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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 03:17 Uhr

Fischer in heller Aufregung : Neue Dorschquote bedroht Fischerei

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der EU-Fischereirat empfiehlt die Senkung der Fangquote für den Dorsch in der westlichen Ostsee um 56 Prozent. Fischer Lorenz Marckwardt befürchtet ein Sterben der Kutterfischerei.

Eckernförde | Ein Hafen ohne Fischerboote? Undenkbar. Noch gibt es acht Berufsfischer im Ostseebad. Aber ihre Existenz sei zunehmend bedroht, sagt Lorenz Marckwardt, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes. Sein Ärger gilt der Quote für 2017 für den Dorschfang in der Ostsee, auf die sich die EU-Fischereiminister der 28 Mitgliedsländer am Montagabend in Luxemburg geeinigt haben. Die Fangquote für Dorsch in der westlichen Ostsee soll laut Empfehlung des EU-Fischereirats im nächsten Jahr um 56 Prozent reduziert werden. „Das ist die vierte Absenkung in Folge“, stellt Marckwardt erzürnt fest. „Eine Katastrophe ist das. Der Dorsch ist der Brotfisch der schleswig-holsteinischen Kutterfischerei.“

Mit diesem Quoten-Kompromiss bleibt der EU-Fischereirat hinter der von unabhängigen Wissenschaftlern geforderten Senkung um 88 Prozent zurück. Ihre Begründung: Mit dieser Quote kann sich der Dorschbestand in der Ostsee erholen. Bereits im Vorfeld der Einigung haben Gespräche zwischen Mitgliedern des Fischereirats und Vertretern der Berufsfischer stattgefunden. „Diese Zahl 88 Prozent war eine reine Vorsorgemaßnahme der Wissenschaftler“, erklärt Marckwardt auf Nachfrage. Bereits die Senkung um 56 Prozent bedeutet für die Berufsfischer die Bedrohung ihrer Existenz. Jeder Fischer habe Fixkosten in Höhe von Minimum 5000 Euro, die er erst einmal erwirtschaften muss. Von Plattfischen und Hering allein könne ein Fischer wirtschaftlich nicht überleben. „Plattfische sind nur als Beifang gedacht. Und viele Fischer haben keine Heringsquote“, erklärt Marckwardt. Zwar begrüße er die von der Politik angekündigte finanzielle Unterstützung, die müsse aber absolut sozialverträglich sein. „Es darf kein Handgeld für die Kaffeetasse sein, zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig. Sonst ist das Sterben der Kutterfischer vorprogrammiert.“

Erstmals seit Einführung der Fangquote sieht die EU-Regelung auch eine Obergrenze für die Freizeitfischerei vor. Doch damit will Marckwardt sich nicht zufrieden geben. „Immer noch werden Fischer wie die dritte Klasse behandelt“, ärgert er sich. Denn im Gegensatz zu den Berufsfischern dürften Hobbyangler während der Schonzeit im Februar und März weiterhin auf Dorsch gehen, so der Eckernförder, und sie bekämen das Doppelte an Fangmenge zugewiesen. „Die Hobbyangler sollen sich endlich an den Maßnahmen beteiligen. Es muss das gleiche Recht für alle gelten“, fordert er. Müssen die Fischer ihre Existenz aufgeben, hat das Konsequenzen: Ausbildungsbetriebe gehen verloren, Erzeugerorganisationen verlieren ihre Produzenten, der Fuhrpark wird überflüssig.

Die Fischer selbst wollten sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern und halten sich bedeckt. Sie möchten erst einmal eine Versammlung ihrer Erzeugergenossenschaften abwarten.

Unterstützung hat die Europa-Abgeordnete Ulrike Rodust angekündigt. Die Holzdorferin, die das Amt der Koordinatorin der SPD-Fraktion im Fischereiausschuss Brüssel inne hat, weiß, dass die Berufsfischerei aufgrund der reduzierten Fangquote in einer Krise steckt. „Für die Ostseefischerei sind der Bestandsrückgang des Dorschs und die daraus resultierende Quotenkürzung egal in welcher Höhe eine Katastophe“, sagt Rodust. Bereits im Sommer haben das Europäische Parlament und der Fischereirat ein Ostseemanagementplan verabschiedet, der „unsere Fischer in dieser schwierigen Situation unterstützen“ soll. Die Bereitschaft dafür sei in Brüssel vorhanden und die Mittel in Höhe von 4 Millionen Euro auch. „Jetzt muss mit Hochdruck an den entsprechenden Programmen gearbeitet werden, damit das Geld schnellstmöglich auch bei den Fischern ankommt“, fordert Rodust. Die neuen Regelungen für die Freizeitfischerei/Angelkutter bezeichnet sie als einen Schritt in die richtige Richtung: Pro Person und Fahrt dürfen ab 2017 nur noch fünf Dorsche gefangen werden, in der Schonzeit nur noch drei Dorsche.

Auch Landwirtschaftsminister Robert Habeck räumt der Freizeitfischerei eine große Rolle für den schwindenden Dorschbestand ein und begrüßt deshalb die Regelungen für die Hobby-Angler. Er folgt damit der Einschätzung von ICES, einer Gruppe unabhängiger Meeresforscher aus Kopenhagen, die festgestellt hat, dass die Freizeitfischer fast so viel Dorsch aus dem Meer entnehmen wie die Berufsfischer. Inklusive der Beschränkung für Hobby-Angler kommt die EU laut Habeck „in die Nähe der ICES-Empfehlung von 88 Prozent“. Aber: „Für die Fischerei in Schleswig-Holstein wird auch eine Kürzung von 56 Prozent hart.“ Klar sei dennoch: „Wir müssen die Bestände schonen, sonst gibt es keine Zukunft für Dorsch und Dorschfischerei.“ Deshalb begrüßte Habeck, „dass sich Dänemark nicht mit seinen Forderungen nach einer Kürzung um nur 20 Prozent durchgesetzt hat.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 06:07 Uhr

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