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Eckernförder Zeitung

27. Juni 2016 | 17:01 Uhr

wunsch nach sicherheit : Parkende Autos – Gefahr für blinde Fußgänger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Blindenleitstreifen in der Langebrückstraße wird immer wieder von haltenden Autos blockiert. Stefan Krause, zu 100 Prozent sehbehindert, fühlt sich in seiner Sicherheit bedrängt.

Eckernförde | Stefan Krauses täglicher Gang von seiner Arbeitsstelle zum Mittagstisch ist gefährlich. Jeden Tag um 12 Uhr macht sich der 52-Jährige vom Rathaus aus auf den Weg zu Methmanns Mittagstisch. Über den Rathausmarkt, durch die Nicolaistraße bis zur Langebrückstraße. Dort bleibt Stefan Krause stehen, tastet mit seinem 1,50 Meter langen Blindenstock sorgfältig den Straßenbelag ab und hört auf die Motorengeräusche. Hat er den weißen Blindenleitstreifen ertastet, orientiert er sich und biegt sicher um die Ecke.

Seit seiner Geburt ist Stefan Krause blind. Seine Welt erschließt er sich über den Gehör- und den Tastsinn. Ängstlich ist der gebürtige Bayer, der seit 27 Jahren in Eckernförde lebt und als Telefonist im Rathaus arbeitet, nicht. Nur wütend ist er manchmal auf die Autofahrer. Und das in letzter Zeit öfter. Immer wieder werden Fahrzeuge auf dem Blindenleitstreifen abgestellt. Der Blindenleitstreifen dient Krause jedoch zur Orientierung. Dessen Trapezprofil ist ein Signal für ihn, dass nur wenige Zentimeter weiter die Fahrbahn für die Autos beginnt. Besonders schwierig wird die Situation am Ende der Langebrückstraße kurz vor der Einmündung der Fußgängerzone (Kieler Straße). Dort verläuft der Blindenleitstreifen zwischen Fahrbahn und zwei Bäumen. Wenn auf dem schmalen Stück dann noch Autos dort halten und den weißen Streifen blockieren, fühlt sich Krause mehr als bedrängt. Ein sicheres Überqueren der Straße, um zu seinem Mittagstisch zu kommen, ist dann fast unmöglich. „Ich brauche mindestens drei Schritte zwischen Fahrbahn und Fußweg, um noch einmal in Ruhe alles abtasten zu können“, sagt er. Höre er ein Motorengeräusch, habe er dann noch genug Raum, um wieder zurückzutreten.

„An einigen Tagen zähle ich 50 bis 60 Autos, die auf dem Blindenstreifen stehen“, berichtet Jens Methmann, „und darunter sind viele mit Eck-Kennzeichen“. Der Gaststätteninhaber begleitet seinen Gast nach dessen Mahlzeit täglich zurück auf die andere Seite der Langebrückstraße, da der Blindenleitstreifen nur dort verläuft. Ende 2010 hat die Stadtverwaltung die Orientierung für Menschen mit Sehbehinderung in der Langebrückstraße, in der Ottestraße und im Hafengang bauen lassen. „Da es sich um eine Mischverkehrsfläche handelt, mussten wir in Ermangelung eines Bordsteines eine Alternative anbieten“, erklärt Axel Sperber, Sachgebietsleiter im Tiefbau. Ähnliches sei auch für den Weg an der Hafenspitze geplant. Auch er sieht das Problem, dass in der Langebrückstraße fast tagtäglich alles zugeparkt wird – für ihn unverständlich. Stefan Krause wünscht sich nicht nur auf seinem täglichen Weg zum Mittagstisch aufmerksamere Autofahrer. „Mit meinem Stock und dem Blindenabzeichen bin ich doch gut zu erkennen“, sagt er.

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erstellt am 09.Feb.2016 | 05:38 Uhr

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