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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 15:48 Uhr

Eckernförde : Müll wird zum Politikum: Kirche holt sich jetzt juristischen Rat

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Altstadtverein prangert die nach wie vor ungelöste Müllsituation auf dem Kirchplatz an – die Stadt Eckernförde will handeln. Viele Anlieger stellen ihre Mülltonnen dauerhaft auf dem Kirchengrundstück ab.

Eckernförde | Die große Zahl der Mülltonnen auf dem Kirchplatz rund um die St. Nicolai-Kirche treibt den Altstadtverein weiter um. In der Jahreshauptversammlung am Montagabend im Ostsee Info-Center (OIC) am Seesteg vor rund 20 der 78 Mitglieder sprach Vorsitzender Günter Haß von „unglaublichen 39 Mülltonnen“, die rund um die Kirche von den Anwohnern und Betreibern der umliegenden Häuser, Geschäfte und Restaurants hauptsächlich auf Kirchengrund dauerhaft abgestellt werden. Für den Altstadtverein ein untragbarer Zustand, den er seit langem auch wiederholt öffentlich beklagt. „Wenn die Realisierung solch einer lächerlichen Angelegenheit schon Jahre dauert, braucht man sich über andere ungelöste Probleme nicht zu wundern“, sagte Haß.

Seit langem schon stellen Anwohner ihre Mülltonnen auf dem Kirchengrund ab. Eine Lösung ist trotz mehrfacher Diskussion nicht in Sicht.

Eine gemeinsame Lösung des Mülltonnenproblems durch alle Beteiligten – Stadt, Kirche und Anwohner – ist offenbar nicht möglich. Nun scheint aber zumindest eine Teillösung auf dem kleinen städtischen Grundstück hinter dem Ratskeller und Museum in Sicht zu sein, berichtete Haß. Bürgermeister Jörg Sibbel hätte ihm am Montag mitgeteilt, dass die Stadt sich um einen Sichtschutz für die dort im Verantwortungsbereich der Stadt abgestellten Mülltonnen kümmern werde. Das bedeutet aber auch: Alle anderen Tonnen werden weiterhin im Stadtbild rund um die Nicolai-Kirche präsent sein, wenn dort nicht auch entsprechende Regelungen gefunden werden. Vorstandsmitglied Uwe Burscheid kündigte an, „der Kirche weiter auf den Pelz zu rücken“. Er selbst habe ein Angebot für einen 1,25 Meter hohen begrünten Zaun eingeholt, der den unschönen Blick auf die Abfallbehälter „ein wenig kaschieren kann. Kosten 1200 Euro fix und fertig.“ In den Reihen der Mitglieder regte sich Unmut über die Situation. Hans Jörg Petersen appellierte an die Verantwortung der Anlieger und der Kirche, auf deren Grundstück die Mülltonnen abgestellt sind. „Ich kann meine Mülltonne auch nicht einfach beim Nachbarn aufs Grundstück stellen“.

„Wir sind keine Vollstreckungsbehörde“, sagte der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Pastor Dirk Homrighausen, auf Anfrage unserer Zeitung zu diesem Thema. Der Kirchplatz sei zwar bis auf einen kleinen Bereich hinter dem Ratskeller Eigentum der Kirche, sie habe die öffentliche Nutzung und Pflege jedoch der Stadt überlassen. „Wir erhalten für die Veranstaltungen und Märkte keine Einkünfte“, so Homrighausen. Die bekämen die Stadt, die wiederum für Sauberkeit sorgen soll, laute die Absprache. Nachdem die Stadt nun eine Unterflurlösung erwogen hat, diese aber von den Anliegern abgelehnt wurde, müsse nach neuen Lösungen gesucht werden. Darüber hätten er und der Bürgermeister gesprochen. Während die Stadt sich nun um ihre eigenen Mülltonnen kümmern wolle, werde er sich Anfang Mai Rat bei einem Verwaltungsjuristen holen, wie mit den Mülltonnen der Anlieger auf dem Kirchengrundstück zu verfahren ist, sagte Homrighausen der EZ. Die Kirche selbst bringt ihre Tonnen übrigens in der Kirche unter. „Von uns steht auf dem Kirchplatz keine einzige Mülltonne.“ Dafür nutzen diese Fläche selbst Geschäfte aus der Kieler Straße.

Während die Kirchengemeinde St. Nicolai jetzt ihr weiteres Vorgehen abwägt und bis zum Sommer den unbefriedigenden Zustand verändern möchte, kümmert sich die Stadtverwaltung sozusagen um ihren eigenen Müll. Bürgermeister Jörg Sibbel verwies auf die Schaffung eines mögliches Präzedenzfalles, falls die Stadt aus Steuermitteln Müllboxen für die Privatanlieger am Kirchplatz finanziert hätte, und die Ablehnung eines Unterflursammelsystems durch die Anlieger. Daraufhin sollte sich jeder Anlieger selbst um eine Unterbringung seiner Tonnen kümmern. Darüber habe er auch mit Dirk Homrighausen gesprochen, von einem Scheitern der Gespräche könne keine Rede sein. „Wir werden jetzt in den nächsten Wochen unsere Mülltonnen für den Ratskeller und den Wochenmarkt – zwei Großraumcontainer mit je 1800 Liter und zwei 120-Liter-Tonnen – hinter dem Ratskeller vernünftig abkleiden“, sagte Sibbel, der darauf hofft, dass auch die Kirchengemeinde mit den Anwohnern eine Lösung findet.

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erstellt am 20.Apr.2016 | 06:29 Uhr

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