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Eckernförder Zeitung

02. Dezember 2016 | 23:22 Uhr

Eckernförde : Panne bei der Arbeitsagentur: Ein Name, zwei Frauen, viele Fehler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Astrid Schulz erhält seit zweieinhalb Jahren Unterlagen für ihr vollkommen fremde Menschen.

Eckernförde | Astrid Schulz sitzt im Wohnzimmer und sieht ungläubig auf die Unterlagen vor ihr. Die Agentur für Arbeit aus Heide hat ihr geschrieben. Und die Jobcenter aus Itzehoe und Glückstadt, ebenso die Arbeitsagentur aus Recklinghausen. In ihrer Eigenschaft als Betreuerin wird sie unterrichtet, dass ihren Klienten „unterhaltssichernde Maßnahmen“ bewilligt oder zu Ratenzahlungen verpflichtet werden. Nur: Astrid Schulz ist keine Betreuerin. „Ich kenne diese Menschen überhaupt nicht“, sagt sie.

Es ist eine klassische Verwechslung: Irgendwo arbeitet eine Astrid Schulz als gerichtlich bestellte Betreuerin für Menschen, die Unterstützung bei der Bewältigung ihres Lebens benötigen. Sie erhält Post Behörden und von Jobcentern und Arbeitsagenturen, doch genau dort ist ein Fehler passiert. Statt der Adresse der richtigen Betreuerin ist die Adresse von Astrid Schulz aus Eckernförde im System gespeichert – vielleicht, weil sie mal für drei Monate arbeitslos gemeldet war.

„Der erste Brief kam im April 2014 von der Agentur für Arbeit in Heide“, sagt Astrid Schulz. Es ging um Unterhaltssicherung für eine Frau, deren Namen sie noch nie gehört hatte. Gleich nach Erhalt rief sie bei der Agentur an und sprach die Verwechslung an. „Sie sind hier als Betreuerin eingetragen“, bekam sie zu hören, erhielt aber gleich die Zusage, dass das Versehen korrigiert werde. Neun Monate war Ruhe, dann kam im Januar 2015 das nächste Schreiben, diesmal vom Jobcenter in Itzehoe. Es ging um ein Beratungsgespräch für eine Klientin. „Man versprach mir, dass meine Adresse aus dem System gelöscht wird“, sagt die Angestellte des Textilhauses Behrendt. Doch vier Wochen später kam vom Jobcenter in Glückstadt eine Auflistung von „Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes“ für eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern. Miete, Nebenkosten, Kindesunterhalt und schließlich Kontodaten mit IBAN-Nummern – alles wird aufgeführt.

„Ihr Name steht hier so“, bekam die Eckernförderin vom Jobcenter zu hören, doch schließlich kümmerte sich doch jemand um die Panne. Über eineinhalb Jahre war es ruhig, bis Astrid Schulz vor wenigen Wochen wieder ein Schreiben ins Haus flatterte: Der Inkasso-Service der Arbeitsagentur Recklinghausen teilt der angeblichen Betreuerin mit, dass ihr Klient Ratenzahlung für eine Forderung zu leisten habe. Astrid Schulz rief dort an und bekam von einer resoluten Dame zu hören, dass sie selbstverständlich die Betreuerin des Klienten sei: „Das steht hier doch so.“ Mittlerweile ist die Eckernförderin nicht nur erstaunt, sondern auch besorgt: „Die Leute können richtig Ärger bekommen. Wenn der Mann seine Raten jetzt nicht zahlt, steht vielleicht bald der Gerichtsvollzieher vor der Tür.“

Auf Anfrage der Eckernförder Zeitung kann sich Horst Schmitt, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nord, nicht erklären, wie es zu der Verwechslung kommen konnte: „Ich möchte mich in aller Form bei Frau Schulz für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen. Ich habe den Vorgang an die vier genannten Arbeitsagenturen und Jobcenter weitergeleitet und darum gebeten, Frau Schulz nicht weiterhin irrtümlich anzuschreiben.“

Wie die Recherchen der Eckernförder Zeitung ergeben haben, kommt die richtige Betreuerin Astrid Schulz aus dem Kreis Steinburg. „Das ist eine Frechheit“, kommentiert sie die versehentliche Weitergabe sensibler Daten. „Das sind genau die Unterlagen, die mir fehlen und die ich mehrfach angemahnt habe“, sagt sie. Auch sie will sich bei Jobcenter und Arbeitsagentur beschweren, damit solche Fehler nicht mehr passieren.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 06:16 Uhr

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