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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 15:46 Uhr

Opa Hans radelt gegen den Krebs

vom

Krebspatient Hans Böge fährt mit dem Rad quer durchs Land, um Spenden für andere Betroffene zu sammeln und ihnen Mut zu machen

Schönhagen/Reher | Opa Hans, 71 Jahre alt, fährt gern Fahrrad. Schon immer. Ungefähr genauso lange stand auf seiner Vorsatzliste eine Radtour quer durchs Bundesland. Doch wie es das Schicksal vieler Vorsätze ist, wurde nie etwas daraus. 2010 wird bei Hans Böge Mundkrebs diagnostiziert. Das war’s dann wohl, hätte mancher in seiner Lage gesagt. Aber Böge kämpfte sich durch die Therapie, jahrelang. Stark geschwächt, musste er das Sprechen wieder neu lernen. Langsam ging es ihm besser. Und als er vor zwei Jahren einmal wieder zur Kontrolle im Wartezimmer des Arztes saß, sagte er sich: „Ich werde mir meinen Traum erfüllen.“

Zwei Jahre später. Es ist Freitagnachmittag vergangener Woche. Hans Böge steht bei sonnigem Wetter im Park der Helios-Klinik in Schönhagen, vor ihm bei Kaffee und Kuchen andere Krebspatienten, an seiner Seite sein Rad. Böge ist hier zum kurzen Stopp auf seiner mittlerweile dritten Benefiz-Radtour zugunsten der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, um Spenden zu sammeln und seine Erfahrungen zu teilen. „Ich kann niemanden heilen“, sagt Böge. „Aber ich kann den Menschen Mut machen.“

Die erste Benefiz-Fahrt 2014 führte den ehemaligen technischen Angestellten am Flughafen in Berlin durch ganz Deutschland: über 2000 Kilometer, von seinem Heimatort Reher über Berlin, Nürnberg, Konstanz, entlang am Bodensee, durchs Rheinland, Köln und wieder zurück. „Danach haben mich die Leute angesprochen: „Opa Hans, warum machst du das nicht hier in Schleswig-Holstein?“ Gut, sagte er sich und startete im Jahr darauf eine weitere Tour, dieses Mal 800 Kilometer durch die Städte des Kreises: Itzehoe, Heide, Schleswig, Ratzeburg, Bad Segeberg, Kiel. Seit Montag vergangener Woche ist er erneut unterwegs. Mehr als zwei Wochen lang fährt Böge durchs Land: Heide, Flensburg, Schleswig, Schönhagen, Eutin, Ratzeburg, Lübeck, Hamburg sind nur einige seiner Stationen.

„Es ist ein großes Schweigen unter den Krebskranken“, sagt Böge. Deshalb redet er. „Man muss leben mit dieser bösen Krankheit, zwischen Hoffnung, Zweifel und Sieg“, erzählt er seinen Zuhörern in Schönhagen. „Allein der Schock bei der Diagnose: Man hat Krebs. Das erzeugt große Angst. Wut, Zweifel, Selbstmitleid, Resignation. Etwas Unheimliches, Böses schwingt da mit. Wie geht es weiter? Schaffe ich das? Dann gibt es aber auch wieder Hoffnung und Mut. Die Gefühle werden zu Wechselbädern.“ Dennoch sei es wichtig, den Lebensmut nicht zu verlieren.

Ende 2015 war der Krebs bei Böge unter Kontrolle. Es geht ihm seitdem, Dank dem Beistand seiner Frau und zahlreicher Unterstützer, besser. Doch das Leben hat sich verändert, sagt Böge. Nicht nur wegen der Medikamente. „Räume mit Klimaanlagen gehen gar nicht, Flugzeug fliegen auch nicht“, so Böge. Die Luft enthält in klimatisierten Räumen zu wenig Feuchtigkeit – nicht auszuhalten mit einem Mund, der durch die Krankheit ständig trocken ist. Nachts ist es am schlimmsten. Böge wird alle zwei Stunden wach, muss Gaumen, Zunge, Zahnfleisch befeuchten. Geheilt ist ein Krebspatient nie wirklich. Die Krankheit kann jederzeit zurückkehren. Böge: „Seit sechs Jahren fährt mein Leben Krebsachterbahn rauf und runter.“

Das Radfahren hilft ihm. Die frische Luft tut Mund und Lungen gut. Deshalb hat er jetzt auch keine Zeit mehr zum Reden. Er muss weiter auf seinem Rad: für die Spenden und gegen das Schweigen.

Schirmherren der Benefiz-Fahrradtour sind Dr. Heiner Garg, Landesgesundheitsminister a. D., und Hans-Jörn Arp, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion. Weitere Infos zur Tour sowie zu allen Stationen von Hans Böge finden Interessierte auf: www.krebsgesellschaft-sh.de/de/radtourquerdurchdeutschland.htm.

 Das Spendenkonto der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft:

IBAN: DE 19210700200035330000

BIC: DEUTDEHH210

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erstellt am 26.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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