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Eckernförder Zeitung

27. September 2016 | 17:31 Uhr

interview : Offenheit ist ihre Stärke

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fast 22 Jahre ist Jutta Johannsen Schulleiterin der Jungmannschule. In einer Woche wird die 65-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Generationen von Schülern, Lehrern und Eltern ist Jutta Johannsen bekannt. Seit fast 22 Jahren ist sie Schulleiterin der Jungmannschule. Am 1. September 1994, an ihrem 44. Geburtstag, erhielt Jutta Johannsen ihre Ernennungsurkunde. Einen Tag später trat die gebürtige Kielerin ihren Dienst in Eckernförde an. Heute in einer Woche wird die Schulleiterin von Schülern, Lehrern und Elternvertretern feierlich verabschiedet. Die Eckernförder Zeitung traf sie zum Interview.

EZ:Sie sind im Alter von 44 Jahren Schulleiterin der Jungmannschule geworden. War das vor 22 Jahren ungewöhnlich für eine Frau?
Jutta Johannsen: Was heute Normalität ist, war tatsächlich ungewöhnlich für damalige Zeiten. An 99 Gymnasien in Schleswig-Holstein gab es 1994 nur fünf Frauen. Ungewöhnlich war meine Ernennung aber auch, da eine Schulleiterin mit dem Fach Kunst gewählt wurde.

Sie haben mehrere Schülergenerationen hautnah miterlebt. Haben Sie gravierende Änderungen bei den Schülern festgestellt?
Wenn das Verhalten der Schülergenerationen zur Schulleitung gemeint ist, dann sehe ich keine Veränderungen. In all den Jahren hat es eine gewisse Rückmeldung gegeben, sowohl positiv als auch negativ. Letzten Endes war die Zusammenarbeit mit den Schülern immer konstruktiv.

Wie hat sich Schule in den 22 Jahren von Beginn bis Ende Ihrer Schulleitung verändert?
Schule hat sich in diesem Zeitraum stark verändert. Die Schule ist offener geworden. Sie hat sich für Wirtschaftsunternehmen und für verschiedene Institutionen geöffnet, sie hat sich als Europaschule Europa geöffnet. Es wurden stärkere Bezüge zwischen Schule und der Gesellschaft hergestellt. Auch nehmen wir mit den unterschiedlichsten Schülergruppen an allen möglichen Aktivitäten teil.

Das Schulgebäude wirkt zwar leicht und transparent, vielleicht aber auch etwas steril. Hat das Auswirkungen auf die Schulatmosphäre?
Gerade von Besuchern und Austauschschülern wird die Schulatmosphäre als sehr offen und sehr hell wahrgenommen. Das positive Schulklima ist dem guten Zusammenspiel zwischen dem offenen Gebäudesystem und dem offenen Umgangston geschuldet.

Gibt es besondere Erlebnisse oder Vorfälle in all den Jahren, an die Sie sich spontan erinnern?
Es gibt eine angenehme Bandbreite an Begebenheiten, die mich immer wieder wach gehalten haben.

Der erste G  8-Jahrgang macht jetzt Abitur. Verlief die Umstellung von G  9 auf G  8 reibungslos?
Wir als Jungmannschule haben in Bezug auf G  8 deutlich unseren Fahrplan umgestellt. Wir haben überlegt, was ist gut und richtig zu tun. Und wir haben überlegt, wie es werden soll. Deshalb ist ein Abitur auch nach acht Jahren gut möglich im Sinne von gut machbar. Durch die Zusammenlegung von G  9 und G  8 machen in diesem Schuljahr 215 Abiturienten die Prüfungen.

Was sagen die Schüler, Eltern und Lehrer zu G  8?
Es gab eine sehr starke Verunsicherung bei Schülern, Eltern und Lehrkräften. Aber die ist verflogen, die nehme ich so nicht mehr wahr.
Wie sieht es mit dem Raumbedarf der Schule aus? Immerhin scheint der ja zusammen mit dem der Peter-Ustinov-Schule so groß zu sein, dass kein Platz mehr für die Gorch-Fock-Schule ist.
Der Raumbedarf der Peter-Ustinov-Schule ist unheimlich groß. Dort entsteht demnächst das DaZ-Zentrum. Unser Raumbedarf fällt ab dem Schuljahr 2016/17 im Vergleich zum diesjährigen etwas geringer aus, weil wir dann 100 Schüler weniger haben. Deshalb haben wir aber nicht vier freie Räume und können keine Räume an die Peter-Ustinov-Schule abgeben. Durch die Anforderungen an den modernen Unterricht, wie Differenzierung, projektorientierten Unterricht, Arbeitsgemeinschaften und selbstständige Lerneinheiten werden Raumbedarfe geweckt.

22 Jahre haben Sie eine große Verantwortung für mehrere Hundert Schüler und ein 75-köpfiges Kollegium gehabt. Wie haben Sie diese Führungsaufgabe bewältigt?
Ich bin ein offener, kommunikativer Mensch. Eine große Stütze sind mein Schulleitungsteam und der Personalrat. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglichte ein positives Führen. Außerdem hat mir das Wissen geholfen, dass man nicht allen Charakteren gerecht werden kann.

Vor Ihrer Aufgabe als Schulleiterin haben Sie ein Jahr als Referentin für Kunsterziehung im Bildungsministerium gearbeitet. Tätigkeiten im IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein) in der Lehrerfortbildung und Publikationen in diesem Bereich haben bei Ihnen den Gedanken ausgelöst, sich beruflich in Ihrer Tätigkeit als Studienrätin für Kunst zu verändern. Eine bereits zugesagte Promotion an der Uni Hamburg im Bereich Fachdidaktik sagten Sie ab und entschieden sich für eine Bewerbung um den Posten der Schulleiterin in Eckernförde. Hat es in den 22 Jahren irgendwann einmal den Gedanken gegeben, sich beruflich neu zu orientieren?
Berufsbegleitend habe ich in Form eines Fernstudiums von 2003 bis 2006 ein Schulmanagementstudium an der Uni Kaiserslautern absolviert und mit dem Master abgeschlossen. Nach neun Jahren Schulleitung hatte ich das Bedürfnis, mich in meiner Rolle in der Schule zu evaluieren. Ich wollte noch einmal ein neues Verhältnis zu den Berufsfeldern bekommen, ich habe mich noch einmal in meiner Rolle als Schulleiterin anders justiert, wenn man so will. Das Studium war da sehr hilfreich.

Was macht Jutta Johannsen, wenn sie nicht mehr jeden Morgen zur Schule nach Eckernförde fahren muss?
Mein Alltag wird bestimmt sein von regelmäßigem Sport sowie Kunst und Musikgenuss und vielleicht auch davon, wieder selbst Musik zu machen. Außerdem bin ich Großmutter von zwei Enkelkindern und hoffe, noch mehr zu bekommen.

Sie sind seit 1995 Mitglied im Vorstand des Künstlerhauses Otte 1. Werden Sie sich weiterhin als Vorsitzende für das Künstlerhaus Otte 1 engagieren?
Ich werde das erst einmal weitermachen, ich möchte mich schon noch einbringen. Das ist mir dann flexibler möglich. Außerdem engagiere ich mich weiterhin im Vorstand der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft, der Kreiskultur-Stiftung des Kreises Rendsburg-Eckernförde und der kulturpolitischen Gesellschaft des Landes Schleswig-Holstein, deren Sprecherin ich bin.

Kennen Sie Ihren Nachfolger persönlich?
Ja, ich kenne Sebastian Klingenberg, der noch als Koordinator am Ernst-Barlach-Gymnasium in Kiel tätig ist. Schon seit den Weihnachtsferien arbeitet er sich hier etwas ein.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Gar keinen. Ich finde, der Wechsel ist eine Chance für die Schule, sich neu zu orientieren und die Dinge, die mir vielleicht wichtig waren, zu hinterfragen, ob sie so gut und richtig sind.

Frau Johannsen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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