zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Neue Musik : Permanenter Klangstrom zum Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

15 Jahre Neue Musik: Konzert mit Ensemble reflexion K, Andrea Paluch und Burkart Zeller.

Eckernförde | Ein ebenso spannendes wie inspirierendes Konzert erlebten am Freitag rund 50 Neugierige und Freunde der Neuen Musik in der St.-Nicolai-Kirche. Das Ensemble reflexion K mit Beatrix Wagner (Hackbrett und Gesang), Burkart Zeller (Violoncello) und Gerald Eckert (Violoncello und Elektronik) widmete sich Werken von Gerald Eckert und Walter Zimmermann. Andrea Paluch rezitierte dazu Gedichte von William Butler Yeats, der mit seinen national-irischen, mythisch-mystischen, oft symbolischen Dichtungen zeitlebens um den angemessenen ästhetischen Ausdruck für eine gründlich aus den Fugen geratene Welt rang.

„15 Jahre Neue Musik Eckernförde, das bedeutet viel Entwicklung“, resümierte Gerald Eckert, der Kopf des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Ensembles reflexion K. „Dass die Konzerte gut angenommen werden, macht uns froh. Es kommen immer wieder Leute dazu, die sich auf unsere musikalischen Abenteuer einlassen.“

Dieses Mal überraschte das Ensemble mit zwei ganz unterschiedlichen Konzerthälften. Die erste Hälfte dominierten elektronische Stücke wie das fragmentartig strukturierte Nen IV oder Cer, Element der seltenen Erden. Gerald Eckert hat dafür Industrieklänge von Hafenanlagen und Eisenbahnbrücken, Instrumentalklänge und übermenschliche Sprachfetzen transformiert und überlagert zu einem eigenwilligen Konstrukt aus tiefem Rauschen, Grummeln und Ächzen.

Danach „Das Gras der Kindheit“ von Walter Zimmermann mit einem Gedicht des syrisch-libanesischen Dichters Fuad Rifka. Für den Effekt singt und zupft Beatrix Wagner die Saiten ihres Hackbretts, ein Saiteninstrument wie eine Art Zither. Das arabische Wort Zaman – Zeit – taucht immer wieder auf. Zeit der Rosen, Zeit der Tränen, Zeit der Liebe.

Nach der Pause die Uraufführung des Werks „Gestade in Fernen“ für zwei Violoncelli von Gerald Eckert. Ein 50-minütiger permanenter Strom, eine kontinuierliche Klangverwandlung verschiedener Obertonstrukturen ohne Höhen und Tiefen. Ein Fluss von Zeit. Ein Stück, um sich in den Klängen zu verlieren, zum Nachdenken und zum Nicht-mehr-Denken. Im Dialog dazu las Andrea Paluch Zeilen aus Gedichten von William Butler Yeats. „I will arise and go now, and go to Innisfree.“ Übersetzung: „Ich werde aufstehen und nun losgehen und nach Innisfree gehen.“

Sich ein- und überraschen lassen, das mögen auch die Eckernförderinnen Ingrid Deiders und Barbara Kramer an der Neuen Musik. „Ich muss immer herkommen, weil ich wissen will, was es Neues gibt“, verriet Ingrid Deiders. „Es ist wieder sehr spannend heute. Ich kann mir Bilder vorstellen. Ich mag das einfach.“ Auch Barbara Kramer ist vor jedem Konzert gespannt, was sie erleben wird. „Und wenn ich hier rausgehe fühle ich mich beschwingt.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen