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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 21:33 Uhr

Abschied nach 44 Jahren : Neues Führungstrio im Heilpädagogium

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Christof Schreiber (66) übergibt die Leitung des Hilfswerks für traumatisierte Kinder und Jugendliche an seinen Sohn Daniel, Ralf Koberg und Kerstin Bröther. Gründer der Einrichtung war vor 69 Jahren Christian Schreiber.

Eckernförde | Das Heilpädagogium an der Ostsee hat sich im Laufe der vergangenen 69 Jahre vom Missionskinderheim für kriegstraumatisierte Kinder zu einer bundesweit renommierten heilpädagogischen Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe mit 220 Plätzen und 300 Mitarbeitern entwickelt. Das von drei christlich geprägten Stiftungen getragene Hilfswerk kümmert sich um traumatisierte, schwer entwicklungsgestörte und seelisch behinderte Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren sowie um Erwachsene mit geistiger Behinderung.

Ohne die Familie Schreiber würde es das Heilpädagogium nicht geben. Der junge Pastor und Pionier Christian Schreiber hat das Werk 1947 gegründet und Jahrzehnte geprägt, seine Söhne Hubert und Christof haben die Leitung übernommen und mit Daniel Schreiber (40) ist jetzt die dritte Generation als Bereichsleiter Personal und Organisation in die Leitung eingestiegen. Zusammen mit Ralf Koberg, dem stellvertretenden Verwaltungsleiter und Bereichsleiter Finanzen und Controlling, und der Pädagogischen Leiterin Kerstin Bröther bildet er das neue Führungstrio des Heilpädagogiums an der Ostsee.

Erschließen lässt sich das gewachsene Hilfswerk nur mit einem Blick in die Geschichte. Christian Schreiber kam 1945 als mittelloser Flüchtling mit seiner Frau Hildegard nach Eckernförde. Geprägt von Kriegserlebnissen und beseelt von der Vision, kriegstraumatisierten Kindern zu helfen, kümmerte sich der junge Pastor im Lager Sandkrug um die vernachlässigten Kinder der Kriegsflüchtlinge. Schreiber inspirierte die Menschen, gründete eine Schwesterschaft und baute mit Hilfe von Sachspenden aus Skandinavien – er unterhielt glänzende, christlich geprägte Kontakte nach Finnland, Schweden und Norwegen – sein „Hilfswerk für Kinder in Not“ auf. „Ganze Züge mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten kamen nach Eckernförde“, heißt es in der Chronik des Heilpädagogiums. Der Pionier krönte sein Wirken mit dem Bau des ersten Kinderheims in Altenhof, der Keimzelle seines christlichen Hilfswerks und der Missionskinderheime, aus denen drei Stiftungen und das Heilpädagogium an der Ostsee erwuchsen, in denen heute 173 Kinder und Jugendliche und 47 Erwachsene leben, betreut und gefördert werden. Die Zentrale befindet sich im Brennofenweg, im Umland gibt es acht weitere Standorte.

Gründer Christian Schreiber hat frühzeitig seine Söhne Christof und Hubert in die immer komplexer gewordenen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe eingebunden. Hubert wurde nach dem Ausscheiden seines Vaters und der Leitenden Oberin, Schwester Ruth, Pädagogischer Leiter, Christof Verwaltungsleiter. Sie entwickelten die Einrichtung weiter, aus dem Kinderheim wurde ein Werk mit mehreren heilpädagogischen Facheinrichtungen für die Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe. Nachdem Hubert Schreiber 2011 in den Ruhestand gegangen war, zieht sich jetzt auch der 1949 geborene Christof Schreiber nach 44 Jahren aus der Führung des Familienunternehmens zurück.

Der Name Schreiber bleibt allerdings eng mit dem Heilpädagogium verbunden: sein Sohn Daniel (40), gelernte Industriekaufmann und diplomierter Betriebswirt mit zwölfjährige Erfahrung in der freien Wirtschaft, hat sich dem Familienunternehmen angeschlossen, dass er natürlich von Kindesbeinen an kennt. So ähnlich war es schon seinem Vater ergangen, der bei der Kreis- und Stadtsparkasse Eckernförde Bankkaufmann gelernt hatte und dann nur mal im elterlichen Unternehmen aushelfen wollte – daraus sind 44 intensive Berufsjahre geworden, die er nun mit beratende Teilzeittätigkeit und Projektarbeit ausklingen lässt.

Das neue Führungstrio wird die bewährte Arbeit im Sinne des Gründers und der langjährigen Leiter fortsetzen. Oberstes Ziel bleibt die Betreuung und Förderung sozial, emotional und seelisch schwer traumatisierter junger Menschen aus Norddeutschland und weiteren Bundesländern, die von den Jugendämter nach Eckernförde geschickt werden und im Heilpädagogium in Wohngruppen mit Einzelzimmer für alle acht bis zehn Bewohnern zusammenleben, Schulen besuchen, Sport treiben und zusätzliche Therapieangebote erhalten.

Die Wertschätzung und das Vertrauen der Ämter „muss man sich erarbeiten“, sagt Christof Schreiber, das heilpädagogium sei zu einer „Marke“ geworden, der man vertraut. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit „hoher Betreuungsintensität“ hat stark zugenommen, ergänzt sein Sohn. Dieser wachsenden Herausforderung begegnet das Heilpädagogium unter anderem mit „hauseigenem Deeskalationstraining“, so Daniel Schreiber, der die Familientradition fortsetzen wird.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 06:31 Uhr

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