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Eckernförder Zeitung

30. Juni 2016 | 16:08 Uhr

Ohne Taktstock durch die Welt der baltischen Musik

vom

Altenhof |

Transparent im Klang, brillant inszeniert, eindringlich und frisch: Erstmals gastierte am Freitag das estnische Tallinn Chamber Orchestra unter der Leitung des herausragenden Dirigenten Risto Joost das Publikum anlässlich des Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) auf dem Gut Altenhof. Mit ihrem Konzert "Nordlichter" zum diesjährigen Länderschwerpunkt "bewegend baltisch" gelang es dem Ensemble auf faszinierende Weise, romantische und zeitgenössische Musik russischer, lettischer und estnischer Komponisten, wie Heino Eller, Peter Tschaikowski, Erkki-Sven Tüür, Peteris Vasks und Tonu Korvits miteinander zu verknüpfen. Wo nicht alle Komponisten bekannt waren, da half die Musikwissenschaftlerin Selke Harten-Strehk aus Kiel mit einer kleinen, kundigen Einführung. "Interessant, wie unterschiedlich sich die nordische Herkunft der Komponisten auf ihre Werke ausgewirkt hat", sagte sie. "Von sehr stark bis gar nicht." Das 1993 von Tonu Kaljuste gegründete Tallinn Chamber Orchestra begeisterte von der ersten Minute an.

Der 33-jährige gebürtige Este Risto Joost dirigierte obgleich ohne Taktstock mit unglaublicher Präzision. Den Körper von Kopf bis Fuß gespannt, mit atmenden Bewegungen und Magie stiftete er das Orchester zu schönen weichen, ausgesprochen präzisen Einsätzen und aufblühender Klangentwicklung an. Sein positiver Ausdruck übertrug sich auf die Musiker. Die fünf Stücke für Streichorchester des estnischen Komponisten Heino Eller, einer der Gründer der estnischen Sinfonie und Kammermusik, dominierten noch die hohen Streicher.

Bei Tschaikowskis Serenade für Streichorchester in C-Dur blühten dagegen die Celli auf. Das Dramatische, die kleinen transparenten Figuren und das Tänzerische aus dem Walzer waren gut zu hören. Die Übergänge zwischen den Fragmenten gelangen ausgezeichnet.

Nach der Pause kamen die zeitgenössischen Komponisten zum Zug. Hier beeindruckte das Ensemble mit Glissandi, bezaubernden Flageoletts, raffiniert eingesetztem Triangel im elegischen Melodiestrom und witzigem Solistenwettstreit. Gleich einer Versöhnung zwischen den musikalischen Welten gelang es in Action - Passion - Illusion des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür moderne mit traditionellen Elementen zu mischen. Die Komposition Epifania für Streichorchester des lettischen Komponisten Peteris Vasks kam klein und still daher, mystisch dagegen die "The Elegies of Thule", Dunkles aus der estnischen Sagenwelt von Tonu Korvits. Die Musik entwickelte Dramatik, Lebendigkeit und Leidenschaft. "Danke für diesen warmherzigen Empfang", bedankte sich Risto Joost für den nicht enden wollenden Applaus. Durchgeschwitzt und glücklich.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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