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Eckernförder Zeitung

30. September 2016 | 22:18 Uhr

Interview : Nickelback auf Europa-Tournee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Telefoninterview sprach Nickelback-Bassist Mike Kroeger vor dem Hamburg-Auftritt mit EZ-Mitarbeiterin Michelle Ritterbusch

Wie läuft die Tour bisher?

Gut. Die Shows waren gut besucht und wir hatten überall wirklich gutes Publikum. Wir haben eine gute Zeit: Wir haben wirklich Spaß dabei, die Shows jede Nacht auf der Bühne zu spielen und nach Europa zu kommen. Es ist lange her und wir haben es vermisst, nach Europa zu kommen.

 

Während dieser Tour wurden bisher einige Lieder in den Setlists der Shows immer mal wieder getauscht. Warum?

Wir recherchieren gerne ein bisschen über jede Stadt, in der wir auftreten. Wenn wir in den USA oder Kanada spielen, wissen wir, was die Menschen national gehört haben und es ist einfach, die Setlist auszusuchen. Hier sind wir fast jeden Tag in einem anderen Land. Im Radio werden verschiedene Dinge gespielt und einige Songs liefen besser als andere. Also müssen wir bei jedem Stopp ein paar Nachforschungen anstellen und unsere Hausaufgaben machen, um zu wissen, was die Leute hören wollen. Wir wollen nicht aus Versehen einen Song aus der Setlist nehmen oder einen nicht dabei haben, der in dem Gebiet sehr gut ankam. Manchmal kommt man von einem Land, in dem ein Lied ein Nummer-eins-Song war, in ein anderes Land, in dem der Song überhaupt nicht in den Charts war. Es gibt überall unterschiedliche Erwartungen.

 

Gibt es Lieder, die Ihr bei jeder Show spielen müsst?

Wir müssen „How You Remind Me“ bei jeder Show spielen. Ich glaube, wir müssen „Photograph“ bei jeder Show spielen. Und „Someday“ – besonders in Europa. Dieser Song ist in einigen Gebieten nicht so beliebt wie in Europa. Aus irgendeinem Grund funktioniert der Song in Europa sehr gut. Das sind die Lieder, von denen ich glaube, dass wir sie spielen müssen. Und „Rockstar“ sollten wir auch jede Nacht spielen.

 

Bist Du schon einmal an den Punkt gekommen, an dem Du keine Lust mehr hattest, diese Lieder zu spielen, weil Du sie jede Nacht spielst, oder ist das für Dich in Ordnung?

Es ist toll. Am Anfang der Karriere kann das passieren, vermute ich. Aber man ist jedes Mal, wenn man diese Songs spielt, in einem anderen Raum mit einem anderen Publikum. Für mich ist es jedes Mal ein kleines bisschen anders und jedes Mal neu. Bei „Rockstar“ holen wir jemanden aus dem Publikum auf die Bühne, damit die Person mit uns singt. Das sorgt dafür, dass es sehr interessant bleibt. Manchmal kennen sie den Text und manchmal nicht. Das macht Spaß.

 

Nickelbacksongs sind sehr unterschiedlich – von Liedern wie „If Everyone Cared“ zu härteren Stücken wie „Burn It To the Ground“. Was würdest Du sagen, ist typisch Nickelback?

Ich glaube, für jemanden, der nicht in der Band ist, es ist viel einfacher, das zu sagen. Wenn es Deine Band ist, ist es viel schwieriger zu sagen, wie sie klingt. Das ist wie einen Maler zu fragen, wie seine Bilder aussehen. Das ist schwierig. Ich denke, die Medien, Musikkritiker und Fans wären die besseren Ansprechpartner. Ich glaube nicht, dass ich das gut beantworten kann.

 

Ihr verteilt Updates für The Cove neben der Bühne [ein spezieller Bereich direkt an der Bühne; Anm. d. Red.]. Was kannst Du mir über die Idee dahinter erzählen?

Ich weiß nicht mehr genau, wie diese Idee zustande kam. Als junge Leute waren wir alle auf Konzerten. Jeder war schon auf Konzerten und hatte schlechte Sitzplätze und jeder war schon einmal auf Konzerten und hatte – hoffentlich – gute Plätze. Das ist ein großer Unterschied – besonders wenn es ein Künstler ist, den Du wirklich magst. Du möchtest so nah wie möglich dabei sein. Wir geben den Leuten die Möglichkeit, über Twitter oder andere soziale Netzwerke sich zu melden und die Chance zu bekommen, ausgewählt und auf Plätze an der Seite der Bühne upgegradet zu werden, sodass man bei uns ist. Das ist bisher sehr gut angekommen. Die Leute mögen das sehr.

 

Ihr habt Eure Fans über Twitter gefragt, was sie bei der Tour hören wollen. Haben Euch einige Antworten überrascht?

Ich würde nicht sagen, dass es überraschende Antworten waren. Es war mehr eine Bestätigung dessen, was wir gedacht haben. Das ist gut, denn Du möchtest sicher sein, dass Du jede Nacht die Songs spielst, die die Leute hören wollen. Und glücklicher Weise haben wir richtig vermutet (lacht).

 

Nickelback gibt es jetzt seit 20 Jahren. Wie würdest Du das beschreiben, wo Ihr jetzt seid?

Es ist interessant. Als ich ein Teenager war, wusste ich nicht mal, was es bedeutet, 30 zu werden. Das ist lange her. Mit der Band ist es dasselbe: Niemand in der Band hat es jemals für selbstverständlich genommen, dass es uns so lange gibt, dass es uns länger als sechs Monate oder ein Jahr gibt. Wir haben nie wirklich darüber gesprochen. Wir haben nie darüber gesprochen, wie lange wir das machen. Das war nie ein Thema. Wir haben mehr geschaut, was wir jetzt zu machen haben, und haben es gemacht. All die anderen Dinge standen ein Stück weit im Hintergrund.

 

Was bedeutet Dir Nickelback als Band?

Nickelback und Rock’n‘Roll haben mich rund um die Welt gebracht und mir so viele Dinge gezeigt, die ich sonst nie gesehen hätte. Ich bin Nickelback, Rock’n’Roll und all unseren Fans wirklich dankbar, dass sie das möglich gemacht haben. Es hat mein Leben verändert. Und hoffentlich haben wir auch einige andere Leben verändert.

 

Hat sich das Verhältnis in der Band über die Jahre verändert?

Ich glaube nicht, dass sich das Verhältnis verändert hat. Ich glaube, dass wir uns alle als Menschen verändert haben – ich hoffe, das ergibt Sinn. Was ich versuche zu sagen: Das Verhältnis, das Nickelback ausmacht, ist das gleiche. Aber die Menschen und Persönlichkeiten – verglichen damit, als wir angefangen haben, als wir alle in unseren Zwanzigern waren – haben sich verändert. Man verändert sich natürlicherweise in 20 Jahren.

 

Zurück zur Tour: Wie bereitest Du Dich auf eine Tour vor? Gehst du ins Fitnessstudio oder ähnliches?

Ich gehe immer ins Fitnessstudio. Ich mache das vor der Tour, während der Tour, nach der Tour. Da gibt es keinen Unterschied. Ich spiele den Bass. Ich übe die Monate vor der Tour wesentlich mehr. Denn wenn ich länger nicht spielen muss, übe ich eine lange Zeit nicht.

 

Wirst Du noch nervös, bevor Du auf die Bühne gehst?

Ich bin schon seit sehr langer Zeit nicht mehr nervös geworden. Der Grund ist, dass ich, als ich jung war, gerade angefangen hatte zu spielen und nicht wirklich wusste, wie man spielt und wie das Equipment funktioniert. Mein erster Auftritt war in einer kleinen Arena mit etwa 5000 Menschen. Das war mein allererster Auftritt. Das war die schrecklichste, furchterregendste Erfahrung in einem Leben bis dahin. Alles ging kaputt, nichts hat funktioniert. Ich wusste nicht, wie man spielt, Dinge sind ausgefallen. Ich war so ängstlich da oben. Ich war seitdem nie mehr so ängstlich.

 

Wie kommst Du mit dem Jetlag zurecht?

Das ist eine interessante Frage, weil ich immer noch versuche zu lernen, wie man mit Jetlag umgeht (lacht). Das schwerste ist, zu schlafen, wenn dein Körper Dir sagt, dass er schlafen muss. Du willst deinen Biorhythmus an die Zeitzone anpassen, in der Du bist. Aber Dein Körper braucht Zeit, um sich anzupassen. Du kannst es nicht sofort ändern. Wir sind jetzt zwölf Zeitzonen vor der, in der ich in Hawaii lebe. Ich gewöhne mich immer noch dran und wir sind seit über zwei Wochen hier.

 

Wie entspannst Du Dich auf Tour?

Ich finde es hier nicht so stressig. Um ehrlich zu sein, finde ich es am entspannendsten, wenn ich auf der Bühne bin und spiele. Das hier ist der entspannteste Teil meines Lebens hier (lacht). Ich liebe es.

 

Was machst du lieber: im Studio arbeiten oder auf Tour sein?

Das ist eine schwierige Frage. Beides ist so unterschiedlich. Die Liveshow ist viel spontaner und das Tempo ist viel höher. Die Zeit ist viel kürzer in einem Livesetting. Es ist wie der Unterschied zwischen einem Mikroskop und einem Teleskop: Im Studio stehst Du am Mikroskop und bei einer Liveshow am Teleskop. Im Studio musst Du Fehler ausbessern und wenn Du live spiest, liegen Deine Fehler sofort hinter Dir. Sobald Du sie spielst oder singst, sind sie ein Teil Deiner Vergangenheit.

 

Ihr habt Songs wie „Figured You Out“ oder „Something in Your Mouth“. Hat Chad [Kroeger; Leadsänger und Gitarrist von Nickelback; Anm. d. Red.] schon einmal einen Text vorgeschlagen, bei dem Du gedacht hast: „Ich kann das nicht machen, ich habe Kinder“?

(Lacht) Ich glaube, dass wir das über diese Songs gesagt haben (lacht). Ich glaube, es ermutigt ihn sogar noch mehr, wenn jemand sagt, dass etwas unangebracht ist. Dann mag er es noch mehr.

 

Was macht für Dich ein gutes Lied aus?

Etwas, das mich fühlen lässt. Die Musik, die ich höre, muss mich dazu bringen, etwas zu fühlen, oder ich höre es mir nicht an. Ich weiß, dass das eine ungewöhnliche Antwort ist oder vielleicht keine gute Antwort. Ich glaube, ein Lied, das mich etwas fühlen lässt, das mir Tränen in die Augen steigen lässt. Es muss kein trauriger Song sein, er kann nur diesen Effekt auf mich haben. Das wäre ein gutes Lied für mich.

 

Zurück zum Publikum: Sind die Zuschauer in jedem Land unterschiedlich oder sind Menschen überall gleich?

Ich glaube, dass Nickelbackfans Nickelbackfans sind – egal, wo sie leben oder wo sie zu unserer Show kommen. Und sie sind einfach die besten. Sie sind die, die uns weitermachen lassen. Sie bringen uns dazu, auf Tour zu gehen und Liveshows zu spielen. Nickelbackfans sind Nickelbackfans und wir lieben sie alle.

 

Habt Ihr Pläne für die Zeit nach der Tour?

Ich würde nicht sagen, dass wir irgendwelche Pläne haben. Wir haben darüber gesprochen, mehr Musik zu schreiben und aufzunehmen, aber es gibt keine Pläne. Wir machen nicht viele Pläne. Jeder, der für uns arbeitet, Manager, Agenten oder irgendwer sonst, würden sagen, dass wir nicht viel im Voraus planen. Es könnte unorganisiert sein oder vielleicht haben wir Angst vor Verpflichtungen oder so (lacht). Wir machen einfach keine langen Pläne.

 

Ich habe gehört, dass Ihr an einem neuen Album arbeitet.

Ja, auf eine sehr entspannte und stressfreie Art.

 

 

> Nickelback treten am Sonnabend, 24. September, in der Barclaycard Arena in Hamburg auf. Beginn ist um 20 Uhr. Tickets sind im EZ-Kundencenter, Kieler Straße 55, Tel. 04351/90082484, erhältlich.

 

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