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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 11:13 Uhr

Indonesien und Vietnam : Multikulti im Lützowweg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Studenten des BSIC suchen Paten in Eckernförde und Umgebung. Ihr Deutschkurs dauert noch bis August.

Eckernförde | Er mag deutsche Frauen. „Blond und blauäugig, das finde ich gut“, sagt David. Sein Lachen dabei wäre schon mal ein klarer Türöffner, denn der 21-Jährige hat den Schalk im Nacken – ein Typ, der bei den Frauen sicher gut ankommt, auch bei blonden und blauäugigen.

Wenn der Indonesier spricht, stockt er manchmal, sucht nach den richtigen Worten. Dann übertönt ein lautes Zischen seine Stimme und die Gespräche seiner Mitstudenten. Indonesisch ist die herrschende Sprache hier in der Küche des Studentenwohnheims im Lützowweg. Aber auch Vietnamesisch mischt sich dazwischen. Und natürlich Deutsch. Schließlich sind sie deshalb alle hier: um am Baltic Sea International Campus (BSIC) Deutsch zu lernen.

Was mit jungen Chinesen begann, hat sich mittlerweile auf andere Länder ausgedehnt: Zurzeit belegen 17 junge Indonesier am Campus in der Alten Bauschule in der Kieler Straße Deutschkurse, um die Befähigung zu erlangen, in Deutschland studieren zu dürfen. Drei Vietnamesen kommen hinzu und ein Algerier. Untergebracht sind sie in Zweierzimmern im Lützowweg, wo sie nach ihren Kursen beim Lernen die meiste Zeit verbringen. Heute Abend jedoch wird nicht gelernt, heute kochen und essen alle zusammen.

„Rendang“ bereiten sie zu, eine Art Rindergulasch mit indonesischen Gewürzen. Und „Opor Ayam“: Hühnerschenkel in Kokosmilchsoße. Gegenüber stehen zwei Vietnamesen und braten Schweinefleisch und Tofu an, beides wenden sie mit ihren Stäbchen. Kochen ist für asiatische Frauen und Männer selbstverständlich. Schon in jungen Jahren lernen sie das von ihren Eltern. Dabei kommen sie ins Plaudern. Neben den „schönen Frauen“ gefällt David das Wetter am besten. Wie bitte? „Hier gibt es verschiedene Jahreszeiten und Schnee“, schwärmt er. In seiner Heimat West-Papua dagegen sei es immer nur warm. Für Muhamad von Java dagegen war der Weihnachtsmarkt in Heidelberg am schönsten. Welche deutschen Gerichte er schon einmal gegessen hat? Nur Currywurst. Dabei ist er schon seit einigen Monaten in Deutschland.

Sie alle schwärmen von Deutschland, von der Sauberkeit, der Mentalität. „Ich will Schiffstechnik in Hannover studieren“, sagt Ikra. „Die Qualität der Universitäten in Deutschland ist besser und sie sind kostenlos. In Indonesien muss man zum Beispiel für ein Medizinstudium 3000 Euro pro Semester an Unis bezahlen, die auch einen guten Ruf haben.“

So sehr sie Deutschland auch loben – die Deutschen können auch viel von den Studenten lernen. Ob Christ oder Moslem spielt hier keine Rolle, es ist noch nicht einmal ein Thema. Sprachbarrieren gibt es nicht. Bei 17  000 Inseln und 250 verschiedenen Sprachen haben die Indonesier gelernt, sich zu behelfen und eine Sprache zur Einheitssprache erhoben, die schon an Grundschulen unterrichtet wird: Bahasa. Auch gibt es keine Scheu: Mehrere von ihnen haben schon Jobs, Rebecca zum Beispiel kellnert in einem China-Restaurant, während Ikra im Wellenbad saubermacht.

Dennoch: Es fehlt am direkten Kontakt zu den Eckernfördern. Deutsch lässt sich nun einmal am besten im direkten Gespräch lernen – und die Studenten haben Vieles zu erzählen. Der BCI-Campus sucht nun Paten für die jungen Menschen, Eckernförder, die sich bereiterklären, einen Studenten mal zum Kaffee zu sich nach Hause einzuladen oder eine Fahrradtour mit ihm zu unternehmen. Wer Interesse hat, kann sich unter Tel. 04351/666  5000 beim BSIC melden. Die Studenten sind noch bis August in Eckernförde.

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erstellt am 30.Apr.2016 | 06:51 Uhr

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