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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 05:35 Uhr

Gesundheit : „Neues Leben“ mit 50 Kilo weniger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

64-Jährige aus Angeln hat bei Damper Prof. Dr. Matthias Köhler die Gefahr von Diabetes und Dialyse abgewendet / 50 Kilo dauerhaft abgenommen. Ein neues Leben mit Bewegung.

Damp | „Ich habe ein neues Leben“, sagt Uta Mitzinger (64) und strahlt. Ende 2013 war ihr nicht zum Lachen, es ging nichts mehr und vor allem war sie nach 100 Meter außer Atem. Damals wog die 64-Jährige rund 130 Kilogramm bei nur 168 Zentimeter Größe. Heute wiegt sie rund 80 Kilogramm, „und ich fühle mich einfach nur wohl“.

Bei Uta Mitzinger kamen alle Faktoren zum Tragen, die sehr oft in Diabetes enden, stellt Prof. Dr. Matthias Köhler fest. Zu dem ärztlichen Direktor der Helios Rehaklinik Damp kam Mitzinger als Privatpatientin, da ihr Hausarzt ihr nicht nur eine beginnende Diabeteserkrankung bescheinigte, sondern auch Nieren, die nur noch rund 19 Prozent Leistung hatten. „Sie war auf dem bestem Weg zur Dialyse“, sagt Köhler, der Fachmann für Nephrologie ist.

Ute Mitzinger hatte starkes Übergewicht, rauchte fast eine Schachtel Zigaretten am Tag, bewegte sich sehr wenig und ernährte sich ungesund. Außerdem nahm sie Schmerztabletten in hoher Dosis, und Entwässerungstabletten, die die Nieren zusätzlich schwächten. Die letzten Jahre kümmerte sie sich vor allem um andere, an sich dachte sie nie, wie sie selber erkannt hat. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie eine Firma im sozialpädagogischen Bereich in Angeln auf. „Das war unser Traum“, sagt sie. Sah sie sich im Spiegel oder auf Fotos, so habe sie sich zwar erschrocken, sich aber damit abgefunden, sagt sie heute. Sie hatte depressive Phasen, veränderte sich so stark, dass ihr Mann und die beiden Töchter sagten, „wir kennen dich nicht wieder“, berichtet Mitzinger.

Im Herbst 2013 litt sie unter anhaltendem Durchfall, hatte Blutarmut und fühlte sich unwohl. Ihr Hausarzt stellte zum bereits bekannten Bluthochdruck eine Stoffwechselerkrankung fest und untersuchte ihr Blut, da er auf Grund familiärer Vorbelastung den Verdacht auf eine Diabeteserkrankung hatte. Was das bedeutet, hatte Mitzinger erlebt. Ihr Vater hatte ihre Stiefmutter zehn Jahre lang gepflegt, als diese Diabetes hatte. „Das wollte ich auf keinen Fall“, sagt Mitzinger und suchte Rat und Hilfe bei Prof. Köhler.

In einem Gespräch konnte Köhler bei Mitzinger heraushören, wo die Ursachen für das Übergewicht und damit Ursache für viele Folgeerkrankungen lagen. „Vorwürfe machen hilft da nicht“, sagt Köhler. Dann bestehe eher die Gefahr, dass die Patienten „dicht machen“, so Köhlers Erfahrung. Dadurch, dass er Mitzinger erzählen ließ, erkannte diese die Ursachen selber.

Täglich Bewegung und richtig Essen und Trinken, das war in Mitzingers Fall eine Chance, sagt Köhler. Da bei ihr die Diabetes noch in einem frühen Stadium war, waren die Organe noch nicht zu stark geschädigt. „Bei ihr hatte ich Hoffnung, dass es gelingen kann“, erklärt Köhler. Zuhause holte Mitzinger ein eingestaubtes Ergometer aus der Ecke und richtete sich täglich Auszeiten für ihre Bewegungseinheiten ein. Anders als früher, ließ sie keine Treppe aus, zwang sich zur Bewegung. Später kam ein Laufband hinzu. Im Gartenpool macht sie außerdem in der Draußensaison fast täglich Aquajogging. „Sport gehört jetzt jeden Tag dazu“, sagt sie. Sehr dankbar ist sie ihrer Familie und vor allem ihrem Mann. „Er hat mich immer unterstützt“.

In ihrer Firma berichtete sie von ihrem geplanten Weg, und erntete Lob und Unterstützung. Ihr Hausarzt checkte die Blutwerte regelmäßig. Zusätzlich kam sie alle zwei Monate nach Damp. Die Kilos purzelten. „Ich musste Frau Mitzinger immer wieder bremsen, dass sie es nicht übertreibt und sich Zeit lässt“, sagt Köhler der zugleich feststellt, dass „Bewegung eine Lebensversicherung ist“.

Neben dem Sport änderte Mitzinger ihre Ernährung. Dabei gilt für sie der Spruch: Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein Bürger und abends wie ein Bettler speisen. Sie baut stark auf mediterrane Produkte. „Wichtig ist für mich ein ausgiebiges Frühstück ohne Zeitdruck“, sagt sie. Vor allem Vollkornbrot mit Butter mag sie gerne. Jeden Mittag gibt es frischen Salat mit scharfen Gewürzen. Ergänzt wird das zum Beispiel durch Auberginen und gedünstetes Gemüse. Außerdem isst sie viel Fisch und Obst. Selten, und dann aber ganz bewusst, isst sie Kartoffelsalat oder andere fettige Sachen. Weißbrot und Brötchen gibt es mal am Wochenende.


Nahrung weglassen ist kein Verzicht


Auch wenn sie ganz viel Nahrung weglässt, so empfindet sie das nicht als zwanghaften Verzicht, sondern sie hat es sich abgewöhnt und viel Neues hinzugewonnen. „Wichtig ist, die Nahrung immer bewusst zu essen und zu genießen ohne Hektik“, so ihr Tipp. Und wenn abends vor dem Fernseher mal der kleine Hunger kommt, dann greift sie zu ungerösteten Nüssen. Um gesättigte Fette, Zucker und viele Kohlenhydrate macht sie einen großen Bogen. Und wenn sie es doch mal isst, denn verboten ist es ja nicht, dann selten und ganz bewusst. Mit Diäten hatte sie nie dauerhaften Erfolg. Jetzt ist ihre Ernährung Gewohnheitssache, sagt sie.

Seit September hält Mitzinger ihr Gewicht und genießt es, in ihre Jeansboutique zu gehen und zu shoppen. Die unförmigen riesigen Klamotten hat sie entsorgt. Von Kleidergröße 56 ist sie jetzt bei 40 und fühlt sich wohl. Die Blutwerte sind gut, von Diabetesgefahr keine Spur mehr und auch die Bluthochdruckmittel wurden sehr stark reduziert. Ihre Nieren haben sich regeneriert und leisten wieder 69 Prozent. Von dem Gewichtsverlust profitieren auch ihre beiden künstlichen Hüftgelenke, die einwandfrei arbeiten. Ihr Tipp: „Nicht aufgeben und ehrlich zu sich sein.“

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erstellt am 03.Mai.2016 | 06:28 Uhr

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