zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 08:49 Uhr

Flucht über das Mittelmeer : Owschlag: Syrische Familie nach neun Monaten wieder vereint

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Endlich wieder zusammen: Der Vater flüchtete mit zwei Söhnen, Mutter und drei Kinder folgten jetzt nach.

Owschlag | Tränen des Glücks weinte die siebenköpfige Familie aus Syrien auf dem Flughafen in Hamburg, als sie sich endlich nach neun Monaten der Trennung wieder in die Arme schließen durfte. Samir Sheikh Saeed verließ im Oktober vergangenen Jahres gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Ahmed (13) und Assad (9) seine Heimat, nachdem die Schule der Kinder bereits zum dritten Mal bombardiert worden war. „Von der Türkei aus sind wir im Schlauchboot nach Griechenland gefahren”, schildert der 13-jährige Ahmed die Flucht. „Über Serbien und Österreich haben wir Deutschland erreicht, waren erst in Kiel und kamen im November nach Owschlag ins Försterhaus. Das Rote Kreuz hat uns unterwegs mit Kleidung und Essen geholfen.”

Bereits Mitte Januar wurde dem Syrer Asyl gewährt, doch es wurde ein langer und steiniger Weg, bis die Familie wieder zusammen sein durfte. Als die Zustände im Heimatort Idlib zu schlimm wurden, hatte sich auch Ehefrau Samar Barhum mit der kleinen Tochter Talya (1), der 15 Jahre alten Tabarak sowie Sohn Abdualziz (17) Anfang Januar auf den Weg in die Türkei gemacht, wo sie bei einem Bruder vorerst Unterschlupf finden konnte. Eine richtige Entscheidung wie sich bald herausstellte, denn drei Wochen später wurde das Haus, in dem die Familie in Syrien gelebt hatte, von einer Bombe zerstört.

Im Februar versuchte die Mutter gemeinsam mit ihren Kindern ebenfalls die Passage im Schlauchboot über das stürmische Mittelmeer. Viel Geld musste sie an Schlepper zahlen. Doch die Vier hatten Pech, sie wurden unterwegs von der türkischen Polizei aufgegriffen und mussten mit dem Boot wieder umkehren. Derweil durchlebte Samir in Deutschland die furchtbarste Nacht seines Lebens. Er wusste, dass Frau und Kinder mit dem Schlauchboot unterwegs waren und konnte sie viele Stunden telefonisch nicht erreichen, er befürchtete das Schlimmste. Am nächsten Tag kam der erlösende Anruf von seiner Frau, die ihm sagte: „Wir sind bei der Polizei in der Türkei”. Es dauerte viele Monate, bis Ehefrau Samar und ihren Kindern Pässe ausgehändigt wurden und sie ein Visum für Deutschland bekamen. Als es endlich soweit war, buchten Helfer den Flug für die vier und eine private Sponsorin übernahm die Kosten.

Der Flug sollte von Izmir mit Zwischenlandung in Athen nach Hamburg gehen. Doch da es sich nicht um ein Schengen-Visum handelte, sondern nur um eins für Deutschland, durfte die Familie wegen der geplanten Zwischenlandung in Griechenland nicht in den Flieger steigen. Einen Tag später folgte ein erneuter Versuch, dieses Mal mit Direktflug, und nun klappte es endlich.

Mit zwei Autos begleiteten ehrenamtliche Betreuer Samir Sheikh Saeed und seine Söhne zum Flughafen, wo sie den Rest der Familie nach der langen Trennung endlich wiedersehen und in die Arme schließen durften. „Als ich meine kleine Schwester das letzte Mal gesehen habe, war sie noch ein Baby und jetzt läuft sie schon”, berichtet der neunjährige Assad staunend. Mutter Samar erklärt unter Tränen: „Ich bin so froh und so unendlich glücklich, wieder mit meinem Mann und meinen Söhnen zusammen zu sein. Ich bin davon ausgegangen, dass sie in Deutschland Probleme hätten und habe viel Angst gehabt, dass ich sie nie wiedersehe. Und als ich sah, wie gut es ihnen geht, war ich so dankbar.”

Gemeinsam konnte die Familie das Zuckerfest am Ende des Fastenmonats Ramadan in ihrer neuen Heimat feiern. Helfer haben für die siebenköpfige Familie ein Haus in Owschlag angemietet und mit gespendeten Möbeln eingerichtet. „Wir sind so glücklich hier und so dankbar für die viele Hilfe und Freundschaft, die wir hier erfahren haben”, berichtet Samir. Er habe schon immer gerne in Deutschland leben wollen und sobald sein Deutsch gut genug sei, würde er gerne wieder als Elektriker arbeiten. Seine beiden jüngeren Söhne haben in den vergangenen Monaten schon sehr gut Deutsch gelernt. Ahmed, der zur Zeit die Altstadtschule besucht, hofft, nach den Ferien auf das Gymnasium wechseln zu können. Der Schüler hat hier bereits viele Freunde gefunden und spielt in seiner Freizeit begeistert Fußball beim Brekendorfer TSV. „Ich möchte Kinderarzt in Deutschland werden”, berichtet der Jugendliche von seinen Träumen. Sehr genau kann er sich an den Krieg in seiner Heimat erinnern: „Ich habe die Flugzeuge gesehen, die Bomben und die Toten”, schildert Ahmed die Schrecknisse, um schnell hinzuzufügen, wie froh und glücklich er sei, jetzt in Deutschland zu leben. Seine beiden älteren Geschwister wollen nun ebenfalls möglichst schnell deutsch lernen. Tabarak möchte später gerne Lehrerin in Deutschland werden, so wie es ihre Mutter in Syrien war und Abdualziz träumt von einer Basketballkarriere oder würde gerne sein Hobby, das Fotografieren, zum Beruf machen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 21.Jul.2016 | 17:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen