zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 18:34 Uhr

Neues U-Boot in Eckernförde : Mit U 36 ist die Flotte komplett – vorerst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Marine hat mit U 36 ihr sechstes und vorerst letztes U-Boot in Dienst gestellt. Das Verteidigungsministerium kündigt zwei weitere U-Boote bis 2030 an.

Eckernförde | „Schwitzige, übernächtigte Gestalten mit rotumränderten Augen, strähnigen Haaren und irrem Blick.“ Bei der Indienststellung von U 36, dem sechsten und vorläufig letzten U-Boot der Deutschen Marine, erinnerte der stellvertretende Marine-Inspekteur Vizeadmiral Rainer Brinkmann am Montagnachmittag am Marinestützpunkt an das vom Film „Das Boot“ geprägte Bild des U-Boot-Fahrers, wie es im „Heizer Johann“ zum Ausdruck kommt. „Zombies sehen so aus“, so Brinkmann. Doch diese Zeiten sind vorbei, spätestens, seit 2005 das erste der sechs neuen U-Boote der Klasse 212A in Dienst gestellt wurde.

Einen Eindruck vom neuen U-Boot gibt es in unserem Video:

Die neuen Boote wurden entwickelt, um Einsätze über mehrere Wochen hinweg im dauergetauchten Zustand und weitgehend unabhängig von Außenluftzufuhr zu ermöglichen. Die Hybrid-Anlage setzt sich aus einem Dieselgenerator, einer Fahrbatterie, einer Brennstoffzellenanlage und dem Fahrmotor zusammen. Die Brennstoffzellen-Anlage wandelt Wasserstoff und Sauerstoff geräusch- und abgaslos in elektrische Energie um. Als einziges Nebenprodukt fällt destilliertes Wasser an. Der Mannschaftsbereich wurde bei den neuen Booten größer gestaltet – die Soldaten müssen sich nicht mehr zu zweit eine Koje im Schichtbetrieb teilen. Als letzte Neuerung wurde eine Taucherschleuse für Spezialkräfte integriert, die somit nicht mehr nur über die Torpedorohre unbemerkt am Einsatzort abgesetzt werden können. Auch die Sensor- und Kommunikationstechnologie wurde erweitert.

Besonders der leise Antrieb der mit 57 Metern Länge vergleichsweise kleinen U-Boote zeichnet die deutschen Einheiten aus. Sie sind kaum ortbar und deshalb unter anderem besonders zur Aufklärung geeignet. Vize-Admiral Rainer Brinkmann: „Diese U-Boote sind State-of-the-Art, sie sind Hightech pur. Sie sind das Modernste und Beste, was der U-Boot-Bau im konventionellen Bereich zu bieten hat.“ Und um im Bild zu bleiben, hält wieder „Das Boot“ her: „Heizer Johann und seine klappernden Ventile sind endgültig passé.“

Ursprünglich waren acht U-Boote für die Deutsche Marine geplant, sechs wurden es jedoch aufgrund der angespannten finanziellen Lage. Doch wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gestern in Berlin sagte, sollen bis 2030 zwei weitere U-Boote in Dienst gestellt werden. „Mit sechs U-Booten der Deutschen Marine liegt die Anzahl unter dem Bedarf der Bundeswehr.“ Er verwies außerdem auf „Gründe der operationellen Verfügbarkeit“. In der Vergangenheit waren teilweise nur zwei U-Boote einsatzbereit, da die anderen in der Werft lagen oder Ausbildungszwecken dienten. U 36 habe rund 500 Millionen Euro, die sechs Boote zusammen etwa 2,59 Milliarden Euro gekostet.

Ein Grund, aller Sorgen entledigt zu sein, ist das laut Vize-Admiral Brinkmann jedoch nicht: Es mangelt an Personal, besonders an Elektrikern, Elektronikern und IT-Spezialisten. Vier 28-köpfige U-Boot-Mannschaften gibt es zurzeit, die nicht einem festen Boot zugeteilt sind, sondern im Mehrbesatzungsmodell fahren.

Unter dem Kommando von Korvettenkapitän Christoph Ploß (33) geht es für die Besatzung „Golf“ mit U 36 zunächst in die Ostsee zu Ausbildungszwecken, um im Februar zu einem ersten Manöver vor Südengland auszulaufen.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt war bei der Indienststellung auch dabei. Er wünschte der künftigen Besatzung eine gute Fahrt: „Mögen Sie immer da auftauchen, wo Sie es geplant haben.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2016 | 06:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen