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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 17:39 Uhr

Einwohnerversammlung : Osdorf kämpft mit aller Kraft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 150 Gäste bei Einwohnerversammlung zur geplanten Schließung der Sparkassen-Filiale. Sammlung von 1080 Protestunterschriften.

Osdorf | „Ich lehne Internet-Banking ab! Warum soll ich denn jetzt noch bei Ihnen bleiben?“ – „Wenn Sie jetzt 60 Prozent Ihrer Kunden hier verlieren, was haben Sie dann eigentlich gewonnen?“ „Wie viel Geld sparen Sie durch die Schließung der Filiale in Osdorf ein? Steht das im Verhältnis zu den Millionengewinnen, die Sie in den letzten Jahren eingefahren haben?“ – Viele Fragen, auf die es am Donnerstagabend in Dibberns Gasthof keine Antworten gab. Die Gemeinde hatte zur Einwohnerversammlung geladen. Thema: Die geplante Schließung der Förde Sparkassen-Filiale. Der Saal war voll, rund 150 Bürger aus Osdorf und umliegenden Gemeinden waren gekommen und wollten die Erklärungen hören, die Götz Bormann, Vorstandsvorsitzender der Förde Sparkasse, und sein Stellvertreter Ulrich Boike mitgebracht hatten.

Eine falsche Entscheidung habe der Verwaltungsrat getroffen, das sei seine persönliche Meinung, erklärte Bürgermeister Joachim Iwers. Osdorf und die Nachbargemeinden wachsen und entwickeln sich weiter. Eine Sparkasse im Ort sei ein wesentlicher Baustein in der Daseinsvorsorge und das strahle auf die angrenzenden Gemeinden aus. Die Bürgermeister aus Noer, Felm und Brodersby gaben ihm recht. Iwers verwies auf die Aufgabe, die die Sparkasse als Anstalt öffentlichen Rechts für die Gesellschaft habe – gerade auch für die Versorgung in der Fläche.

Niemand schließe gern eine Filiale, aber als Vorstand müsse man den Zeithorizont im Auge haben und die mittelfristige Entwicklung beurteilen. Noch seien die Zahlen gut – der Jahresbericht 2015 weist einen Gewinn von rund 6,5 Millionen aus – aber die Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass die Sparkasse auch langfristig ihre Aufgabe erfüllen könne, so Bormann. Die Niedrigzinsphase und die Digitalisierung spielen eine große Rolle. „Die Kundenfrequenz hat deutlich abgenommen. Das Tagesgeschäft wird nicht mehr in der Filiale abgewickelt“, so der Vorstandsvorsitzende. Ein großes Filialnetz bedeute einen großen Kostenfaktor, aber man nehme die Nachteile in Kauf, weil man ja Nähe wolle. „Wir haben es uns nicht einfach gemacht. Es geht nicht darum, dass wir eine Filiale schließen oder nicht, sondern darum, dass Sie hier in der Region ein starkes und handlungsfähiges Kreditinstitut haben – auch in Zukunft“, so Bormann.

Seit dem ersten Halbjahr 2015 sei die Frequenz am Standort in Osdorf permanent untersucht worden, erklärte Boike und führte aus, dass der Geldautomat in der Filiale weit von einer Vollauslastung entfernt sei. Und das sei nur ein Indikator, auch die Kaufkraft, die Ortsentwicklung und die Nähe zum Standort Gettorf gehören zu den zahlreichen Entscheidungskriterien, so Boike weiter. Der vierköpfige Vorstand habe die Veränderungen dem 21-köpfigen Verwaltungsrat vorgestellt und gemeinsam „mit großer Mehrheit“ beschlossen. Anschließend wurden die Pläne dem Zweckverband, dem Träger der Sparkasse, vorgestellt, der am Donnerstag durch Jörg Hollmann, Vorsitzender des Hauptausschusses des Kreises, vertreten wurde. Es sei deutlich geworden, wie wenig Einfluss zu dem Zeitpunkt der Vorstellung noch genommen werden könne. „Wir haben ganz klar gesagt, dass das Verfahren für uns nicht nachvollziehbar und nicht transparent ist“, erklärte Hollmann. Ebenfalls unverständlich sei, dass nur eine Filiale in Kiel, aber sieben im ländlichen Raum betroffen seien. „Wir werden Ihren Widerstand unterstützen“, sagte er in Richtung des Osdorfer Bürgermeisters. „Wir müssen gemeinsam darauf achten, uns in der Fläche nicht abhängen zu lassen“, stimmte dieser zu. Um die rechtlichen Zusammenhänge zu verdeutlichen, hatte er den auf Verwaltungsrecht spezialisierten Anwalt Prof. Dr. Wolfgang Ewer eingeladen. Ewer kritisierte die Reihenfolge der Bewertungskriterien – Gewinne zu generieren, sollte nicht das primäre Ziel einer Anstalt öffentlichen Rechts sein, sondern die Aufgabe der Daseinsvorsorge zu übernehmen. So sollte nicht nur danach geguckt werden, welcher Standort eventuell unwirtschaftlicher ist als der andere, sondern welcher notwendig ist, für die Erfüllung des Auftrags in der Fläche. „So eine Matrix habe ich vermisst“, so Ewer. Er schlug vor, der Sparkassenvorstand solle sich mit einem Gremium wie dem Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag zusammen setzen und die Gewichtung der Beurteilungskriterien überdenken. Wenn so ein Raster gemeinsam mit den Kommunen erarbeitet werden könnte, führe das eventuell zu einer anderen Auswahl an Filialen und erhöhe am Ende vielleicht sogar die Akzeptanz der Entscheidungen.

Denn vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein – das stört nicht nur die Gemeindevertreter, sondern auch die Bürger, die auch noch zu Wort kamen. Marieanne Kolls, zum Beispiel, lobte die Kompetenz der Osdorfer Mitarbeiterinnen, schimpfte über die „kriminelle“ Parkplatzsituation in Gettorf und lieferte ein Plädoyer für den Erhalt des Standortes. „Ich hab die Geschäftsstelle hier 35 Jahre geführt und von Null mit aufgebaut. Im vergangenen Jahr konnten wir das 50-jährige Bestehen feiern. Damals hab ich nicht geahnt, dass wir heute hier stehen würden. Das ist sehr traurig. 51 Jahre Osdorf - bitte kommen Sie uns ein kleines bisschen entgegen“, sagte sie. Katrin Albrecht erklärte: „Ich glaube, Sie verlieren hier eine Kundengruppe gänzlich aus den Augen. Nämlich die, die nur einmal eine Überweisung machen, einen Kontoauszug holen oder Geld abheben, um ihrem normalen Leben nachzugehen. Das ist doch ein ganz großer Teil Ihrer Kundschaft!“ Ein gutes Schlusswort für den Abend, befand der Bürgermeister. Er überreichte Bormann eine Protestunterschriftensammlung: 1080 Bürger hatten in der Kürze der Zeit unterschrieben. Ein Entgegenkommen von Seiten des Sparkassenvorstands konnte er an diesem Abend nicht feststellen und fragte den Experten Ewer nach rechtlichen Handlungsmöglichkeiten. Der schloss ein mögliches Klagerecht nicht gänzlich aus. „Wir müssen überlegen, wie wir damit umgehen. Ich möchte eine Sparkasse, auch in kleinerem Rahmen, mit aller Kraft erhalten. Die Ausführungen des Vorstands hier sind mir ganz klar zu betriebswirtschaftlich“, so der Bürgermeister.

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erstellt am 15.Okt.2016 | 05:43 Uhr

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