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Eckernförder Zeitung

25. Oktober 2014 | 09:01 Uhr

Eckernförde : Ohne Geburtshilfe bleiben die jungen Familien weg

vom

Eckernförde sorgt sich um seinen Nachwuchs: Wegen der drohenden Schließung der Geburtshilfe hat der Hauptausschuss die Verantwortlichen der imland-Klinik auf den "heißen Stuhl" gesetzt.

Eckernförde | Eckernförde hat die Klinik-Verantwortlichen, die die Geburtshilfe auf den "Heißen Stuhl" gesetzt. Der Grund: Die Geburtshilfe in der Stadt soll geschlossen werden. Jetzt befürchten viele, dass Eckernförde für junge Paare immer unattraktiver wird. In einer Diskussionsrunde im Hauptausschuss entwickelten sich offene und konstruktive Dialoge zwischen den geladenen Klinikverantwortlichen, den Kommunalpolitikern und den betroffenen Eltern, Hebammen, Frauenärzten und Bürgern.
Imland-Geschäftsführer Martin Wilde und Aufsichtsratsvorsitzender Lutz Clefsen erläuterten hatten, warum die Klinikleitung in der derzeit angespannten finanziellen Situation ist: Das Haus schreibt wegen der Tarifsteigerungen und reduzierter Erträge erstmals rote Zahlen - daher die Entscheidung, die Geburtshilfe wegen des Belegärztemangels und nicht gesicherter Dienstpläne zum 1. Oktober zu schließen. Die Verantwortlichen wurden smit kritischen Fragen und Vorwürfen geradezu bombardiert.
"Die Geburtshilfe wird fürchterlich schlecht bezahlt"
Wilde verteidigte die Entscheidung auch damit, dass die Klinik eine Verantwortung gegenüber ihren 2000 Mitarbeitern habe. "Heute sprechen wir über die Geburtshilfe, und im nächsten Jahr über die ganze Klinik?", hielt er all jenen vor, die die wirtschaftlichen Aspekte gänzlich ausblendeten. "Läge unsere Klinik in Rheinland-Pfalz, hätten wir 7 bis 8 Millionen Euro mehr, die Preise in Schleswig-Holstein sind die niedrigsten in Deutschland, die Kosten aber die gleichen." Wildes Fazit: "Die Geburtshilfe wird fürchterlich schlecht bezahlt (250 Euro pro Geburt, plus 80 Euro für einen Kaiserschnitt), das Belegarztsystem funktioniert nicht mehr."
Gleichwohl werden in Eckernförde alle Hebel in Bewegung gesetzt, dieses System zu erhalten und die Geburtshilfe zu retten. Nach aktuellem Stand haben zwei Gynäkologen Anträge auf Zulassung gestellt, ein angehender junger Facharzt würde sich Ende des Jahres ebenfalls bewerben und Frauenärztin Inga Naeve stünde ggf. nach ihrer Elternzeit auch wieder zur Verfügung. Die personellen Voraussetzungen haben sich somit entschieden verbessert, entscheiden müssen jetzt die Kassen und die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die an deren Votum gebunden ist. Die KV hat die Kassen gebeten, ihre Entscheidung im Falle Dr. Schlüters bis kommenden Donnerstag zu treffen, sagte Sprecher Marco Dethlefsen. Dann werde das Votum "zeitnah" dem KV-Vorstand zur Beschlussfassung vorgelegt.
"Klares Bekenntnis zum Standort Eckernförde sieht anders aus"
Mehrere Politiker forderten Wilde auf, das kurzfristige Schließungsdatum "vom Tisch zu nehmen", und gemeinsam mit den politischen Gremien nach Wegen aus der Krise zu suchen. "Wenn niemand mit uns redet und uns informiert, können wir auch keine Vorschläge machen", sagte Oliver Fink (FDP). Es sei ein "starkes Stück", dass der Kreistag von Wilde und Clefsen komplett ausgeblendet worden sei. Schließlich handele es sich auch um eine einschneidende Strukturentscheidung. Sollte die Geburtshilfe in Eckernförde geschlossen werden, würde "die gesamte Region für junge Familien unattraktiv, sie wäre der Überalterung preisgegeben", sagte Fink.
Ratsmitglied Micha Bund forderte die Einschaltung des Kreistages als Gesellschafterversammlung der imland-Klinik und forderte Geschäftsführer Wilde auf, die Rahmenbedingungen zur Weiterführung der Geburtshilfe zu schaffen und den Dialog mit den niedergelassenen Frauenärzten zu suche bzw. zu intensivieren. Bislang habe er den Eindruck, dass der dies nicht mit der nötigen Entschlusskraft getan hätte. Ein klares Bekenntnis zum Standort Eckernförde sehe anders aus.
Langer Weg zur Klinik "unzumutbar"
"Damit geb’ ich mich nicht zufrieden", kommentierte Jette Waldinger-Thiering (SSW) die Schließungsentscheidung. "Schleswig-Holstein ist Zuzugsland, und da machen wir die Geburtshilfe zu - ich krieg einen Knall!" Den bekam auch Reiner Bunte (SPD), der sich empörte, als Kreistagsabgeordneter aus der Zeitung erfahren zu müssen, dass die Eckernförder Geburtshilfe der kreiseigenen imland-Klinik geschlossen werden soll. Bunte warf Wilde vor, nicht rechtzeitig reagiert zu haben: "Sie hätten wesentlich früher aktiv werden müssen."
Lutz Clefsen räumte sein Versäumnis bei der Information der Politik ein. Er wies aber darauf hin, dass er als Aufsichtsrat von der Klinikleitung die Informationen bekommen habe, dass keine Belegärzte zu finden wären. "Kein Aufsichtsrat kann dann sagen: Nehmen Sie die Entscheidung zurück." Katharina Heldt (CDU) meinte, dass es in jedem Wirtschaftsbetrieb Dinge gebe, die weniger lukrativ seien als andere, "nur das Gesamtpaket muss stimmen". Es wäre "unzumutbar", mit Wehen ins Auto zu steigen und 30 Kilometer zur nächsten Klinik zu fahren. Perdita Schaarschmidt (CDU), die auch an die Gefährdung der Kinderstation erinnerte, hegt den "Verdacht, dass in kürzester Zeit Nägel mit Köpfen gemacht werden sollten", um die Geburtshilfe in einem kurzen Prozess schließen zu können.

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erstellt am 20.Aug.2012 | 12:04 Uhr

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