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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Entscheidung : Neue Pläne: Statt Männern ziehen nun Familien ein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Amt nimmt Sorgen der Eltern ernst und revidiert Entscheidung. Flüchtlingsbeirat stellt neues Projekt vor.

Gettorf | Nicht mehr 90 alleinstehende männliche Flüchtlinge, sondern nur noch etwa 60 Geflüchtete in Familienverbänden, Belegung erst ab April statt wie geplant im Februar: Nach intensiven Beratungen mit allen Beteiligten ändert das Amt Dänischer Wohld die Planungen zur Unterbringung von Flüchtlingen in den Container-Klassen an der Isarnwohld-Schule.

Der Umbau wird entsprechend angepasst. Das teilt Amtsdirektor Matthias Meins nun mit. „Damit reagieren wir auf die Ängste und Sorgen der Elternschaft, die nach den Ereignissen an Silvester noch massiver geworden sind“, erklärt er. Man habe sich mit Politik, Verwaltung, Schulverband und Flüchtlingsbeirat zusammengesetzt und die Lage erneut bewertet. „Das, was da in Köln und anderen Städten passiert ist, ist einfach eine Katastrophe. Wir wollen nicht, dass Eltern ihre Kinder mit Ängsten in die Schule schicken.“ Doch die Probleme mit der Unterbringung der Flüchtlinge, nicht genau zu wissen, was kommt, bleiben.

239 Geflüchtete aus zwölf Nationen leben derzeit im Amtsbereich, davon 156 Syrer. Für 2016 rechnet das Amt mit etwa der gleichen Zahl. Überwiegend werden es männliche Flüchtlingen sein, auch wenn im Moment mehr Familien kommen, wie Nina Michaely mitteilt. Sie ist im Amt für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig. Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern, wie den Balkan-Ländern, werden seit November nicht mehr in die Fläche verteilt. Für Nordafrikaner, die als Straftäter aufgefallen sind, wird das gerade diskutiert. Im Amtsbereich sei die Erfahrung mit männlichen Flüchtlingen in den Sammelunterkünften am Karl-Kolbe-Platz mit 35 Männern und Ruckforde mit zurzeit elf Männern eine ganz andere, macht Matthias Meins deutlich. „Hier ist es ausgesprochen ruhig.“ Er kündigt an, dass die Eltern der Isarnwohld-Schüler angeschrieben würden. Für die Unterkunft an der Schule sei weiterhin Betreuungspersonal als Ansprechpartner für Flüchtlinge und Schüler bis 24 Uhr vorgesehen und man stehe in intensivem Kontakt zur örtlichen Polizei. „Wir sehen die Ängste der Eltern, sehen die Risiken, verstehen die Irritationen“, betont auch Schulverbandsvorsteher Hans-Ulrich Frank. „Wenn es Möglichkeiten der Veränderung gibt, werden wir sofort reagieren.“ Aktuell aber stehe nur das zur Verfügung. Amtsvorsteher Kurt Arndt wünscht sich vor allem, zu einer sachlichen Bewertung der Situation zurückzukommen. Es werde viel erzählt, auch in Gettorf, Flüchtlinge und Straftaten in einen Topf geworfen. „Dagegen müssen wir vorgehen“, fordert er. Die Großwetterlage habe sich nicht geändert. Auch wenn der Bund jetzt etwas tut zur Sicherung der Außengrenzen: Bis es hier ankommt, werde es einige Zeit dauern. „Wenn wir Standorte schließen können, werden wir als erstes diese Einrichtung schließen“, verspricht er. Er will zudem die Diskussion um einen Neubau auf Amtsebene einbringen.

Christian-Albrecht Schnarke, Sprecher des Flüchtlingsbeirats Dänischer Wohld, sorgt sich um die Stimmung im Land. „Wenn sich ein negatives Klima verbreitet, ist das nachteilig für alle Flüchtlinge“, betont er. Einen Stimmungswechsel nehme er hier vor Ort aber nicht wahr. Der Flüchtlingsbeirat wolle alles tun, damit das so bleibt. Dazu gehört das Projekt „Jugend hilft Jugend“, das in Kooperation mit dem Jugendbeirat und der Schülervertretung der Isarnwohld-Schule junge Leute mit Flüchtlingen zusammen bringen soll. Es wird am 30. Januar vorgestellt. Weiter gibt es den Tag der offenen Tür an der Isarnwohld-Schule am 19. Februar und das Willkommenscafé, zu dem der Flüchtlingsbeirat jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat einlädt. Die bei der Jugend insgesamt deutlich positivere Grundhaltung und interkulturelle Offenheit begrüßt Schnarke. „Nichts ist wertvoller, als der direkte Kontakt“, weiß er. „Nur so haben wir die Chance Zweifler einzufangen. Ängsten begegnet man nur, wenn man rausgeht und die Kommunikation sucht.“

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