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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 09:08 Uhr

Tanz mit der Gefahr : Partydrogen – von Kokain bis Exctasy

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Fachmann hat im „Haus“ über die unterschiedlichen Wirkungsweisen aktueller Partydrogen aufgeklärt. Cannabis und Haschisch sind noch immer am weitesten verbreitet.

Eckernförde | Sie sind starke Drogen und können einen Menschen zerstören, doch ihr Vertrieb ist legal: „Legal Highs“ werden unter Namen wie „Kräutermischung“ oder „Badesalze“ über das Internet vertrieben. Die synthetischen Substanzen sollen einen Cannabis-, Exctasy- oder LSD-Rausch imitieren, sind aber stärker und nur schwer einschätzbar. Nach Angaben der Bundesregierung sind im vergangenen Jahr 39 Menschen nach ihrem Konsum gestorben. Dennoch ist ein Verbot schwierig: Sobald die Behörden auf eine der Drogen aufmerksam werden, wird ihre chemische Zusammensetzung leicht verändert, so dass es sich offiziell wieder um einen anderen Stoff handelt, dessen Rauschpotenzial erst einmal nachgewiesen werden muss.

So erklärt es Timm Bennewitz vom Kieler Partyprojekt „Odyssee“, und er muss es wissen. Jedes Jahr ist er mit seinem vom Land finanzierten Aufklärungszelt auf Festivals und berät die Besucher über den richtigen Umgang mit Partydrogen. Dabei geht es nicht um den pädagogischen Zeigefinger. „Wenn die Leute schon Drogen nehmen, sollen sie zumindest keine noch größeren Fehler machen.“ Im „Haus“ an der Reeperbahn unterrichte er am Dienstag auf Einladung des „Arbeitskreises Jugend“ Pädagogen, Eltern und Interessierte über die Wirkungsweisen dieser Drogen. Bennewitz: „Die Legal Highs machen schnell psychisch abhängig. Und der Anreiz aufzuhören ist gering, denn weil sie nicht verboten sind, denken viele Konsumenten irrtümlich, dass sie nicht gefährlich sind.“

Noch immer die Partydroge Nr. 1 sei Exctasy (XTC). Die Pillen versetzen die Konsumenten in einen Liebesrausch. Der Körper wird vier bis sechs Stunden mit dem körpereigenen Wirkstoff Serotonin überschüttet. Danach fällt man in ein tiefes Loch. „Der Körper benötigt etwa 14 Tage, um die Speicher wieder aufzufüllen“, so Bennewitz. Depressionen möglich.

Amphetamine dagegen putschen auf. „Es ist kein Problem, zum Beispiel mit Speed ein Wochenende wach zu bleiben. Die Droge hat ein großes psychisches Abhängigkeitspotenzial und schädigt den Körper bei Dauerkonsum stark. Ebenso Kokain, das Menschen nicht selten aggressiv macht.

LSD und „Magic Mushrooms“ (magische Pilze) wirken wiederum anders. Beides sind halluzinogene Drogen. Die Menschen sehen Dinge, die nicht real sind. Schlechte Gefühle werden potenziert. Der Rausch ist mit 10 bis 15 Stunden sehr lang. Bennewitz’ Tipp: „Immer einen Tripsitter dabeihaben, der einen daran hindert, vom Balkon zu springen.“

Verstärkt tritt in letzter Zeit das Betäubungsmittel Ketamin auf. In niedrigen Dosen wirkt der Konsument wie betrunken, bei Überdosierung fühlen sich einige wie eine „Blatt am Baum“. Mögliche Folgen: Inkontinenz im frühen Alter. Immer beliebter wird das pulverförmige DMT, das etwa 15 Minuten lange Halluzinationen hervorruft.

Ghb/Gbl wird auch LiquidXTC oder K.O.-Tropfen genannt. Konsumenten stellen sich damit ruhig. Die Droge wird von Kriminellen auch in Getränke gemischt, um deren Konsumenten später auszurauben und zu misshandeln. Bennewitz’ Rat: „Immer auf das Getränk achten.“ Bei einem Missbrauch sollte umgehend eine Blutprobe entnommen werden – der Wirkstoff ist nur kurz nachweisbar.

Für alle Drogen gilt: Ihr Dauerkonsum ist stark gesundheits- und persönlichkeitsschädigend. Letzten Endes sind die am weitesten verbreiteten Drogen noch immer Cannabis und Haschisch. „Sie sind bei jungen Menschen der Psychoseauslöser Nr. 1.“

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erstellt am 10.Nov.2016 | 06:19 Uhr

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