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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 12:59 Uhr

Bosse im Interview : Musiker oder Tennistrainer auf Mallorca

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sänger Bosse gab in Kiel ein delta-radio-Funkhauskonzert / Vorab sprach er mit Johanna Touoda und Valerie Schnaut von der der EZ-Jugendredaktion

Spätestens seit seinem Erfolgsalbum „Kraniche“ kennt jeder den sympathischen Musiker Axel „Aki“ Bosse. Nun hat er sein bereits sechstes Album „Engtanz“ herausgebracht. Mit uns sprach Bosse, der sich selbst mit den Adjektiven ehrlich, treu und ungeduldig beschreiben würde, über die Jugend, Erwartungsdruck und die Besonderheiten seines neuen Albums.


Wie kommt es zu deinen „speziellen“ Albentiteln, wie „Engtanz“ beispielsweise?
Also Albentitel sind echt schwierig, ich fange immer an wie ein Philosophiestudent im ersten Semester. Das Album „Kraniche“ sollte eigentlich „ Im Nachtbusfenster der Mond“ heißen, aber dann sagte mein bester Freund, wenn ich das mache, gäbe er mir eine „Schelle“. Ich habe mir dann aber gedacht, dass ich ein Wort haben will, welches das gesamte Album beziehungsweise das Gefühl einrahmt. So geht es im „Engtanz“ beispielsweise viel um das Tanzen und die Musik ist auch tanzbar, auf der anderen Seite ist mir das Album selbst auch sehr nahe. Es ist das erste Album, in dem ich komplett aus der Ich-Perspektive singe und auch nicht immer Lösungen parat habe. So kam ich auf den Titel „Engtanz“.


Besteht ein hoher Erwartungsdruck, nach so einem Erfolgsalbum wie Kraniche noch einmal ein genau so gutes, wenn nicht noch besseres Album zu produzieren?
Dazu kann ich sagen, dass ich von Beginn an immer schon wusste, dass Musikmachen ganz viel mit Erwartungshaltungen zu tun hat, nämlich mit meinen eigenen. Und das ist auch schon die Antwort. Würde ich Alben produzieren und wissen, dass muss ich jetzt für das Radio oder für das Hurricane-Festival machen und ich muss alles unter einen Hut bringen und wiederholen darf ich mich auch nicht, das wären zu viele Erwartungshaltungen. Dann hätte ich eigentlich schon das Korsett und die Handschellen um und könnte gar nichts mehr machen. Deshalb habe ich mir irgendwann eingetrichtert, dass es mir wirklich egal ist. So fühle ich mich auch, es ist egal, was die Plattenfirma sagt, es ist egal, was die Leute sagen, es ist egal, was meine Frau sagt, der einzige, um den es erstmals geht, das bin ich. Ich bin mit mir selbst schon so kritisch, jedes Album fällt mir schwer. Es ist auch so, ich fange immer, egal wo ich bin, mit einem weißen Blatt Papier und meiner Gitarre und einem Klavier an. Das mache ich, seitdem ich 13 Jahre alt bin. Egal wo ich bin und ganz egal wer zuhört, es bleibt immer so.


Was macht „Engtanz“ zu etwas ganz besonderem für dich?
Besonders ist erst einmal für mich, dass ich noch ein Album geschafft habe. Es ist immer ein riesengroßes Stück Arbeit. Ich muss oft sehr lange nachdenken, was berührt mich, was habe ich noch zu sagen, gibt es überhaupt noch etwas zu sagen? Dieses Album hätte ich nicht mit 23 schreiben können. Ich habe früher immer so gerne über „ich habe einen Döner in der Hand, laufe alleine durch Berlin und habe kein Geld auf dem Konto, weiß nicht wie es weiter geht“ geschrieben. Das waren für mich als Texter gute Steilvorlagen. Aber dieses Mal wollte ich gerne ein Album schreiben, das meinen Ist- Zustand beschreibt, nicht so viele Lösungen hat und nicht so von außen auf die Gesellschaft sieht. Sondern in mich selbst hineinschaut und das hatte ich so noch nie. Zudem hoffe ich, dass es musikalisch megabunt geworden ist. Man soll nach fünf Songs am besten nicht wissen, wie der sechste klingt. Ich habe versucht viel mit einem Chor zu arbeiten. Darüber hinaus sind mehr die Gitarre, die Trompete und das Horn zu hören. Und das sind so die Besonderheiten.


Welches Lied, würdest du sagen, steht für dich?
Ich muss sagen, eigentlich alle. Also wirklich alle. Einige sind ehrlicher, das stimmt. Okay dann sind es doch nicht alle. Manche sind ehrliche Momentaufnahmen, zum Beispiel „ Ahoi ade“ ist so eine, und manche Songs sind auch, wie es Schreiberlinge so machen, Dinge mit denen ich weniger zu tun habe. Aber jedes Lied trägt etwas von mir in sich.


Dein Album „Kraniche“ hast du in Istanbul geschrieben und „Engtanz“ in Umbrien. Brauchst du ferne Orte um zu schreiben?
Das mit Istanbul kommt daher, dass meine Frau Halbtürkin ist und sie dort beruflich hin musste. Meine Tochter und ich haben dann dort rumgebummelt. Da hatte ich einfach Zeit und Bock zu arbeiten. Und mit Umbrien ist es so, dass die Eltern meines Produzenten sich dort ein kleines Gehöft gekauft haben und er da auch sein ganzes Zeug hat, deshalb fahren wir da immer hin. Außerdem brauche ich frische Luft und Ruhe, um richtig arbeiten zu können.


„Engtanz“ geht ja in die Richtung des Erwachsenwerdens, was sollte man in seiner Jugend noch unbedingt erlebt haben?
Dazu habe ich gar keine Tipps, aber am besten alles. Ich glaube, das Gute an der Jugend und am Leben allgemein ist, dass man es selbst in der Hand hat. Man hat nicht so viel Verantwortung und kann auch mutig sein und Dinge machen, besonders, wenn man zunächst Angst bekommt oder es sich nicht sofort zutraut. Und genau dann würde ich es immer machen, natürlich nur, wenn es nicht verboten ist. Ich genieße es total Vater zu sein, aber ich habe meine Jugend auch sehr genossen. Im Nachhinein war sie wirklich sehr frei.


Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Gibt es noch besondere Wünsche oder Ziele?
Ja, also es gibt noch ganz viel. Ich reise unheimlich gerne. Ich würde sehr gerne mal wieder ins Theater gehen. Ich bin momentan kurz davor, mir eine Abo-Karte für das Theater in Hamburg zu holen. Es sind so Kleinigkeiten. Oder nochmal einen guten Song schreiben. All sowas.


Mit 17 Jahren hattest du schon deinen ersten Plattenvertrag, aber gab es damals noch eine Alternative zu der Musik? Hättest du dir beruflich noch etwas total anderes vorstellen können?
Es gab noch nie eine Alternative. Etwas mit Musik wollte ich immer schon machen, dass stand für mich fest. Aber ich bin meinem Vater auch heute noch dankbar, dass er meinen Sport wirklich immer finanziert hat. Ich war ein echt ziemlich guter Sportler. Sehr früh habe ich das Kickboxen für mich entdeckt, aber auch im Fußball war ich gut. Irgendwann wurde ich auch vom VW Wolfsburg weggekauft für die B-Jugend. Ich habe aber auch immer für Niedersachsen Fußball gespielt und war zudem deutsches Tennisbundkind. Das bedeutet, ich hatte immer drei Sportarten, bei denen es auf der Kippe zum Professionellen stand. Für Fußball war ich dann aber irgendwann zu klein, aber Tennis wäre eine Option gewesen. Vielleicht wäre ich dann heute Tennistrainer auf Mallorca.

Foto: Interview: Johanna Touoda und Valerie Schnaut

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erstellt am 12.Mai.2016 | 06:43 Uhr

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