Politik.

Albig zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten, welche den jungen Talenten in Louisenlund geboten werden. „Förderprojekte wie dieses brauchen wir in Schleswig-Holstein.“ Er warnte allerdings auch vor zu früher und einseitiger Spezialisierung. Nicht nur Zahlen und Analysen seien wichtig, sondern auch Kunst, Soziales und Philosophie. Die Schüler hielten dagegen mit dem umfangreichen Angebot der Schule auch neben dem Unterricht, welches zum großen Teil über Gilden genannte AGs organisiert ist. Neben zahlreichen Sportarten können sie sich etwa beim Technischen Hilfswerk (THW) engagieren.

In der Diskussion wünschten sich die Schüler generell größere Investitionen ins Bildungssystem. Die nötigen Mittel könne man etwa in der Infrastruktur einsparen, meinten die einen. Andere dagegen sahen ordentliche Straßen und bessere Zugverbindungen als wichtigen Bestandteil des Schulalltags. Albig bestätigte die Wichtigkeit von Bildung. „Wir haben zu wenige Lehrer und zu große Klassen. Deshalb stellen wir eine Menge zusätzlicher Lehrkräfte ein.“

11.-Klässler Laurens Unrau (18) bemängelte, dass es in Schleswig-Holstein wenig Zukunftsaussichten für ihn gebe. „Ein Schulpraktikum habe ich in München gemacht, weil die Stadt attraktiver ist und ein besseres Angebot hat.“ Auf die Klage eines anderen Schülers über die aus dessen Sicht beschränkten Studienmöglichkeiten in Schleswig-Holstein erwiderte der Minister: „Ich sehe keinen Grund, fürs Studium in Schleswig-Holstein zu bleiben.“ Studieren könne man überall. Wichtiger sei es, die Innovations- und Start-Up-Kultur im Land zu fördern.

Von den Schülern vorgeschlagene umfangreichere Subventionen hielt Albig jedoch für wenig effektiv. „Man kann durch staatliche Förderprogramme nicht den Mangel an Unternehmergeist ersetzen.“ Wichtiger sei es, jungen Menschen zu vermitteln, „dass es toll ist, Unternehmer zu sein.“ Das Ziel der Schulen sei lange Jahre die Vorbereitung auf eine Beamtenlaufbahn gewesen. Wirtschaftliche und unternehmerische Ambitionen seien dagegen vernachlässigt worden. Die für Deutschland typische Angst vorm Scheitern, so der Minister, müsse an den Schulen abtrainiert werden.

Für junge Menschen biete Schleswig-Holstein bereits zahlreiche Möglichkeiten. „In der Selbstvermarktung sind wir allerdings sehr schlecht. Schleswig-Holstein hat 40 Weltmarktführer, viele davon im Mittelstand, die hochinnovativ sind.“ Dies müsse an den Schulen besser vermittelt werden.

Viele der Schüler waren dafür, den Gymnasialunterricht anspruchsvoller zu gestalten, um so die Unterrichtsqualität zu erhöhen und den Zulauf zu anderen Schulformen und letztlich zu Ausbildungsberufen zu erhöhen. Albig lehnte dagegen eine zu frühe Selektierung ab. Er selbst habe erst in der 9. Klasse angefangen, sehr gute Noten zu schreiben.


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erstellt am 17.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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