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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Hygiene : Ostseeklinik mit Top-Hygienewerten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kaum Ansteckungen durch multiresistente Keime in Ostseeklinik Dank Aufklärung und akribischen Regeln / Helios macht Daten öffentlich

Damp | Chefarzt Dr. Otto Kloppenburg gibt zur Begrüßung nicht die Hand. Genauso wenig wie die anderen Ärzte an der Helios Ostseeklinik Damp. Das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun, sondern mit den strengen Hygiene-Vorschriften der Einrichtung, die sich überwiegend mit Hüft- und Kniegelenk-Operationen beschäftigt. Der verweigerte Handschlag ist nur eine von vielen Vorkehrungen, welche zum Ergebnis haben, dass die Klinik bemerkenswert niedrige Infektionsraten mit resistenten Erregern aufweist. Nach den aktuellen Hygienedaten liegt die Quote bei nahe null Prozent. Wundinfektionen kämen bei 0,2 bis 0,3 Prozent aller Patienten vor, so Kloppenburg. Bei 4700 Operationen im Jahr wären dies weniger als zehn Fälle.

Seit 2012 sind sämtliche Kliniken in Deutschland zur Erhebung von Hygienedaten verpflichtet – nicht jedoch zur Veröffentlichung. „Die Helios-Kliniken sind die einzigen Krankenhaus-Unternehmen in Deutschland, welche dies tun“, so Maike Marckwordt, Pressesprecherin der Ostseeklinik. „Die veröffentlichen Daten sind eine wichtige Entscheidungshilfe für Patienten“, so Marckwordt, und Kloppenburg ergänzt: „Jeden Tag haben wir Diskussionen mit den Patienten über Krankenhauskeime.“ Das Krankenhaus als Infektionsquelle – das sei in den Köpfen der Menschen drin und schwer herauszubekommen. Ein Mittel ist Aufklärung.

„Infektionen kommen bei uns meistens von außen“, erklärt Kloppenburg. Seit etwa einem Jahr bekommt jeder Patient ein Set mit Waschlösung und Nasensalbe sowie eine Einweisung zur korrekten Anwendung bis zur Operation. Auf den Fluren und in jedem Raum sind Desinfektionsspender angebracht. Jeder Arzt hat in seiner Kitteltasche eine Flasche mit Desinfektionsflüssigkeit. Jedes Mal, wenn er einen Raum betritt oder verlässt, desinfiziert er sich die Hände. Damit dies korrekt geschieht, wird das Klinikpersonal vom Arzt bis zur Reinigungskraft regelmäßig im Umgang mit Desinfektionsmitteln geschult. „Der Desinfektionsmittelverbrauch in der Klinik wird gemessen“, sagt Dr. Marckwordt. „Das ist ein guter Indikator für die Hygiene im Haus.“

Ein großer Faktor bei der Entstehung multiresistenter Keime ist der inflationäre Einsatz von Antibiotika – nicht nur bei Nutztieren, sondern auch beim Menschen. „Wir versuchen deshalb, so wenig Antibiotika einzusetzen wie möglich“, so Kloppenburg. Dafür haben wir einen beratenden Mikrobiologen, Dr. Lars Frommelt.“ Dieser gebe zu jedem betroffenen Patienten eine individuelle Behandlungsempfehlung ab.

„Die Hygienedaten sind auch wichtig für uns selbst, damit wir sehen: Wo gibt es ein Problem, wo müssen wir etwas besser machen“, erklärt Kloppenburg. Sichtbar werde dies auch durch absolut durchstrukturierte Arbeitsabläufe. „Bei einer Operation etwa weiß jeder ganz genau, was er zu tun hat. So wird man sehr gut und auch schnell.“ Schnelligkeit ist deshalb relevant, weil mit zunehmender Operationsdauer das Infektionsrisiko steigt.

„Nach der OP mobilisieren wir die Patienten so bald wie möglich, damit sie schnell wieder ihren Rhythmus finden und weniger Zeit im Bett verbringen“, so Kloppenburg. Denn auch wenn die Klinik noch so sauber ist: Je kürzer der Aufenthalt hier, desto kleiner die Ansteckungsgefahr. >Aktuelle Hygienedaten der Ostseeklinik: www.helios-kliniken.de/hygiene

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erstellt am 02.Dez.2016 | 06:00 Uhr

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