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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 16:34 Uhr

Interview : „Nichts geht über ein gedrucktes Buch“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Stefanie Fromm hat die Leitung der Fahrbücherei Nr. 8, Station Barkelsby übernommen: Im Interview spricht sie über Bücher und Bücherei

Barkelsby | Seit dem 1. Oktober ist Stefanie Fromm die neue Leiterin der Fahrbücherei Nummer 8 in Barkelsby. Die 25-Jährige war zuletzt drei Jahre lang in der Kieler Stadtteilbücherei Mettenhof speziell im Bereich Kinder- und Jugendmedien tätig. Sie löste Harald Gäble ab, der fast 20 Jahre lang die Fahrbücherei Barkelsby leitete. Fromm studierte Informationswissenschaften, Schwerpunkt Bibliotheksmanagement in Darmstadt. Die gebürtige Thüringerin weiß um die großen Schuhe, die Gäble ihr hinterlassen hat. Sie freut sich auf die Herausforderung und die große Nähe zu den Lesern und Kunden. Über ihre Beziehung zu Büchern, den Stellenwert von Geschriebenem und die Zukunft von Buch und Bücherei sprach sie mit Schwansen-Redakteur Dirk Steinmetz.

Welche Bedeutung haben Bücher für Sie?

Stefanie Fromm: Als Kind fand ich Lesen nicht so toll. Irgendwann habe ich dann Harry Potter angefangen zu lesen, und ab da ging es los. Dann habe ich ganz viel gelesen. Ab da war die Bücherei ein Ort für mich, wo ich Ruhe fand, wo ich für die Schule etwas vorbereiten konnte. Und wenn zu Hause der PC nicht lief, dann konnte ich in der Bücherei weiter recherchieren. Bücher haben eine große Bedeutung für mich.

Was macht ein gutes Buch für Sie aus? Wonach greifen Sie, wenn Sie vor einer Bücherwand stehen?

Ein gutes Buch ist nicht vorhersehbar. Wenn man nach dem Lesen des Buchdeckels schon vermuten kann, so oder so wird es aus gehen, das finde ich dann schade. Ich finde es toll, wenn am Ende noch etwas Überraschendes kommt, was man nicht erahnt hat.

Was für ein Lesetyp sind Sie? Krimi, Science Fiction oder wozu greifen Sie?

Zur Zeit lese ich gerne Fantasy-Romane. Ich versuche mich auch mit Krimis, aber in der Sparte habe ich noch nicht so viel Erfahrung. Außerdem mag ich Frauen- und Liebesromane. Manchmal möchte ich einfach nur lachen, wenn ich etwas lese. So mag ich gerne Kerstin Gier, die ich bei einer Lesung erlebte. Leider habe ich aber nicht so viel Zeit zum Lesen, wie ich eigentlich möchte.

Sind Bücher noch zeitgemäß, auch angesichts der scheinbaren Übermacht des Internets? Man hat den Eindruck, dass viele Kinder nicht mehr lesen, oder täuscht das?

Ja, Bücher sind auf jeden Fall zeitgemäß. Zum Beispiel das gemeinsame Lesen der Kinder mit den Eltern, das Vorlesen bei kuscheliger Atmosphäre. So eine Bindung, die ist nicht durch ein Playstation-Spiel möglich, wo nur einer aktiv ist. Oder gemeinsam ein Hörspiel hören, das verbindet, meine ich. Bücher haben weiterhin einen großen Stellenwert. Inzwischen gibt es ganz neue Bücher, die digitale Medien aufgreifen und in das Lesen integrieren. Zum Beispiel Tip-Toi- oder Ting-Bücher, in denen Kinder mit einem speziellen Stift digital hinterlegte Extra-Informationen abrufen können. Bücher werden immer interaktiver, gerade um Kinder und Jugendliche heran zu führen. In dem Alter muss man Kindern Angebote machen, damit sie mit Spaß zum Buch greifen und lesen.

Was halten sie von digitalen Büchern, beispielsweise auf E-Readern? Ist das ein Weg, Bücher für die Zukunft zu erhalten?

Ich mag lieber ein richtiges Buch in der Hand. Aber wenn man unterwegs oder im Urlaub ist, dann ist so ein Reader schon praktisch. Dauerhaft geht aber nichts über ein gedrucktes Buch.

Haben denn gedruckte Sachen eine Zukunft? Oder wird alles digital?

Ich glaube Bücher sind weiter wichtig. Ich hoffe, dass sie weiter existieren. Bücher sind so fest in der Gesellschaft verankert, dass ich schon glaube, dass Bücher neben anderen Medien existieren werden.

Gilt das für alle Bücher? Ich denke schon, dass das Internet viele bisherige Standardwerke ersetzt.

Ja, tsächlich. Also, Enzyklopädien haben wir fast gar nicht mehr. Wer was wissen will, fragt im Netz. Da ist schon eine Verschiebung zu beobachten. Bei Sachbüchern haben wir schon noch starke Nachfrage, gerade die Wissensboxen für die Schulen, sind stark gefragt. Viele Lehrer legen auch Wert darauf, dass die Schüler noch lernen mit Büchern umzugehen. Das ist schon wichtig. Sie fordern dann bei Hausarbeiten, dass auch so und so viele Bücher als Quelle verwendet wurden. Wenn Lehrer sagen, Internet-Recherche reicht, dann finde ich das schade.

Wie sieht die Zukunft der Büchereien aus? Wird es noch eine Fahrbücherei mit Bus geben?

Also, ein Bücherbus ist schon ein beliebter Treffpunkt. Das habe ich schon vielfach erlebt. Gerade, wenn das ein kleiner Ort ist, dann begrüßen sich die Leser und nutzen den Treffpunkt zum reden. Für viele ist der Bus auch ein Highlight. Neulich kamen junge Mütter mit ihren Kindern in den Bus, da sind die Kleinen sofort zu den Büchern, und die Mütter haben sich unterhalten. Im Bus ist es viel kommunikativer, als zu Hause vor dem PC oder dem Fernseher zu sitzen. Ich bin überzeugt, Büchereien haben eine Zukunft. So schnell kann man die nicht verdrängen.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 06:33 Uhr

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