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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2016 | 14:54 Uhr

Chance zum günstigen Stromeinkauf : Nutzen Stadtwerke bald Wegwerfstrom?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Staatssekretärin Ingrid Nestle hat sich gestern in Eckernförde über die Nutzung von Blockheizkraftwerken informiert. Sie regte die Abnahme von abgeregeltem Strom der Windmühlen an.

Eckernförde | Strom wurde bis vor einigen Jahren fast ausschließlich in großen Kraftwerken erzeugt. Heute spielen die erneuerbaren Energiequellen Wind, Sonne und Bio-Gas eine immer wichtigere Rolle, an der Marktreife und Weiterentwicklung von Brennstoffzellen wird kräftig gearbeitet. In Eckernförde setzt der regionale Versorger Stadtwerke Eckernförde seit Jahren auf das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und die Errichtung von Blockheizkraftwerken (BHKW). 17 sind es inzwischen, ein weiteres großes ist in Planung. Mit diesen Anlagen erzeugen die Stadtwerke mittlerweile 27,8 Prozent des verkauften Stroms selbst – in Zahlen: 19,5 von 70 Millionen Kilowattstunden pro Jahr stammen aus eigenen BHKW. Zahlen, die Staatssekretärin Ingrid Nestle aus dem Ministerium für Energiewende, Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume bei ihrem gestrigen Besuch des BHKW Riesebyer Straße durchaus imponierten. Die vergleichsweise hohe Selbsterzeugungsquote in Verbindung mit der umweltschonenden Kraft-Wärme-Kopplung – Gas wird umgewandelt in elektrische Energie, mit dem Abfallprodukt Wärme werden Wohnungen beheizt und Wasser erwärmt – helfe dabei, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und dem Klimawandel entgegenzuwirken. Immerhin sei die Wärmeerzeugung mit 40 Prozent einer der wesentlichen Klimakiller. Von daher seien lokale Maßnahmen wie in Eckernförde zur umweltschonenden Energieerzeugung sehr zu begrüßen.

Die Sechs- und Zwölf-Zylinder-Motoren der BHKW sollten 7000 von 8760 Jahresstunden laufen, um eine höchstmögliche Effizienz zu erzielen, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens. Nach 50  000 Betriebsstunden erfolge eine Generalüberholung, so dass ein BHKW anschließend für weitere fünf Jahre „auf Verschleiß gefahren wird“, um dann gegen ein neues oder später vielleicht gegen eine dann weiterentwickelte Brennstoffzelle ausgetauscht zu werden. Parallel lassen die Stadtwerke Heizkessel laufen, um im Falle eines Ausfalls die Wärmeversorgung aufrechtzuerhalten. Gespeist werden die BHKW größtenteils über vor Ort produziertes Bio-Methan, dem CO2 entzogen wird, um den für den BHKW-Betrieb notwendigen Brennwert zu erzielen. Das BHKW Riesebyer Straße neben dem Hochhaus hat rund 500  000 Euro gekostet und verfügt über einen unterirdischen Wärmespeicher von 25  000 Liter. Beheizt werden damit das Hochhaus, die Häuser in der Christiansenstraße und die neuen Wohnhäuser am Mühlenberg.

Staatssekretärin Nestle unterbreitete Dietmar Steffens und dem Technischen Leiter, Volker Carstensen, den Vorschlag, ob sich die Stadtwerke Eckernförde vorstellen könnten, im Zuge der laufenden EEG-Novellierung preisgünstig abgeregelten Strom einzukaufen, der wegen fehlender Leitungskapazitäten gen Süden bei der Einspeisung von Windenergie vor allem an der Westküste anfällt. „Wenn sich’s lohnt, machen wir’s“, sagte Steffens. Die Rechnung: Der sogenannte Wegwerfstrom soll für wenig Geld Versorgern wie den Stadtwerken Eckernförde angeboten werden, um überhaupt genutzt zu werden; der günstig eingekaufte „fertige“ Strom bräuchte dann auch nicht mehr im BHKW produziert zu werden, was zu einer Entlastung der BHKW und zu Einsparungen beim CO2-Ausstoß führen würde. Der Wegwerfstrom soll – so der Plan – Elektrodenheizstäbe nach dem Tauchsieder-Prinzip erhitzen und der Wärmeerzeugung dienen. Die nötigen Investitionen würde der Netzbetreiber – in diesem Fall Tennet – übernehmen. Die Stadtwerke Flensburg seien bereits dabei, die Stadtwerke Kiel rüsten dafür um. Kleinere Stadtwerke wie Eckernförde mit einer vergleichsweise geringen Erzeugerleistung von 3800 Kilowatt (von insgesamt 15  000 kW) könnten in einer weiteren Stufe dazukommen, sagte die Staatssekretärin. Daher wäre es sinnvoll, sich bereits jetzt mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn Eckernförde alle BHKW „poolen“ und anbieten würde, wäre dies unter Umständen eine Größenordnung, die ausreichen würde. Sie versprach, sich bei den Verhandlungen in Berlin dafür einzusetzen, dass auch kleinere Stadtwerke berücksichtigt werden.

Allein die Stromkunden in Schleswig-Holstein zahlen jährlich 295 Millionen Euro für nicht eingespeisten, abgeregelten Strom der Windmühlen. Im Norden werde zudem fünfmal so viel Öko-Strom eingespeist, wie abgeregelt wird, sagte Nestle. Der EEG-Anteil allein der Eckernförder Stadtwerke-Kunden beläuft sich nach Auskunft Steffens’ auf 5 Millionen Euro pro Jahr, bundesweit kämen 23 Milliarden Euro zusammen. Jeder Verbraucher zahlt über seine Stromrechnung eine EEG-Umlage in Höhe von derzeit 6,354 Cent pro Kilowattstunde, laut Prognose soll sie 2017 auf 7,3 Cent steigen.

Die Stadtwerke nehmen mit dem BHKW Riesebyer Straße am Projekt „Eismann“ teil. Netzbetreiber Tennet steuert das BHKW direkt an und kann es in Überlastphasen abschalten, so dass kein zusätzlicher Strom eingespeist wird, die Wärmeversorgung wird durch die beiden Heizkessel aufrechterhalten. Vorteil für die Stadtwerke: sie sparen etwa ein Drittel Erdgas, weil die BHKW mehr verbrauchen als die Kessel. Weitere BHKW der Stadtwerke und die technischen Abläufe werden derzeit von Tennet gecheckt. Wenn die bestehenden Speicherprobleme gelöst sind und die Prüfung positiv verläuft, könnten sich für die Stadtwerke Optionen für eine noch effizientere und damit sparsamere Nutzung ergeben.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 06:41 Uhr

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