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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Pferde im Feldeinsatz : Pferde ziehen Pflug der Amish People

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach drei Monaten Einfahrzeit wird zur Pferdefeldarbeit auf dem Biohof Boll ein amerikanischer Pflug der Amisch eingesetzt

Holzdorf | Rund drei Monate dauerte die Fahrschulzeit für Rico (20) und Merle (18). Jetzt langsam haben sich die beiden Norwegerpferde auf dem Biohof Boll in Großholz an das Ziehen eines neuen ungewohnten Pflugs gewöhnt. Schon seit rund 25 Jahren werden auf dem Hof Pferde für die Feldarbeit eingesetzt.

Bisher kamen dabei „historische Geräte zum Einsatz“, berichtet Ilona Ebel, zuständig für die Betriebsorganisation. Es wurde viel improvisiert und ständig geschweißt. Nun setzt der Betrieb erstmals einen nagelneuen Pflug ein, der in einer kleinen Schmiede in Pennsylvania (USA) von Amischen gebaut wurde.

Dort sei die landwirtschaftliche Technik zum Feldeinsatz mit Pferden sehr gut entwickelt, sagt Betriebsleiter Gerd Boll. Im Vorjahr seien sie auf einer Art Messe, der Pferde-Stark in Wendlinghausen gewesen. Dort wurden alle möglichen Einsatzgebiete für Pferde gezeigt, unter anderem auch in der Bodenbearbeitung. Von dem Pflug, ein I & J Draft Cultivator, waren sie begeistert. Durch eine Sammelbestellung mit zahlreichen weiteren Käufern wurde der Transport mit Container erschwinglich, ergänzt Ebel.

Seit dem Frühjahr ist der Pflug, der über verschiedene Pflugscharen verfügt, im Einsatz. Minoe Dröge, sie studierte Ökolandbau, hat seitdem mit den beiden Pferden trainiert. „Es dauerte lange, bis sie den weiteren Abstand zueinander akzeptierten“, sagt Dröge. Sie müsse sich ja darauf verlassen, dass die Pferde die Spur von alleine halten, sagt sie. Bisher waren sie immer nur wenige Zentimeter von einander getrennt die Feldreihen abgelaufen.

Der neue Pflug ist breiter und schafft mehr Reihen in einem Arbeitsgang. Der allergrößte Vorteil gegenüber der bisherigen Feldarbeit ist aber, dass sich der Pferdeführer auf einen gefederten Sitz setzen kann. „Bisher musste man stundenlang durch die Ackerfurchen laufen“, sagt Ebel und freut sich für ihre Mitarbeiter. Inzwischen sei der Pflug auch nach ihren Bedürfnissen modifiziert worden und es wurden verschiedene Teile angebaut. Eine Herausforderung bleibt dabei der Einsatz von Zollgewinden, da es sich ja um ein amerikanisches Fabrikat handelt, sagt Boll. Entsprechendes Werkzeug haben sie sich schon angeschafft. Und sie haben auch schon eine weitere Maschine im Blick, die im Anbau von Erdbeeren zum Einsatz kommen könnte, berichte Boll.

Pferde komme auf dem Hof bei der Feldbearbeitung zum Einsatz, um die Bodenverdichtung zu verringern, erklärt Ebel. Um Mist auszubringen oder den Boden tief zu pflügen wird auf dem Hof aber ein Trecker verwendet, um die Pferde zu entlasten.

Ihr Interesse an den neuen Geräten beruht auf der größeren Effizienz. So amortisiere sich die Investition relativ schnell, sagt Boll. Brauchte Minoe Dröge bisher knapp zwei Arbeitstage, um einen Hektar Kohl zu bearbeiten, so gelingt dies jetzt in fünf bis sechs Stunden. Eingesetzt wird der Pflug für Kartoffeln, für Kohl und für Porree. In einem Arbeitsgang wird die Erde zwischen den Pflanzen aufgerissen, um so mechanisch Unkraut zu beseitigen. Im nächsten Arbeitsgang wird die Erde an den Pflanzen wieder angehäufelt, erklärt Ilona Ebel. Während der Fahrt kann der Bediener auch die Tiefe des Pflugs einstellen und nachjustieren. Der Einsatz des neuen Pflugs mache deutlich, dass der Pferdeeinsatz auf dem Feld durchaus machbar und wirtschaftlich sinnvoll sei, sagt Dröge und lenkt Rico und Merle in den Kohlschlag.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 06:38 Uhr

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