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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 05:05 Uhr

Artenschutz : Neues Winterquartier für die Fledermäuse der Region

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schleswig-Holsteinische Landesforsten stellen alte Sperrmittelbunker der Bundeswehr zur Verfügung.

Lindau | Im Waldgebiet Tower See der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten stehen zwei alte Pioniersperrmittelbunker. Revierförster Rainer Mertens hatte schon länger darüber nachgedacht, wie die beiden leeren, fünf mal zweieinhalb Meter großen, dunklen Räume genutzt werden könnten. Jetzt sind sie hergerichtet worden – zum Winterlager für Fledermäuse.

„Sie sind bezugsfertig“, erklärt Diplom-Ingenieur Matthias Göttsche, Fachmann für Fledermausmonitoring in Schleswig-Holstein. Er hat die Bunker-Optimierung begleitet. Im Sommer haben die Arbeiten begonnen, jetzt sind sie abgeschlossen. Auch Dank Maurermeister Birger Bach aus Schackendorf, der sich langsam, aber sicher auf die Ausstattung von Winterquartieren für heimische Fledermäuse spezialisiert hat. Denn in einem kahlen, leeren Raum fühlen sich die kleinen Tiere nicht wohl. Sie mögen ein zerklüftetes System. „Fledermäuse mögen es dunkel, frostsicher, störungsfrei. Und die richtige Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig“, beschreibt Göttsche.

Der Bunker ist durch eine Gittertür und eine Stahltür verschlossen. Damit die Fledermäuse es dunkel haben, bleiben die Türen zu und es wurden Einflugschlitze in das Mauerwerk gestemmt. In dem Bunker müssen die Männer die Köpfe einziehen – lauter Hohlblocksteine mit schmalen und breiteren Öffnungen hängen an Decke und Wänden. „Einzel- und Doppelzimmer“, scherzt Göttsche. Tatsächlich verstecken sich die zierlichen Säugetiere gern, um ihren Winterschlaf zu halten. Manche sind dabei lieber allein, andere suchen die Nähe ihrer Artgenossen. Neben den Hohlblocksteinen wurden auch Trapezplatten aus Plastik angebracht. Auch da schlüpfen die Fledermäuse rein, manchmal mehrere übereinander. Wenn Göttsche einmal im Winter nach dem Rechten schaut, bekommt er durch die durchsichtigen Platten einen Einblick und kann gut abschätzen, wie viele Tiere das Winterquartier in Anspruch nehmen. Der Boden des Raumes ist mit Kies bedeckt. Damit wird die Verdunstungsoberfläche vergrößert und die notwendige Feuchtigkeit im Bunker gehalten. „Hier“, Göttsche zeigt nach oben, „wenn sich Tropfen an der Decke bilden, ist die Luftfeuchtigkeit perfekt“. Durch ein Kiesbett auf dem Dach und ein Loch in der Decke des Bunkers, von dem zuerst der Bewuchs entfernt werden musste, gelangt das Wasser in ausreichender Menge ins Innere.

Rund 8000 Euro haben die Landesforsten in den Ausbau investiert. „Das ist ein klassisches Beispiel für eine Artenschutzmaßnahme“, berichtet Mitarbeiterin Christiane Herty, die das Projekt begleitet hat, dafür gebe es Zuschüsse vom Land. Artenschutz ist ein wichtiges Thema bei bei den Fledermäusen, denn fast alle, der 15 in Schleswig-Holstein heimischen Arten sind gefährdet – einige mehr, andere weniger. Populationserhalt und -verbesserung – das sei das Ziel. Etwa 80 Winterquartier-Standorte im Land sind bekannt. „Das sind zum Beispiel alte Brauereikeller oder andere Bunker“, beschreibt Göttsche. Langsam soll ein Netzwerk aufgebaut werden, damit die Tiere sich nicht auf längere und gefährliche Wanderungen begeben müssen. Für das Fledermausmonitoring sind die Bunker im Wald hochinteressant. Sonst gibt es kaum Bauwerke im Wald, sie sind sehr massiv gebaut und haben daher keinen Schimmel.

„Finden müssen die Tiere den Bunker jetzt selbst“, erklärt Göttsche. Als Pionierfledermaus ist das braune Langohr bekannt. „Mit ihr rechne ich hier zuerst“, sagt er. Dann mit der Wasser- und der Fransenfledermaus. Für die Spaziergänger soll an die Bunker noch eine Infotafel angebracht werden – mit einem Foto vom Innenraum. Denn es ist wichtig, dass niemand versucht, die die Tür zu öffnen. Das würde den Winterschlaf der Fledermäuse stören, den sie, je nach Art, etwa von Ende September bis Anfang April halten können. „Eigentlich schlafen sie durch. Sie wachen höchstens mal auf, um sich zu putzen“, sagt Göttsche. Im Januar kommt er zur ersten Winterzählung, dann wird er sehen, wie der Bunker bei den Fledermäusen ankommt.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 06:20 Uhr

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