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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Zeitgeschichte : Mit neuem Klang aus der Winterpause

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Am 1. Mai eröffnet das Phonomuseum Alte Schule wieder seine Türen / Museumsbetreiber Familie Pokrant zeigt viel Neues im fünften Jahr des Bestehens.

Holzdorf | Alles neu macht der Mai. Das passt auch auf das Phonomuseum Alte Schule in Seeholz. Schon bald wird aus den ehemaligen Klassenräumen wieder der Klang von Schlagern, von Chansons und klassischen Musikstücken erklingen. Im Phonomuseum endet am 1. Mai die Winterpause. Familie Pokrant hat die Pause genutzt, um ihre Ausstellung zu ergänzen und neu zu gestalten. Zugleich feiern Erika, Rolf und Sohn Nico Pokrant dann das fünfjährige Bestehen des Museums.

Gezeigt werden rund 700 Objekte aus den Jahren 1880 bis 1975. Dabei legen die Initiatoren das Augenmerk auf die gesellschaftliche und geschichtliche Entwicklung der Geräte- und Musikindustrie. Die zahlreichen technischen Feinheiten und Entwicklungsschritte auszustellen, würde die Ausstellung überfrachten, sagt Nico Pokrant (38). Chronologisch sortiert nehmen die Ausstellungsmacher die Besucher mit auf eine spannende und geführte Reise durch die Jahrzehnte. Außerdem liegen 8000 Tonträger, von der Phonographenwalze, über Schellack- und Vinylschallplatten bis hin zu Drahttonbändern und Kassetten vor, so dass Hörproben der überwiegend funktionstüchtigen Geräte die Führungen bereichern.

Besonders freuen sich Pokrants über ein Wilkafoon, das die Emsdettener Maschinenbaufirma Albert Jürgens 1935 baute. Der elektrisch betrieben automatische Schallplattenwechsler kann bis zu 30 Platten von beiden Seiten nacheinander abspielen. Angetrieben wird es mittels einer Fahrradkette. „Das war etwas ganz Feines“, sagt Nico Pokrant. Das Gerät sorgte in hochpreisiger Gastronomie für die dauernde Hintergrundmusik. Ohne Verstärker und Lautsprecher kostete es 645 Reichsmark. Eine Reichsmark war um 1936 etwa 3,32 Euro wert (Stand 2000, Hamburger Staatsarchiv).

Froh sind Pokrants auch über ein Röhrenradio des englischen Herstellers Ekco aus dem Jahr 1935. Sie zeichnen sich durch ihr besonders Design aus, erklärt Pokrant. Selten zu finden und daher im Phonomuseum höchst willkommen ist ein Körting Radio ebenfalls aus dem Jahr 1935. „Das war ein Scheunenfund“, berichtet Nico Pokrant. In Betrieb bekomm er das Gerät nicht mehr, aber es liefert wertvolle Ersatzteile für ein besser erhaltenes Gerät. Ein besonderer Hingucker ist auch das Telefunken Spitzensuper der Serie 8000. Es weist edle Aluminium-Bauteile auf, verfügt über eine versenkbare Senderskala und bereits über Voll- und Hochtöner Lautsprecher.

Aus dem Jahr 1951 stammt ein Schaub Supraphon. Das Gerät ermöglicht die Aufnahme von Musik aus dem Radio auf einem Stahldrahttonband. Und es verfügt über einen Plattenspieler, von dem auch aufgenommen wird. Mit 35 Kilogramm und einem Preis von 1750 D-Mark ist es ein echtes Schwergewicht. Ein VW-Käfer kostete 1953 beispielsweise 4150 D-Mark. Das älteste Gerät der Sammlung ist ein Ortograph aus dem Jahr 1898. Das Gerät ist in der Lage, über einen Schalltrichter gesprochene Worte auf eine Wachsrolle zu gravieren, erläutert Nico Pokrant. Die Rolle muss mit einer Handkurbel gleichmäßig schnell gedreht werden.

In den fünf Jahre Phonomuseum haben Pokrants eine ganze Menge gelernt und ihre Ausstellung immer wieder geändert und angepasst. Vor allem die Menge der Exponate ist gesunken, berichten Rolf und Nico Pokrant. "Die Qualität der Objekte ist gestiegen, die Masse gesunken", sagt der 38-Jährige. Sie hätten viele Objekte entnommen, die zwar technisch jeweils eine Weiterentwicklung dokumentieren würden, die aber die Besucher nicht erkennen können. Besondere Sachen heben sie jetzt mehr hervor und haben sich auch von Dingen getrennt, die einfach weder selten noch besonders interessant sind, außer dass die ein Teil der Zeitgeschichte sind, sagt Nico Pokrant, der als Finanzwirt arbeitet. Sie wollen anhand der Exponate und der Tonträger die gesellschaftliche Entwicklung darstellen. Die Rückmeldungen der Besuchern geben ihnen Recht.

Die Zahl der Besucher steigt seit 2011 jährlich um rund zehn Prozent an. Im Vorjahr waren es gut 900. Vor allem Gruppen meldeten sich oft an und erlebten dann spannende Zeitreisen in ihre Jugend.

In Arbeit ist derzeit ein kleiner Veranstaltungsraum, in dem möglicherweise auch Musikabende zu verschiedenen Musikrichtungen stattfinden können. Im Fundus des Museums sind Schlager und Lieder aus den 20- bis 80- Jahren.

Infos: Phonomuseum "Alte Schule" ist vom 1. Mai bis Ende Oktober, jeweils von Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr offen. Eintritt ist frei, Spenden willkommen. www.phonomuseumseeholz.de.

 

 

 

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erstellt am 22.Apr.2016 | 06:26 Uhr

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