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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 23:09 Uhr

Kleiderspenden : Ohne Engelsgeduld geht nichts in der Kleiderkammer

vom

Ehrenamtliche Arbeit in der DRK-Kleiderkammer teilweise große Herausforderung für das Team

Eckernförde | Es ist rappelvoll im Vorraum der DRK-Kleiderkammer. Unterschiedliche Wortfetzen sind zu hören,  arabische, armenische, deutsche, russische. Einem kleinem  Jungen ist  langweilig – er wuselt durch die Beine der  Erwachsenen und auch schon mal unter der Klappe hindurch, die Warteraum  und Ausgabe der Kleiderkammer voneinander trennen. An diesem Freitagmorgen sind fast ausnahmslos Flüchtlinge da. Sie alle brauchen angesichts der sinkenden Temperaturen dringend warme Kleidung.  Rund  15  Menschen warten mehr oder weniger geduldig darauf, von den Damen  bedient zu werden.

Ein Team aus ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des DRK-Ortsvereins ist für die Organisation der Kleiderkammer zuständig. Zwei von ihnen  sind Karin Kliefoth (73) und Ursel Groß (67). Sie haben an diesem Morgen Dienst.  Vor beiden Frauen liegt ein Ordner auf der Klappe, die als Ladentisch dient. „Da wir mittlerweile so viele Flüchtlinge unter unseren Kunden haben, haben wir für sie einen eigenen Ordner angelegt“, erklärt Karin Stephan (72), ebenfalls Mitglied des  Teams. Denn über jedes Kleidungsstück muss  genau Buch geführt werden, wem es wann gegeben wurde. So wurden im vergangenen Jahr über 15000 Einzelteile an Asylbewerber und bedürftige Eckernförder ausgegeben.

Eine der  Kundinnen ist Ailul Shmaronyan. Die 41-Jährige aus Armenien sucht für sich und  ihre beiden Kinder (15 und 13 Jahre) warme Wintersachen. Bedient wird sie von Karin Kliefoth. Da  Kleidung, Schuhe, Bettwäsche und ähnliches vom Team stets sehr akkurat in die Regale einsortiert werden, wird  Kliefoth schnell  fündig und kann der Armenierin die gewünschten Sachen geben.  Das ist aber nicht immer der Fall. Manchmal benötigen die Damen der Kleiderkammer  eine gehörige Portion Engelsgeduld, Gleichmut und Robustheit. Eine  junge Frau aus Albanien ist jetzt an der Reihe. Ihre Arme hat sie vor dem Körper verschränkt, ihr Gesicht drückt zunächst Wut, dann Enttäuschung aus.  Auf der Klappe liegt ein Prospekt eines Discounters, mithilfe dessen  sie erklären möchte, was sie sucht. Für ihr Kind sucht sie eine Winterjacke der Größe 104. Ursel Groß bringt eine Kombination, Jacke und Hose, aber ein oder zwei Nummer größer. Die junge Frau lehnt ab. Auch der Hinweis, dass ein warmer Pulli druntergezogen werden könnte, ändert nichts an ihrer Entscheidung.

Es ist laut, es ist eng in der Kleiderkammer.  In dem Gewusel  sortiert Gisela Kadow (66) frisch angelieferte Ware ein. So schnell gibt Ursel Groß nicht auf und sucht unermüdlich  Stücke für die junge Frau aus dem Sortiment. „Mir tut es ja auch leid. Wir können nur das verteilen, was wir haben“, bedauert die 73-jährige. Mehr als eine halbe Stunde später ist die junge Albanerin doch noch  zufriedengestellt. Vor ihr liegen viele Kleidungsstücke, die sie mit nach Hause nehmen wird. „Ein Teil der Flüchtlinge meint, dass  wir ein Kaufhaus sind“, sagt DRK-Vorsitzender Wolfgang Bachor. Einige Jugendliche würden sogar nur Markenkleidung verlangen, auf denen das Label gut zu erkennen ist, und andere Kleidung ablehnen. Trotz aller Schwierigkeiten – auf eines legt Wolfgang Bachor großen Wert: „Wir geben nur solche Kleidungsstücke raus, in denen man durch die Kieler Straße gehen kann, ohne negativ aufzufallen“, so der Vorsitzende.

Da sind die  Sortierungskünste der Damen  gefragt. Denn ein Sortieren der gespendeten Ware muss sein. „Manchmal mag man den Damen gar nicht zumuten, in die Säcke zu greifen“, sagt Bachor.

Die ofizielle Öffnungszeit ist längst vorüber, und vor der Klappe der Kleiderkammer warten immer noch Menschen. Auch diese werden nicht einfach nach Hause geschickt, das Team arbeitet solange, bis auch der letzte Wartende  versorgt ist. Ab sofort hilft Ishaq Ahmadi (33) den Damen. Der Afghane wird für die Schuhausgabe verantwortlich sein. Allein von seiner Anwesenheit verspricht sich das Team Wirkung – gerade bei einigen männlichen Kunden, die den nötigen Respekt gegenüber den DRK-Damen vermissen lassen.

S. Karkossa-SchwarzDRK-Kleiderkammer, Gasstr. 8, dienstags 16.30-18 Uhr, freitags 8.30-10.30 Uhr. Auch Annahme, ansonsten stehen vor dem Haus Container.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 13:49 Uhr

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