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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 19:40 Uhr

GRAUSAME JAGD : Mörderischer Walfang: Auch ungeborene Walbabys starben

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der ehemalige Berufstaucher Günter Quander (88) hat in den 50er-Jahren sechs Monate als Walverarbeiter gearbeitet. Sein Taucheranzug wird heute im Museum ausgestellt.

Eckernförde | Noch heute verfolgt Günter Quander (88) der Anblick des ungeborenen Blauwalbabys, das tot an Deck der „Olympic Challenger“ liegt. „Das Walbaby hat nie das Wasser erlebt“, sagt Quander. Es kam zum Vorschein, als er und die anderen Männer des Walfängers seine Mutter mit Flensmessern aufschnitten. „Das ist das Schlimmste gewesen: Alle Muttertiere hatten ihre Babys noch im Bauch.“ Günter Quander hat von Oktober 1955 bis April 1956 als Walverarbeiter auf der „Olympic Challenger“ gearbeitet. Von den Erlebnissen und der Arbeit auf dem Walfangschiff der griechischen Reederei Aristoteles Onassis hat der Eckernförde im Rahmen der Walwoche während einer Veranstaltung mit Andreas Pfander im Museum auf eigene Initiative einen Vortrag gehalten, der die Zuhörer sehr berührte.

Als Bootsbauer und Berufstaucher war der 28-Jährige auf der Howaldtswerft Kiel am Umbau des ehemaligen Tankers, der auf Walfang ins Eismeer gehen sollte, beteiligt. Das Geld war knapp, Ehefrau Roswitha musste zu Hause in Dietrichsdorf drei kleine Kinder versorgen. Ein Walverarbeiter verdiente auf der sechsmonatigen Reise von Kiel ins südliche Eismeer vergleichsweise viel.

Günter Quander ist das Entsetzen anzumerken, als er von der mörderischen Arbeit berichtet. Gearbeitet wurde in 12 Stunden-Schichten. Gefangen wurden alle Walarten, so auch Blauwale, Buckelwale und Pottwale. Noch auf dem Schiff wurden die Wale verarbeitet, um das Walöl zu gewinnen. Das Deck war stets von Speck, Öl und Blut überzogen. „Wir hatten Schuhe mit Spikes an, um nicht auszurutschen“, so Quander. Wurden zu viele Exemplare getötet, so dass die Männer an den riesigen Kochern gar nicht mit ihrer Arbeit hinterherkamen, wurden die toten Tiere einfach seitlich als Fender an der Bordwand befestigt. Luftspieße wurden in die Körper gesteckt, damit die Kolosse nicht untergingen. „Wir zogen eine lange Blutspur hinter uns her – das war fürchterlich“, erinnert sich der Eckernförder. Und diese Blutspur zog auf der Rückfahrt durch wärmere Gewässer Haie an.

Mit diesen machte er Bekanntschaft in der Kongo-Mündung, als die Schraube des riesigen Schiffes unter Wasser repariert werden musste. Das Seil eines Fangboots hatte sich in der Schraube verfangen. Der Taucheranzug, den er damals trug, ist heute im Museum zu sehen. „Als ein Hai direkt auf mich zuschwamm, habe ich ihm das Kabel vom Elektroschweißgerät vor die Nase gehalten, und er verschwand“, erinnert Quander sich an die brenzlige Situation. Trotz Fangverbot wegen Paarungszeit hätten die Kapitäne angeordnet, weiterhin auf Jagd zu gehen. „Das kann ich heute überhaupt nicht verstehen“, sagt Quander. Es wurden so viele Wale getötet und entsprechend viel Tran gewonnen, dass bereits nach der Hälfte der Reise die Lagerkapazitäten erschöpft waren und ein riesiger Tanker kommen musste, um das Öl zu übernehmen. Wer der Abnehmer dieser riesigen Walölmenge war, wussten die Matrosen und Arbeiter an Bord nicht. „Es ging das Gerücht um, dass die Amerikaner es für den Bau ihrer Napalmbomben haben wollten“, verrät der 88-Jährige. Heute tritt Günter Quander zum Schutz der Wale für ein weltweites Fangverbot ein, auch in Norwegen, Japan und Island, wo immer noch Walfang betrieben wird. „Die Walfänger müssen alle bestraft werden. Gerade die, die dafür die Verantwortung tragen.“ Die Erfahrung als Walverarbeiter und die Massentötung der großen Säugetiere haben den Eckernförder verändert. Danach habe er nie wieder in seinem Leben ein Tier töten können, so Quander. „Es ist eine traurige Geschichte, dass so viele Wale ermordet wurden“, sagt er.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 04:56 Uhr

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