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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 16:41 Uhr

ZUKUNFT ODER WUNSCHDENKEN? : Ortsumgehung statt Blechlawinen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf der Veranstaltung „CDU im Dialog“ am Montag wurde die Erreichbarkeit Eckernfördes als Standortfaktor diskutiert. Ist eine Umgehung gewünscht, ist die Politik ist massiv gefordert.

Baustellen und Tempo 50 auf der B  76 von Gettorf nach Eckernförde, Blechlawinen auf der Rendsburger Straße, wenn dann noch die Bahnschranken am Domstag und auf der Reeperbahn geschlossen sind, tritt der Verkehrskollaps ein. Wer in Eckernförde mit dem Auto unterwegs ist, braucht Nerven und Geduld. Ratsmitglied Jörg Hollmann (CDU) lebt in Eckernförde und arbeitet in Kiel. Seit 21 Jahren führt der Vorsitzende des Kreishauptausschusses das Leben „eines leidgeplagten Pendlers“. Er bezeichnet die Verkehrssituation in und um Eckernförde als „katastrophal“. „Wenn ich länger als 60 Minuten von Kiel nach Eckernförde brauche, bezeichne ich das als Freiheitsberaubung.“ Hollmann war einer der Wortführer der Veranstaltung „CDU im Dialog“, zu der der Ortsverband am Montagabend ins Mangos eingeladen hatte. Das Thema des Abends, der von Bürgervorsteherin Karin Himstedt moderiert wurde, lautete „Erreichbarkeit Eckernfördes als Standortfaktor“.

Eine Ortsumgehung, Verlagerung der Bahntrasse oder Fahrbahn in die Höhe oder unter die Erde, um den geschlossenen Schranken zu entgehen – Hollmann forderte die Politik und den Landesbetrieb für Straßenbau zu neuen Gedankenspielen auf. Tatsächlich existieren in Eckernförde bereits seit vielen Jahren Entwürfe für mögliche Ortsumgehungen. Befürworter einer Umgehung sind seit über 40 Jahren Günter Haß und Uwe Burscheid, die als private Initiative vor über zehn Jahren gemeinsam mit einem Straßenbauer einen Plan für eine großzügige Umgehung entworfen haben. Diese sieht folgendes vor: Um die Innenstadt zu entlasten, wird der Verkehr auf der B  203 aus Richtung Rendsburg, der ins nördliche Eckernförde oder nach Schwansen möchte, vor Goosefeld auf einer Trasse zwischen Friedenstal und Ravenshorst in Richtung Westerthal und weiter über die bereits bestehende Umgehung Kochdorf geführt.

Um die B  76 vor Eckernförde aus Richtung Kiel kommend zu entlasten, sieht der Entwurf für Verkehrsteilnehmer, die nach Schwansen oder ins nördliche Eckernförde wollen, ab dem Knotenpunkt Schnellmark (Brücke Auffahrt Bäderstraße) ebenfalls eine neue Trassenführung vor. Auf dem Gebiet der Gemeinde Neudorf-Bornstein geht es an Altenhof vorbei Richtung Goosefeld. „Von Schnellmark beispielsweise zur Firma Behn wären Sie dann in wenigen Minuten“, so Haß, der mit dieser Ringstraße um Eckernförde herum für eine Entlastung der Innenstadt sorgen möchte.

Belastbare Verkehrszahlen, Kostenermittlung und die Klärung der ökologischen Bedingungen seien zwingend nötig, um das Interesse des Bundes als Baulastträger für eine Umgehung zu wecken, betonte der Leiter der Niederlassung Rendsburg des Landesbetriebs für Straßenbau, Matthias Paraknewitz. Eine Zählung an der Schnittstelle Hagebaumarkt / B 76 vor eineinhalb Jahren habe ergeben, dass 19  000 Fahrzeuge täglich unterwegs sind. „Rund ein Drittel dieses Verkehrs, das sind rund 6000 bis 8000 Fahrzeuge, ist verlagerungsfähig“, erklärte der Fachmann. Zu wenig, um für den Bund relevant zu sein, dämpfte Paraknewitz eine womöglich aufkommende Umleitungseuphorie. Angesprochen auf die Ortsumgehungen in Gettorf und Groß Wittensee wies er darauf hin, dass in diesen Gemeinde der verlagerungsfähige Verkehr (in Gettorf 20  000 Fahrzeuge pro Tag) weitaus größer sei. Um den Gedanken einer Ortsumgehung weiter zu verfolgen, sei vorab der politische Dialog wichtig, „denn die potenzielle Umgehungsstraße liegt auf Nachbars Grundstück“, so Paraknewitz.

Der Handel dürfe auf keinen Fall unter einer Umgehung leiden, sagte Wilfried Wagner, Vorsitzender des Wirtschaftskreises Eckernförde, wie es in Gettorf der Fall sei. „Die Innenstadt muss gut erreichbar bleiben“, forderte er.

„Wenn Sie von Freiheitsberaubung sprechen, dann muss ich von Körperverletzung sprechen“, sagte Bärbel Dreyer an die Adresse Hollmanns gerichtet. Die 54-Jährige wohnt in der Berliner Straße (B  76) und sieht ihre Gesundheit durch den Verkehrslärm, vor allem der Schwerlasttransporte in der Nacht, gefährdet. Ein Zuhörer forderte die Politik auf, über ein Nachtfahrverbot für Schwerlastverkehr auf der Strecke oder über ein gewichtsbeschränktes Fahrverbot nachzudenken.

Um in Sachen Umgehung überhaupt etwas zu erreichen und um in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen zu werden, müsse die Stadt verstärkt „politische Willensbildung“ betreiben, sagte Paraknewitz. Eine gute Nachricht hatte der Straßenbauer dann doch noch im Gepäck. Um den Brennpunkt auf der vierspurigen B  76/ Schulweg zu entschärfen, wird in Kürze eine Linksabbiegerampel installiert, um die hohe Zahl der Unfälle zu reduzieren.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 05:43 Uhr

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